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Die Freitags-Kolumne

29.08.2003 | 12:39 Uhr |

Journalisten werden auf Pressetermine eingeladen, manchmal sogar auf andere Kontinente. Jammern dürfen sie dann nicht, schließlich hat die Firma ja eingeladen und bestens für alles gesorgt.

Manchmal geht dabei leider etwas schief und der geneigte Leser erfährt in der Regel nie davon. Doch Abhilfe naht in dieser Freitagskolumne:

7. 30 Uhr: Der Tag beginnt mit Aufstehen, Duschen, Koffer packen.


8.00 bis 10.30 Uhr: Mehrere Internet- beziehungsweise Email-Versuche mit der Redaktion scheitern. Deshalb bleiben die aktuellsten Presse-Infos eben auf dem Email-Server. Wenigstens reicht die Zeit um EINE TASSE TEE zu trinken.


12.00 bis 13.00 Uhr: Am Flughafen einen Internet-Zugang für 6,95 Euro gekauft (Airport) und - siehe da - die Email geht, der Redaktions-Server erkennt mich wieder als seinen langjährigen Mitarbeiter an. Email gelesen, Emails geschrieben, etc. pp. ad nauseam.


13.00 bis 13.05 Uhr: Oh, Zeit zum Einsteigen. Abflug soll um 13.21 Uhr sein. Schnell noch zum Kiosk um EIN BRÖTCHEN zu essen und 0,5 LITER WASSER zu trinken. Toll - die erste Mahlzeit an diesem Tag.


13.05 bis 14.00 Uhr: Einsteigen, einen Journalistenkollegen von meinem mir zugedachten Sitz vertreiben, Gangplatz einnehmen, losfliegen, 2x aufstehen weil der Nachbar Blasenschwäche hat.


14.00 bis 14.15 Uhr: EIN BRÖTCHEN GEGESSEN, 0,2 LITER WASSER GETRUNKEN


15.15 Uhr: Super! Wir landen zehn Minuten vor dem Termin. Vielleicht reicht die Zeit ja doch noch, um nicht nur Konferenzräume von innen zu sehen, sondern einen Stadtbummel zu machen


15.25 - 17.00 Uhr: Mitarbeiter des Gastgebers gesucht. Gefunden. Sinnloses Rumstehen. Kollegen gefragt. Keiner weiß was. Die Mitarbeiterin (die sich später als "Senior Marketing Analyst" entpuppt) gefragt, wie es weitergeht. Sie hakt mich ein zweites Mal auf der Liste der Ankommenden ab und sagt, dass ich hier warten soll. Keiner weiß was. Plötzlich sehe ich die Frau zur Tür rausgehen. Hinterher. Vor dem Bus wird mein Name in einer Liste abgehakt. Wir steigen ein. Sitzen zehn Minuten und steigen mit 20 deutschen Journalisten wieder aus, weil in diesem Bus nur Dänen, Belgier und Holländer sitzen sollen. Wir warten 20 Minuten auf den zweiten Bus. Vor dem Bus wird jeder Name auf einer Liste abgehakt. Wir steigen ein. UND FAHREN LOS!


17.10 Uhr: Der Bus steht im Stau.


17.20 Uhr: Wutentbrannte Autofahrer stehen rund um dem Bus im Stau.


17.30 Uhr: Die Straße in die Innenstadt ist von der Polizei gesperrt. Unser Bus will wenden. In dem Moment, in dem er rund sechs Fahrspuren zum Anhalten zwingt, macht die Polizei die Straße frei. Über sechs vom Hupen der Umstehenden gefüllten Spuren wechseln wir auf die ursprüngliche Spur zurück und überqueren bei Rot die Kreuzung. Die Journalisten winken den wild gestikulierenden Autofahrern fröhlich zu.


18.00 Uhr : Wir sind am Hotel.


18.10 Uhr : Langer Stau vor der extra für die Journalisten eingerichteten Rezeption. Die Chancen für den Stadtbummel gehen allmählich gegen Null.


18.25 Uhr: Mit einem Rest von Anstand den Begrüßungshandschlag der Pressesprecherin umkurvt und direkt das Zimmer angepeilt.


18.30 Uhr: Internet geht, Strom nicht, Steckdose tot. Strom im Bad geht, aber nach etwa zehn Sekunden merkt die Technik, dass mein Powerbook kein Rasierer ist und stellt den Strom ab.


18.35 Uhr: Ah! Wenn man das Deckenlicht anmacht, gehen auch die Steckdosen in diesem Hotelzimmer. Na - muss mein Powerbook sich wenigstens nicht im Dunkeln die Batterien laden lassen.


18.45 Uhr: Internet geht, aber Email verschicken nicht. Ersatz-Server akzeptiert mein Kennwort nicht, beim EDV-Support in der Redaktion geht keiner ans Telefon. Egal, wenigstens lesen geht. Und irgendwie kriegt man die Email bestimmt wieder zum Laufen.


19.00 Uhr: Laut der vorab verschickten Terminplanung ist jetzt ein Treffen mit den deutschen Kollegen im Foyer, ebendort auch Lunch.


19.05 Uhr: 100 hungrige Journalisten aus ganz Europa drängen sich höflich um sichtlich überforderte Hotelangestellte. Von deutschen Journalisten keine Spur.


19.25 Uhr: EIN VIERTEL TOAST MIT KÄSE ERGATTERT UND VERSPEIST; DREI 0,2 LITER GLÄSER WASSER GETRUNKEN.

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