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Die Freitags-Kolumne

04.07.2003 | 14:48 Uhr |

Den iTunes-Music Store wird es laut Pascal Cagni frühestens nächstes Jahr in Europa geben. Schade eigentlich, gerade jetzt würde er dringend gebraucht - obwohl noch einiges im Angebot fehlt.

Das Dilemma der Pioniere: Der Weg, den sie beschreiten, ist kaum vorgezeichnet und strotz nur so vor Überraschungen. Die Nachfolger haben weniger Probleme, denn sie trappen ja auf ausgebauten Pfaden den Innovatoren hinterher und kennen genau deren Schwierigkeiten.

Dieser Tage stößt Apple beim Ausbau seines iTunes Music Store auf ungeahnte Schwierigkeiten, die zu lösen Cupertino sicher in der Lage ist, allein es ist eine Frage der Zeit. Vor einer Woche musste Apples :Europa-Chef Pascal Cagni einräumen , der europäische Ableger des Online-Musikdienstes werde nicht wie ursprünglich erhofft im September an den Start gehen, sondern nicht vor 2004. Der Grund sind die Urheberrechte, die in jedem Land der Alten Welt anders geregelt sind, ein wahrer Dschungel von Gesetzesvorschriften ist zu durchforsten. Wie sehr die Musikindustrie aber Apple als Online-Distributor bräuchte, zeigt das Scheitern der Verhandlungen der großen fünf Labels :über einen eigenen Web-Vertriebskanal. BMG, EMI, Sony Universal und Warner konnten sich in Deutschland nicht auf einen Technologiepartner einigen. Während Universal die Deutsche Telekom bevorzugte, war das den anderen Labels zu teuer. Schon seit zwei Jahren eiern die großen Fünf um eine Lösung herum, die Tauschbörsen wie Kazaa das Wasser abgraben soll. Mit Apple stünde nun ein Dienstleister bereit - ob die Provision für die Jobs-Company, kolportiert wurden 35 Prozent, die Rechnung der Telekom übersteigt, ist natürlich nicht bekannt.

Ganz oder gar nicht

"Es wird Zeit, dass der iTunes Music Store auch nach Europa kommt, auch wenn ihm noch ein paar Angebote fehlen."
Vergrößern "Es wird Zeit, dass der iTunes Music Store auch nach Europa kommt, auch wenn ihm noch ein paar Angebote fehlen."
© 2015

Fünf Millionen Downloads zählte Apple bis Ende Juni, ein stolzer Anfang, wenn auch über die Zahlen der Stammkunden und der Laufkundschaft nichts bekannt ist. Beeindruckend ist die absolute Anzahl der zur Verfügung stehenden Songs, rund 300.000 sollen es sein. Diese Woche war jedoch mehr die rede davon, was es im iTunes Music Store nicht zu kaufen gibt, Songs der red Hot Chili Peppers und von Metallica etwa. Die kalifornische Band um Lars Ulrich, James Hetfield und Kirk Hammet ist ja seit geraumer Zeit als Gegner der "Distribution" via Internet bekannt, mit ihrem Vorgehen gegen Napster läuteten die seit 20 Jahren musizierenden (gut, manche würden auch "lärmenden" sagen...) Metaller das Ende der Tauschbörse ein.  Niemanden ist es gelungen, Napster und Konsorten in konkrete zahlen gegossene Umsatzschädigungen nachzuweisen, dass Metallica und andere Bands aber kein Interesse haben, ihr Liedgut für lau verbreitet zu sehen, ist deren gutes Recht. Die Begründung für die Ablehnung des iTunes Music Store, das vom gemeinsamen Management der Red Hot Chili Peppers und Metallica stammt, lässt jedoch ein rückwärts gerichtetes Denken erkennen, das an das Image der IG Metall dieser Tage erinnert. Man wolle nicht, dass sich Anwender einzelne Songs herunterladen, denn die CDs der Alt-Metaller und -Rocker (auch die Peppers haben alle schon ihren Vierzigsten gefeiert...) seien Gesamt-Kunstwerke, die man nicht zerreißen dürfe. Und Apple stelle sich auf den Standpunkt, dass man CDs nur dann anbiete, wenn auch die einzelnen Tracks zur Verfügung stehen.
Die Argumentation klingt schon deswegen nach Ausrede, weil auch Metallica und den Red Hot Chili Peppers das Wort "Singleauskopplung" ein Begriff sein dürfte. Nicht wenige Musikliebhaber werden sich nach dem Genuss von "Nothing Else Matters" oder "Under The Bridge" das jeweils zugehörige Gesamtkunstwerk gekauft, "Metallica" und "Blood Sugar Sex Magik" als Mogelpackung empfunden haben, so sehr unterscheiden sich die größten Hits der beiden Bands von ihrem sonstigen Schaffen.

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