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Die Elektronische Brieftasche braucht noch Zeit

20.02.2003 | 10:46 Uhr |

Die Paybox-Pleite hat den Erfolg des Handy als Zahlungsmittel weiter verzögert.

Gerade in der Handtasche oder dem Aktenkoffer liegen Brieftasche und Handy oft dicht beieinander. Umso praktischer wäre es, wenn das Mobiltelefon Kreditkarte und Bargeld ersetzen könnte. Schon seit ein paar Jahren geistert die Idee vom Einkaufen und Bezahlen mit dem Handy durch die Telekom-Branche: Eine Geheimnummer per SMS abschicken, auf die Rückbestätigung warten - so einfach sollte es sein. Doch wie so oft hängt der Erfolg vor allem davon ab, ob die Technik schnell und überall funktioniert - und, ob sie von den Netzbetreibern auch clever vermarktet wird.

Vor wenigen Wochen erlitt das so genannte mobile Bezahlen einen herben Rückschlag: Paybox, der mit Abstand bekannteste Anbieter, stellte in Deutschland seinen Betrieb bis auf weiteres ein. Zu wenige Handy-Besitzer hatten ihre Fahrt im Taxi oder die Bestellung im Internet mobil bezahlt. Die Deutsche Bank hatte sich bereits Ende 2002 als Großaktionär aus dem Start-up zurückgezogen. Paybox' Kräfte reichten nicht aus, um auf eigene Faust den Durchbruch für das neue Zahlungsmittel zu schaffen.

Auf der Computermesse CeBIT im vergangenen Frühjahr hatten sich mächtige Konkurrenten zusammengeschlossen: Vodafone und T-Mobile, die beiden größten Mobilfunkanbieter Europas, kündigten eine gemeinsame Plattform an, die sich länderübergreifend als Standard für mobile Bezahldienste etablieren sollte. Inzwischen setzt Vodafone in Deutschland bereits das System "m-pay" ein, doch das internationale Projekt ist immer noch nicht abgeschlossen. "Es war von Anfang an klar, dass es keine schnelle Lösung geben würde", meint ein Sprecher der Londoner Vodafone-Zentrale. Dass die beiden Mobilfunk-Riesen andere europäische Netzbetreiber mit ins Boot holen konnten, will er nicht bestätigen.

Damit mobiles Bezahlen technisch funktioniert, reicht das Know-how rund ums Telefonieren allein nicht aus. Im Hintergrund müssen komplizierte Vorgänge für die Zahlungsabwicklung sicher und schnell ablaufen. Kein Wunder, dass sich einer Studie der Universität Augsburg zufolge ein Großteil der Handy-Nutzer (78 Prozent) eine Bank als Betreiber des Bezahlverfahrens wünschen. Der Telefongesellschaft vertrauen hingegen nur etwas mehr als ein Viertel der 5110 Befragten. Die Kreditinstitute sind nach ihren leidvollen Erfahrungen mit Internet-Investitionen aber derzeit nur schwer für neue Experimente zu begeistern.

Die meisten Kunden würden laut der Umfrage Spiele oder Informationen, die sie aus dem Internet aufs Mobiltelefon herunterladen, mobil abrechnen. An zweiter Stelle steht die Bezahlung per Handy. Nach Einschätzung von Experten sind mobile Bezahlverfahren heute schon sicherer als zum Beispiel die EC-Karte. Dennoch haben viele potenzielle Nutzer Bedenken. Hinzu kommt, dass es noch zu wenige Händler gibt, die das Handy zum Bezahlen akzeptieren. Sie warten erst ab, ob ihre Kunden es auch benutzen würden. "Das ist das alte Problem von der Henne und dem Ei", meint Key Pousttchi von der Universität Augsburg. dpa

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