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Die Freitags-Kolumne

23.05.2003 | 12:33 Uhr |

Je weniger Knöpfe es an einem Gerät zu drücken gibt, desto stabiler sollte es laufen. Schade nur, wenn etwas schief läuft und nicht herauszukriegen ist, was.

Letzte Woche erst habe ich Klebeband gegen die Decke genagelt. Warum? Fragen Sie nicht so seltsam, natürlich weil ich Wasser im Lampenschirm hatte. Wie das dorthin gelangte?
Das Wasser war wohl von einem Leck im Badewannenabfluss ausgeflossen und hatte sich ein Stockwerk tiefer einen Weg gesucht. Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, floss es langsam in Richtung des tiefsten Punktes der Zwischendecke aus Sperrholz, in dessen Nähe praktischer Weise auch gleich ein Loch gebohrt war, das den Elektrokabeln Zugang zur Deckenlampe gewährte. Diese hängte ich natürlich ab und schraubte an die nackten Kabel eine Fassung samt Glühbirne. Da diese mir stets in Augenhöhe baumelte, verkürzte ich die Stromzufuhr provisorisch, indem ich sie mit Klebeband an der Decke fixierte. Das hat aber nur mit der Hilfe von drei kurzen Nägeln gehalten. Ich bin also noch nicht verrückt geworden und plane wie weiland König Ludwig II den Starnberger See alleine auszutrinken, sondern folge einfach nur logischen Heimpfuscherregeln.

"Black Boxes, auch in blauer oder weißer Farbe, sind eine feine Sache, solange sie im Verborgenen arbeiten und klaglos funktionieren. Aber wehe, es taucht ein Problem auf, und man hat keine Werkzeuge zur Hand."
Vergrößern "Black Boxes, auch in blauer oder weißer Farbe, sind eine feine Sache, solange sie im Verborgenen arbeiten und klaglos funktionieren. Aber wehe, es taucht ein Problem auf, und man hat keine Werkzeuge zur Hand."
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Schließlich widerstrebt es mir, beim kleinsten Problem sofort nach dem Handwerkernotdienst zu telefonieren und Unmengen an Geld auszugeben. Selbst ist der Mann, dachte ich mir, und machte mich auf die Suche nach der Ursache der Haferflocken-gegen-die-Wand-, pardon, Klebeband-gegen-die Decke-Nagelei.. Die Dichtung im Abfluss der Wanne machte ihren Namen keinerlei Ehre mehr, doch nach drei Tagen der Stille begann es im Windfang wieder zu tropfen. Zwei vage Alternativen bleiben also, das Problem könnte unmittelbar unterhalb der Badewanne oder hinter der abgehängten Zwischendecke sitzen. Kurz ausgerechnet, welche Verwüstung mich teurer kommt, entschied ich mich, die Inspektionsluke an der Badewanne aufzumeißeln und ich sah - nichts.

Black Boxes sind eine hervorragende Sache, wenn sie funktionieren, wie sie sollten und man nicht ständig ihre Arbeit überwachen muss. Nicht nur deshalb habe ich mich für den Mac entschieden, die Mühle läuft, macht keinen Ärger und man muss sie nur etwa alle drei bis vier Jahre austauschen, sobald sie zu langsam geworden ist für die schönen neuen Softwarespielsachen oder Apple einen Rechner mit hohem Will-haben-Faktor herausgebracht hat. Man weiß bei so einer Black Box: Einschalten, Loslegen, Wohlfühlen. Klar, kleinere Probleme hatte man unter dem klassischen Mac-OS immer wieder einmal, dann legte man halt die Schreibtischdatei neu an, fummelte ein bisschen in den Kontrollfeldern hin und her und das war's. Genau so sollte ja ein Badewannenabfluss funktionieren, nach dem Duschen gurgelt es kurz und eine halbe Stunde danach ist allenfalls das Handtuch noch etwas feucht und nicht der Boden im Hausflur

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