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Die Freitags-Kolumne

05.09.2003 | 12:15 Uhr |

Panik unter Macianern: Für den Power Mac G5 gibt es nur noch einen Open-Source-Windows-Emulator. Panik? Eher sorgt in Zeiten von Sobig und Blaster das (vorläufige) Dahinscheiden von Real PC und Virtual PC für heitere Gelassenheit.

Virtual PC, das Microsoft kürzlich von Connectix übernommen hat, läuft in der aktuellen Version 6.1 nicht auf den neuen Power Macs G5. Pech für Microsoft, dass mit der neuen von Apple und IBM gestalteten Chip-Architektur einige Befehlssätze verschwunden sind, die der Emulator dringend braucht, um dem System aus Redmond einen x86-Chip vorzugaukeln. Jetzt müssen die Microsoft-Ingenieure noch einmal ran und für das Update den Code in wesentlichen Teilen überarbeiten, mit einem Patch ist es nicht getan. Pech auch für die Anwender, die trotz aller Möglichkeiten, die Mac-OS X bietet und trotz aller mittlerweile verfügbarer Software (ja, auch Xpress 6 und Acrobat 6 sind endlich fertig), ab und an auf Windows angewiesen sind. Pech für Apple, das in seiner Switch-Kampagne Windows-Anwendern Bedenken genommen hat, in einer vollkommen inkompatiblen Welt zu landen, wer unbedingt auf gewisse Applikationen nicht verzichten könne, habe ja die Möglichkeit, Virtual PC auf seinen neuen Mac aufzuspielen. Hinweise auf den ehemaligen Connectix-Emulator finden sich auf www.apple.com/switch nicht mehr, das deutschsprachige Pendant spricht jedochvon "zahlreichen Emulatoren", die für den Mac verfügbar seien.

Im Fall der Produktlinie vor der WWDC im Juni 2003 mag das stimmen, für den Power Mac G5, der nicht mehr mit dem klassischen Mac-Betriebssystem bootet, ist das schlicht gelogen. Nun, vielleicht nicht gelogen, wenn man "1" als "zahlreich" definiert und Hoffnungen in Microsoft setzt, das Update für Virtual PC bald fertig zu stellen. Denn die Alternative Real PC hat sich in der Tat als Lüge entpuppt, die ehemalige Geschäftsführung des Herstellers FWB, der die Rechte an der Software hält, hat bislang entgegen ihrer Versprechungen keinerlei Anstrengungen unternommen, Real PC für Mac-OS X zu portieren. Als "the one and only" bleibt der Open-Source-Emulator Bochs übrig, den OpenOSX als "WinTel 1.0.1" vertreibt und der mit den Prozessoren des Power Mac G5 keine Probleme haben soll.

"Wozu braucht man einen Windows-Emulator? Für Mac-OS X gibt es für jeden Zweck Software - sogar überflüssige Virenschutzprogramme..."
Vergrößern "Wozu braucht man einen Windows-Emulator? Für Mac-OS X gibt es für jeden Zweck Software - sogar überflüssige Virenschutzprogramme..."
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Es hat wohl aber noch keiner getestet, Virtual PC 5.x für Mac-OS 9 in der Classic-Umgebung des eigens für den G5 kreierten Mac-OS X 10.2.7 (G5) laufen zu lassen. Klingt nicht nur reichlich absurd, ist es auch. Im Endeffekt hätten wir ein Betriebssystem (Windows 98 oder höher), dem ein Emulator, der in einer Laufzeitumgebung eines fremden Betriebssystems läuft, vorgaukelt, gar nicht mit einem IBM Power PC 970 zusammenzuarbeiten, sondern mit einem Chip von Intel oder AMD. Waren Mac-Anwender bislang mit der Geschwindigkeit von Virtual PC oft unzufrieden, dürfte diese Matrjoschka-artige Verschachtelung der Emulationen nicht gerade dem Beweis dienen, der Power Mac G5 wäre der schnellste PC der Welt.

Bevor man sich solche Umstände macht, sollte man eher in sich gehen und fragen, wozu braucht man eigentlich Windows? Daten mit der Wintel-Welt so auszutauschen, dass auch der Empfänger sie lesen und bearbeiten kann, ist für geübte Macianer ein Klacks, sogar mit proprietären Formaten wie .doc. .xls oder .ppt von Microsoft weiß für den Mac erhältliche Software umzugehen. Gut, der Spiele-Markt für den Mac ist ein wenig übersichtlich, aber da unsere Rechner zum Arbeiten dienen und mit ihren iApps auch in der Freizeit Spaß machen, fehlen aktuelle Sportsimulationen oder aufwändige 3D-Ballereien nur den wenigsten Anwendern. Fußball im Park mit Kollegen, die nach einem erfolgreichen und ruhigen, da Mac begleiteten Arbeitstag noch etwas Aufregung suchen, macht bedeutend mehr Spaß als EA Sports' Champions-League -2003/2004-Simulation auf einer hässlichen grauen Kiste.

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