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Die Freitags-Kolumne

12.09.2003 | 12:11 Uhr |

Die Kraft des Virtuellen hilft Betrügern beim Verhökern von nicht vorhandener Ware im Internet, hält die Welt aber auch in ihrem Innersten zusammen.

Als einige der wenigen Internet-Unternehmen, die kurz vor der Jahrtausendwende zu den Boomzeiten der New Economy für Furore gesorgt haben, ist das Online-Auktionshaus eBay übrig geblieben. Das lag nicht zuletzt daran, dass das Unternehmen stets bemüht war, seine Glaubwürdigkeit zu untermauern. Gegen Betrüger schob das Auktionshaus einen Zahlungsmodus vor, bei dem es als Treuhänder auftritt, nur wer nicht oder gar schlecht bewerteten Verkäufern Geld für scheinbar günstige Ware als Vorkasse überwies, konnte noch auf unseriöse Anbieter hereinfallen. eBay hat zudem seine Geschäfte diversifiziert, Festpreise gehören seit gut zwei Jahren zum guten Ton, rennomierte Versender wie Quelle nutzen in Deutschland die ehemalige Alando-Plattform, während viele andere Online-Auktionshäuser nur noch im Archiv von dotcom-Tod zu finden sind.

Doch nicht nur Betrüger, die auch über ihre eigenen Webshops Verbraucher mit vermeintlichen, aber nie ausgelieferten Schnäppchen über den Tisch ziehen und sich dann der Staatsgewalt durch Flucht ins Ausland entziehen, hat das Auktionshaus seit jeher angezogen, sondern auch Witzbolde aller Art. Bei einigen Auktionen waren gar Betrüger mit Humor am Werk, über den man als Geschädigter jedoch nicht lachen konnte. Kartons wurden derart angepriesen, dass jeder, der nicht genau las, vermuten konnte, in der Kiste wertvolle Elektrogeräte oder Computer zu finden. Selbst offensichtliche Versteigerungen von Originalverpackungen, die nie einen Zweifel über fehlende Inhalte ließen, gibt es bei eBay nicht mehr, obwohl diese einen Zeit lang einen gewissen Kultstatus genossen. Trends kommen und gehen jedoch. Im März 2002 machten angebissene Käsebrötchen die Runde im virtuellen Kaufhaus, jetzt bieten Surfer munter um "Neue Ordner" mit, und geben dabei horrende, niemals ernst gemeinte Angebote ab, wohlwissend, dass ein derart abgeschlossener Vertrag sittenwidrig und daher ungültig wäre. Um nicht doch über die Fallstricke des Fernabsatzgesetzes zu stolpern, hat eBay die Versteigerung des "Neuen Ordners" und einige Nachahmer-Auktionen gestoppt, unter Hinweis auf die Nutzungsbedingungen, die den Verkauf über das Internet lieferbarer Güter untersagt. Selbst bei Devotionalien wie einem kurz vor Ende der Spaß-Auktion angefertigten Screenshot kennt eBay keine Gnade, schließlich will man sich weiterhin als ernst zu nehmendes Handelshaus präsentieren.

Mit einer anderen Auktion ist eBay vergangene Woche in rechtliches und technisches Neuland vorgestoßen. Zwar konnte man auch George Hotellings Versuch, ein im iTunes Music Store erworbenes Stück zu versteigern, unter Hinweis auf die Nutzungsbedingungen unterbinden, bei einem rechtmäßig erworbenem Musikstück handelt es sich aber mit Sicherheit um etwas handfesteres als um Produkt des Mac-OS-X-Finders oder einen Screenshot des Apfel-Menüs. Apple selbst nannte in Gestalt des Marketingdirektors für Software und Services es "unpraktisch", Stücke aus dem iTunes Music Store weiter zu veräußern. Der Mac-Hersteller hat jedoch in seinen Nutzungsbedingungen und dem Digital Rights Management schlicht und ergreifend den Weiterverkauf nicht vorgesehen, weswegen ein Verkäufer streng genommen seine Zugangsdaten für den iTMS weiter geben müsste. Ganz klar sagt Apple in seinen "Terms of Sale" aus, nur an Endverbraucher zu verkaufen, die von dem Download keinerlei kommerziellen Gebrauch machen dürfen. Für das Weitergeben von privat gebrannten CDs gibt es ebenso die Restriktion der nicht-kommerziellen Anwendung, wobei sich die Rechtsexperten sicherlich über den Begriff "kommerziell" streiten mögen und Hotelling und Konsorten eBay als eine Art Flohmarkt für Privatverkäufe ansehen dürften.

eBay ist zwar kein reales Kaufhaus mit mehrstöckigen Niederlassungen in jeder größeren Stadt aber durchaus real, weswegen es den Gesetzen der Ökonomie folgen muss und kein So-tun-als-ob dulden kann, gerade im Interesse seiner Kunden.

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