913960

Die Freitags-Kolumne

01.08.2003 | 14:58 Uhr |

Apple: oft kopiert, nie erreicht. Jüngstes Beispiel schamlosen Plagiats ist der Musik-Dienst Buymusic.com. So schlecht kopiert war nicht einmal Windows 1.0

Als der erste Mac mit Bildchen statt "C//" rauskam, war Windows noch weit. Irgendwann brachte Microsoft Windows heraus, und es funktionierte schlecht, sah furchtbar aus und konnte trotzdem seine Herkunft kaum verhehlen. Seitdem ist Apple so oft kopiert worden, dass es für eine mehrbändige Sondernummer der Macwelt reichen würde. Alle Laptops sehen aus wie Powerbooks, alle MP3-Player wie iPods und wohl bald auch alle Musikdienste im Internet wie der iTunes Music Store. Den Anfang gemacht hat schon mal Scott Blum, Gründer von Buy.com und jetzt Buymusic.com , der schamlosesten Apple-Abzocke seit Microsoft Windows. Byumusic.com sieht aus wie der iTunes-Store, hat das gleiche Geschäftsmodell (Pay per Download) und selbst die Werbespots sind exakt denen Apples nachempfunden. Und um es noch etwas dreister zu machen: Mac-Anwender werden schon an der Tür abgewiesen, "Windows only" auf der iTunes-Kopie.

Grundkurs für Copycats
Beim Plagiieren gibt es ein paar Grundregeln, die man beherrschen muss. Anfängern hilft da ein Vergleich zwischen dem ersten Mac-Betriebssystem und der ersten Windows-Version. Regel Nummer 1: Das Plagiat muss irgendwie so aussehen wie das Original, nur anders und, hier ist der entscheidende Punkt, billiger. Dass sie billiger aussehen muss ist wichtig, denn die Kopie kann man nur verkaufen, wenn sie weniger kostet als das Original, und das muss man auch optisch rüber bringen. Der iPod-Nachbau muss aus Plastik sein, die Windows-Icons etwas klobiger und die Website mit billigen Schreifarben - der potenzielle Kunde muss gleich sehen: Hier ist es wie dort, aber ich spar ein bisschen was.
Die zweite Regel lautet: Das Plagiat muss das gleiche tun wie das Original, nur schlechter. Dies ergibt sich schon daraus, dass das Plagiat billiger ist - meist unter Zeitdruck zusammengeschustert, mit Materialien "von der Stange", das kneift und hakelt dann alles etwas, aber es war ja so günstig. Das psychologische Phänomen dabei ist: Wenn es reibungslos funktionieren würde, käme der Kunde auf den Gedanken, er hätte vielleicht doch noch etwas günstiger kaufen können. Wenn er mit der Materie zu kämpfen hat, wird er bestimmt nicht noch mehr sparen, denn das will er sich dann doch nicht antun.
Regel Nummer 3: Tue so, als sei Dein billiges Plagiat ein demokratischer Akt, der "dem Rest der Menschheit Gutes tut." Hier ist der humanitäre Aspekt zu betonen und man kann gleich noch mal drauf verweisen, wie viel günstiger das eigene Angebot ist.

Das perfekte Plagiat
Mit Buymusic.com hat Blum alle oben genannten Regeln beherzigt: Die Website sieht aus wie die von Apple, auf billig getrimmt mit Schreifarben und großformatigen Preis-Bannern - das Musikstück schon ab 79 Cent (bei Apple: 99). Auch die Technik spielt nicht immer mit. Probehören ist Glückssache und beim Download eines Albums muss man die Musikstücke einzeln herunterladen. Zudem sind die Musikstücke mit sehr unterschiedlichen Rechten für die Weiterverwendung versehen, manche darf man nur auf einem Rechner verwenden, manche nur ein Mal brennen, andere wiederum beliebig oft und so weiter. Die Rechte werden zwar angezeigt, wer sich die aber für jedes Musikstück merken soll, ist ungeklärt.
Derweil feiert sich Gründer Scott Blum auf allen Kanälen als Erfinder des Musik-Downloads per Internet und höhnt über den kleinen Marktanteil von Apple. Und er kommt damit durch: Keine Publikation, keine Internet-News-Site, die nicht schon in aller Ausführlichkeit über Buymusic.com berichtet hätte.
Bleibt zur Beruhigung nur, dass Apple nach eigenen Aussagen mit iTunes für Windows im Zeitplan liegt und vielleicht Plagiator Blum zum Anlass nimmt, die PC-Version schneller heraus zu bringen. Beim iPod hat das ja schon ganz gut geklappt - und auch im Windows-Lager hechelt hier die Konkurrenz hinterher.

0 Kommentare zu diesem Artikel
913960