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Die Apple-SIM - so funktioniert spontaner Anbieterwechsel

17.10.2014 | 14:54 Uhr |

Apple stattet das iPad Air 2 in manchen Ländern mit einer programmierbaren SIM-Karte aus. Das ist eine kleine Revolution. Netzanbieter werden damit zu reinen Dienstleistern.

Flexible SIM-Karten, die ganz unterschiedliche Betreiber abwechselnd nutzen können, gibt es schon länger. Bisher haben sich diese jedoch noch nicht durchsetzen können. Denn die Mobilfunkanbieter sehen dies nicht gerne. Sie wollen lieber, dass Kunden zu ihnen kommen und eine eigene SIM-Karte nutzen, damit sie stärker an die eigenen Tarife gebunden sind.

Apple hat es jetzt als erster großer Anbieter geschafft, dass einige Provider einlenken und dabei mitmachen, dass die Nutzer quasi per Klick den Anbieter wechseln können. "Apple-SIM" nennt das Unternehmen die flexible SIM-Karte. Damit kann der Anwender jederzeit den Prepaid-Datentarif wechseln und sogar im Urlaub zu einem lokalen Anbieter wechseln, um Roaminggebühren zu umgehen. Dies ist ein Bruch mit den bisherigen Geschäftsmodellen der Provider, die solche Flexibilität nur ungern sehen.

Dennoch hat Apple es geschafft, zumindest vier Anbieter aus den USA und Großbritannien an einen Tisch zu bekommen und den Nutzer selbst entscheiden zu lassen, wen davon er zu welcher Zeit nutzen möchte. Mit dabei sind bisher T-Mobile (USA), Sprint, AT&T und EE. Apple konnte bei den Verhandlungen vermutlich auf seine Marktmacht setzen und darauf, dass Mobilfunktarife für das iPad ohnehin meist Prepaidverträge sind, die zudem keinerlei Sprachverbindungen ermöglichen. Ständige Rufnummernmitnahme würde den Prozess beispielsweise erheblich komplizierter machen.

Der Nutzer kann seinen Anbieter direkt in den iOS-Optionen wechseln - so oft dieser das erlaubt.
Vergrößern Der Nutzer kann seinen Anbieter direkt in den iOS-Optionen wechseln - so oft dieser das erlaubt.
© Apple

So funktioniert es

Aus Sicht des Nutzers ist der Providerwechsel jetzt denkbar einfach. In den Systemeinstellungen von iOS tauchen die Anbieter in den Optionen von "Mobile Daten" auf. Wie genau der Wechsel abläuft, ist noch nicht klar. Es soll jedoch direkt am iPad und mit wenigen Klicks möglich sein. Die Anbieter können ständige Wechsel jedoch in ihren Bedingungen unterbinden und die Wechsel begrenzen. Dabei ist der Prozess, mit einer SIM-Karte von einem Anbieter zu einem anderen zu wechseln, nicht trivial. Der Anbieter muss die SIM-Karte identifizieren können, damit sich diese überhaupt in das Netz einbuchen kann, um den Kunden zu erkennen und den Tarif zuzuordnen. Zusätzlich muss das Mobilgerät Details wie den APN, also die Einwahldaten des mobilen Internets, wissen.

Das Gerät muss die neuen Zugangsdaten auf die Simkarte laden. Das System, dass die Nutzer verwaltet, muss den Anbieterwechsel ebenfalls verbuchen.
Vergrößern Das Gerät muss die neuen Zugangsdaten auf die Simkarte laden. Das System, dass die Nutzer verwaltet, muss den Anbieterwechsel ebenfalls verbuchen.

Deshalb müssen sich alle teilnehmenden Provider zusammenschließen oder einen gemeinsamen Dienst nutzen, der solche Wechsel koordinieren kann. "Subscription Provisioning " ist hier das Stichwort. Das bedeutet, dem Nutzer einen definierten Zugang zum Netz zu verschaffen. Dazu muss das iPad in der Lage sein, mit einem solchen zentralen Dienst zu kommunizieren, dort einen Anbieterwechsel digital anzumelden und die nötigen Daten auf die SIM-Karte herunterzuladen.

Wo und mit welchen Geräten geht es?

Es ist sehr genau begrenzt, mit welchen Apple-Geräten man die neue Super-SIM-Karte benutzen kann: Nur das iPad Air 2 und das iPad Mini 3 funktionieren damit. Es wird also nichts bringen, sich eine Apple-SIM zu besorgen und diese in ein anderes Gerät einzusetzen. Wann das Angebot auch noch Deutschland kommt, ist derzeit noch nicht klar, "wir arbeiten daran", sagt Apple selbst dazu. Derzeit können nur Kunden in den USA und Großbritannien dies nutzen. Nur dort hat Apple die Anbieter bereits zusammen gebracht.

Kein neues Prinzip

Die grundsätzliche Technik für solche Lösungen existiert schon beinahe seit zwei Jahren. Schon damals gab es Gerüchte, dass Apple plane, das iPhone bald ganz ohne wechselbare SIM-Karte auszuliefern. Dies scheiterte angeblich am Widerstand der Provider. Schon auf dem Mobile World Congress 2013 haben wir uns eine Lösung einer fest eingebauten SIM-Karte des Anbieters Giesecke & Devrient vorführen lassen (siehe Bildergalerie). Diese richtet sich an vernetzte Autos , die mobilen Zugang zum Internet haben. Hier könnte eine fest eingebaute SIM-Karte das Leben der Nutzer ebenfalls deutlich erleichtern, beispielsweise im Urlaub im Ausland.

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