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Die Freitagskolumne

17.10.2003 | 11:53 Uhr |

Der iTMS für Windows ist da! Europäer müssen weiterhin auf die 'Geburt des legalen Downloads' warten.

Da hat sich Apple ganz schön was vorgenommen. Ein halbes Jahr nach dem Start des iTunes Music Store für den Mac blickt die Jobs-Company stolz auf 13 Millionen gezählte Downloads. Für das zweite halbe Jahr, wenn jetzt in den USA Windows-Anwender hinzukommen, will Apple weitere 87 Millionen Songs verkaufen um rund um den ersten Geburtstag des "legalen Musikdownloads" (Jobs) die magische Grenzen von 100 Millionen Verkäufen zu knacken.

Wer seine Ziele immer erreicht, hat sie nicht weit genug gesteckt, die Deutsche Presse Agentur zitiert in ihrer gestrigen Meldung bereits die ersten Zweifler, die meinen, Apple hätte die Latte zu hoch gelegt. "Marktbeobacher," so heißt es im letzten Absatz aus dem Ticker, "verweisen jedoch auf Konkurrenten auf dem heiß umkämpften Markt. So bieten Musicmatch.com und BuyMusic.com für die PC-Nutzer seit Monaten schon Songs oder ganze CDs zum kostenpflichtigen Herunterladen an. Auch der Musikdateien-Pionier Napster hat für Ende Oktober seinen Einstieg in das legale Download-Geschäft angekündigt."
Was die anonym gebliebenen "Marktbeobachter" der Agentur jedoch nicht erklärten, ist die Chance, die Apple mit seiner gewohnt nahtlosen Integration von Hardware, Software und Internet bietet. Windows-Anwender, die erstmals in ihrem Leben iTunes auf ihren Rechner spielen, werden bald erkennen, dass die Applikation mehr ist als nur eine weitere digitale Jukebox. Das erste Rendezvous mit der Zero-Conf-Technologie wird Dell-, HP- und Gateway-Nutzer erstaunen, vorausgesetzt, im Firmennetz gibt es genügend andere Neugierige, die ihre Musiksammlung via iTunes-Rendezvous-Stream zur Verfügung stellen. Einen einfachen Shopping-Streifzug durch das auf 400.000 Titel aufgestockte Angebot des Download-Services direkt aus der Applikation heraus, kennen Kunden von Musicmatch und Konsorten so auch noch nicht. Und damit der Bummel durch den virtuellen Plattenladen nicht zu teuer wird, erlaubt es iTunes 4.1 jetzt auch noch, vorab ein Limit zu setzen.

Ernst zu nehmende Konkurrenz für den iTunes Music Store bleibt jedoch in Napster 2.0 bestehen, das in knapp zwei Wochen seine Pforten im Web öffnen wird. Nur für Windows-User ausgerichtet und mit einem ähnlich liberalen Digital Rights Management (DRM) wie das Apple-Vorbild ausgestattet, hat die Roxio-Tochter den Vorteil des bekannten Markennamens. Sicher, die meisten ehemaligen Napster-Anwender sind seit dem Ende der ersten populären Tauschbörse zu anderen Diensten abgewandert. Einen Grossteil der Fileswapper wird man mit Bezahldiensten nicht erreichen, wenn auch der Verband der US-Amerikanischen Phonoindustrie RIAA den juristischen Druck auf Betreiber und Teilnehmer von P2P-Börsen erhöht.

Napster hat sich jedoch tief in das Bewusstsein der Internetuser eingeprägt, die über Monate währenden Streitigkeiten und der versuch des Bertelsmannkonzerns, ein legales Geschäft mit den alten Napsterkunden aufzubauen, hat zahlreiche Schlagzeilen produziert. Die Roxio-Tochter investiert nicht unbedeutend in Marketing und strategische Partnerschaften, Microsoft will den Dienst in seine Windows XP Media Center Edition integrieren, Gateway liefert Rechner mit 150 kostenlosen Titeln aus der eine halbe Million Tracks umfassenden Napster-Bibliothek aus.

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