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Die Freitags-Kolumne

26.09.2003 | 11:57 Uhr |

Warum es Apple manchmal wie der Bayern-SPD geht - mit dieser aber wirklich nicht zu vergleichen ist.

In einem verzweifelten Versuch, zu retten, was längst schon verloren war, stöhnte gegen Ende des bayerischen Landtagswahlkampfes Franz Maget, der Spitzenkandidat der SPD: "Die CSU tut ja gerade so, als hätte sie selbst den Chiemsee ausgehoben und die Alpen aufgeschüttet." Hat sie nachweislich nicht, und behauptet das nicht einmal. Aber was sie sich zugute schreibt und ihr der Wähler seit über vierzig Jahren mit absoluten und nun auch noch Zwei-Drittel-Mehrheiten honoriert, ist der Umbau des rückständigen Agrarstaates Bayern in ein High-Tech- und Dienstleistungszentrum nach dem zweiten Weltkrieg. Begonnen hatte dieser Wandel des einzigen Bundeslandes, dessen staatliche Integrität nach 1945 nicht durch Zerschlagung oder Bindestrich-Fusionen litt, in den frühen Fünfziger Jahren. Die damalige Landesregierung hat früh erkannt, in Bildung und Forschung zu investieren sei der richtige Weg, den Forschungsstandpunkt Garching bei München initiiert und einen renommierten Wissenschaftler wie Werner Heisenberg in die Stadt seiner Jugend zurück geholt. Als Ministerpräsident stand bei den Anfängen des Strukturwandels einer Vier-Parteien-Koalition Wilhelm Högner vor, ein Sozialdemokrat. Die CSU war in der Opposition.

Macianer mögen in dieser wahren Geschichte durchaus Parallelen zu ihrer Welt sehen. Wir wissen: Den ersten benutz- und bezahlbaren Personal Computer mit GUI hat Apple heraus gebracht - jetzt ist Microsoft im Betriebssystemmarkt das, was die nicht einmal die CSU in Bayern schaffen wird, eine Macht mit Neun-Zehntel-Mehrheit.
Landtagspolitiker der SPD jammern ja auch immer wieder, dass ihre im Maximilianeum eingereichten Gesetzesvorhaben die Mehrheit kalt lächelnd abschmettert, nicht allzu selten tauchen dann die Vorschläge im gleichen Wortlaut in Initiativen der Regierung auf - kein Wunder, dass die Opposition kein Profil gewinnt.
So mag man sich in Redmond denken, Java sei ja ein tolle Sache, man wolle doch lieber selbst mit C# Kontrolle über Applikationen dieser Art gewinnen. Auch das Internet hat die Gates-Company ebenso wenig erfunden wie die GUI, dennoch hat Microsoft es geschafft, vorbei an allen Standards eigene Technologien zu etablieren, und dass .NET auch nur die Microsoft-Interpretation von Web-Services ist, die an sich offenen Standards wie SOAP gehorchen sollten, ist ja auch nichts Neues.

Microsoft hat die Meinungshoheit an den Stammtischen der IT gewonnen, da es für (fast) jeden Anwender eine Lösung bietet und Alternativen kaum im Bewusstsein des Käufers verankert sind. Wie die CSU, die wahrhaft ein Volkspartei ist und viele gesellschaftliche Strömungen in sich vereint. Selbst Gewerkschaftler und Naturschützer meinen immer öfter, neben national-konservativen, reaktionär-katholischen und wirtschafts-liberalen Strömungen in der CSU ihre Heimat zu finden. So hat das SZ-Magazin in der letzten Ausgabe vor der Wahl treffend die Situation beschrieben: "Die CSU ist eigentlich eine große Koalition, die sich als Partei tarnt."

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