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Die Freitags-Kolumne

19.09.2003 | 13:21 Uhr |

Frames pro Sekunde da, irgendwelche Punkte hier, noch mehr Messdaten dort - im Moment sind Benchmarks dank der neuen G5-Macs wieder mächtig wichtig. Aber was haben wir eigentlich davon?

Vor Jahren glänzte der Sparkassenverbund mit einem sehr gekonnten Werbespot. Zwei alte Freunde trafen sich nach langer Zeit zufällig wieder. Und bevor überhaupt ein Gespräch entsteht, zücken die Protagonisten die bekanntesten Polaroids der Republik: Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Irgendwie stand natürlich die Sparkasse im Mittelpunkt, aber letztlich traf diese Werbung einen Punkt, den die Menschheit schon seit Anbeginn ihrer Existenz gnadenlos verfolgt.

Vergleiche machen, um jeden Preis. Was du hast, ist ja gar nichts, meins ist viel besser. Wahrscheinlich haben schon Neandertaler dieses Spielchen mit ihren Frauen getrieben. "Meine Frau ist hübscher als deine." - "Na und? Dafür ist meine Höhle viel geräumiger." Ungefähr so. Neid ist schon ein komisches Gefühl. Ein Mensch hat etwas, was ich nicht habe. Und ich will es auch haben jetzt. Ist aber nicht immer so. Gerhard Schröder ist Bundeskanzler - diesen Job möchte ich momentan lieber nicht. Filmstars sind berühmt, haben viel Geld - dafür haben sie keine Zeit, das viele Geld auszugeben oder mal in Ruhe mit Familie in den Urlaub zu fahren. Womit wir bei einem weiteren Punkt wären: Licht und Schatten.

Im Moment wühle ich mich wieder verstärkt durch Benchmark-Tabellen und Performance-Analysen. G5 und neue Powerbooks sei dank. Sicher, wir versuchen mit unseren Tests eine gewisse Praxinähe zu demonstrieren, natürlich objektiv. Dabei sollte es doch eigentlich klar sein, dass Tests oder Vergleiche - egal welcher Natur - immer subjektiv behaftet sind. Ich persönliche finde das Design des G5 beispielsweise todschick, ein Mitglied unseres Layoutteams kann den Äußerlichkeiten der neuen Alu-Macs nichts abgewinnen. Somit ist meine Sicht der Dinge bereits wesentlich positiver, als die unserer Layouterin. Bei mir stellt sich Begeisterung ein, wenn der toll designte G5 auch noch gute Werte in den Benchmarks fährt, würde unsere Marlene (hups, jetzt hab ich's doch verraten) dem G5 trotz guter Performance keine besonders guten Noten ausstellen. Subjektivität in ihrer reinsten Form.

Also muss die Frage erlaubt sein: Wofür gibt es eigentlich Benchmarks? Reicht es nicht aus, dass ein Computer einem Menschen ermöglicht, bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit durchzuführen? Was mache ich mit der gewonnen Zeit, wenn mir ein 1,8-GHz-Gerät ein Bild zwei Sekunden schneller berechnet, als ein Modell mit 1,6 GHz? Okay, eine solche Zeitersparnis könnte nun auf das Jahr hochgerechnet werden, dann springen kumulativ vielleicht ein paar Minuten heraus. Aber was machen die Leute mit diesen gewonnenen Minuten? Verbringen Sie mehr Zeit mit der Familie? Rufen Sie mal wieder einen alten Freund an, von dem Sie schon seit Monaten nichts mehr gehört haben? Leider habe ich bisher keine Antworten auf diese Fragen gefunden, obwohl sie sehr interessant wären.

Ich für meinen Teil werde jetzt in das Wochenende entschwinden. Zu meiner Familie. Jenseits von Benchmarks. Jenseits von Tests. Jenseits von Vergleichen. Zumindest für 48 Stunden.

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