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Die Freitagskolumne

07.11.2003 | 14:47 Uhr |

Wer unbedingt Daten verlieren möchte, hat zahlreiche Möglichkeiten. Dass ein Betriebssystemupdate dabei helfen kann, ist aber neu.

iBooks vertragen keinen Kaffee, das hat unser Kollege Christian Rüb diesen Mittwoch in Erfahrung bringen können. Fünf Minuten zuvor hatte er sich noch über eine gelungene Installation in seinem Home-Office gefreut, sein neuer iMac, fest an das DSL-Modem angeschlossen, hat ohne große Fummelei in irgendwelchen Systemeinstellungen via Airport das iBook an seiner Internetverbindung teilhaben lassen. Mit Internetsharing hat Apple in Mac-OS X eine wirkliche elegante Funktion eingebaut, die Anschaffungskosten für einen Wireless Router spart. Das Geld kann der Kollege jetzt in eine Reparatur seines Mobilrechners investieren, der nach getaner Arbeit sich erst einmal einen kräftigen Schluck aus einer umstürzenden Kaffeetasse gegönnt hat. Alle, die jetzt befürchten, Christian habe sich das am Vortag angelieferte iBook G4 zum Testen mit nach Hause genommen, weswegen sich unser Testbericht auf unbestimmte Zeit verzögert, seien beruhigt. Es handelte sich hier um ein privates Arbeitsmittel, was den Macwelt-Redakteur aber auch nicht zufriedener mit der Gesamtsituation werden ließ, denn nach einem Tag auf der Heizung bootete das iBook zwar, die Hintergrundbeleuchtung blieb schwarz. Noch so ein raffiniertes Apple-Feature rettete ihm immerhin die Daten, via Firewire an den iMac angeschlossen und im Target-Modus hochgefahren, gab die unbeschädigte iBook-Festplatte wenigstens all ihre Verzeichnisse frei.
Das Missgeschick unseres Betriebssystemspezialisten linderte wenigstens die Qualen unseres Morgenredakteuers, der angesichts einer aus unerfindlichen Gründen ausgefallenen Internetverbindung in seinem Home Office in die Redaktion geeilt war, um am Mittwoch wenigstens ein verspätetes Morgenmagazin online stellen zu können. Das Klischee des geteilten Leids gilt weiterhin.
Immerhin, Christian Rüb hat Erfahrungsberichte von anderen Anwendern, die ihr iBook mit Heißgetränken versorgt haben, gesammelt und wohl eine nicht allzu teure Reparaturmöglichkeit gefunden, nachdem er schon eine Anschaffung eines iBook G4 in sein Budget einkalkuliert hatte.

Weniger billig kommen die Macianer davon, die unter den Bugs des Panthers zu leiden haben. Selten hat ein Betriebssystemupdate aus Cupertino so viel zerstört wie Mac-OS X 10.3. Dass keine zwei Wochen nach der weltweit zelebrierten Panther-Night schon das erste Sicherheitsupdate erscheint, das potentielle Lücken im Terminal stopft, ist zwar eher ein Hinweis auf Apples schnelle Reaktion auf Fehler denn ein Zeichen von Schlamperei der Softwareingenieure. Updatelos zeigt sich der Mac-Hersteller derzeit jedoch bei der Firewire-Problematik. Den Fehler, der Daten auf Firewire-800-Platten zerstört hat man in Zusammenarbeit mit dem Brückenchip-Hersteller Oxford zwar bereits eingrenzen und mit neuen Treibern für externe Festplatten beheben können, doch knirscht es weiter im Gebälk des Panther. Firewire-800-Technologie hat Apple zusammen mit dem Softwareentwickler Zayante im Frühjahr 2002 erworben, den Standard IEEE 1394b führte Apple kaum eine Jahr später mit dem 17-Zoll-Powerbook ein, mittlerweile bieten die meisten Mac-Modelle Anschlüsse für beide Firewire-Spezifikationen. Offenbar hatten die Ingenieure mehr Mühe mit der Implementierung der Technik, als es die Marketingfachleute in Cupertino zugeben wollen, denn erste Klagen über vom Panther zerstörte iPods und anderer Firewire-400-Peripherie kursieren in der Szene. Auch das vielgepriesene IP over Firewire hat seine Kinderkrankheiten, wie unser Mac-OS-X-Experte Christian Rüb meint, der zur Rettung seiner iBook-Daten lieber auf eine bewährte Technologie zurückgriff.

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