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Die Freitagskolumne

21.11.2003 | 13:18 Uhr |

Eines muss man Microsoft-Begründer Bill Gates wirklich lassen: Er schafft es sogar mit einer Windows-Version, deren Veröffentlichung für den Massenmarkt noch Jahre entfernt ist, die Fachmedien zu beschäftigen.

Die Fähigkeit, mit wenig viel zu erreichen, hat der Milliardär schon oft bewiesen. Auch deswegen ist heute Windows in seinen vielen Varianten das weit verbreiteste Betriebssystem der Welt - doch sicher nicht das beste. Rückblick 1995: Damals bewerkstelligte Microsoft die Markteinführung von Windows 95 mit großem Tamtam, die Rolling Stones sangen ihr von Gates eigens dafür lizenziertes "Start me up", und zahlreiche Computerfans standen sich vor den Läden nachts die Beine in den Bauch, um gleich am Morgen eines der ersten Pakete mit dem neuen Windows zu ergattern. Apple reagierte in einer Anzeige mit beißender Ironie: "C:\ONGRTLNS.W95". Intelligent gemacht, aber wie die Geschichte zeigte, vergebens. Das gegenüber dem Mac-OS unter Plagiatverdacht stehende "neue" Windows setzte sich auf breitester Front durch.

Abschied: In Longhorn verzichtet Microsofts erstmals auf die Laufwerksbuchstaben aus MS-DOS-Zeiten.
Vergrößern Abschied: In Longhorn verzichtet Microsofts erstmals auf die Laufwerksbuchstaben aus MS-DOS-Zeiten.
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Die folgenden Windows-Versionen brachten deutliche Verbesserungen und näherten sich noch mehr dem Look-and-Feel des Macs an, wenn auch oft in schlechter Kopie. Apple seinerseits hat einige gute Ideen der großen Konkurrenz aus Redmond in das eigene Betriebssystem integriert. Letztlich aber war und blieb Microsoft dem ehemaligen GUI-Vorbild um Meilenschritte voraus - was jedenfalls den Umsatz, Absatz sowie den Marktanteil weltweit betrifft. Mit Windows XP brachte der Software-Gigant dann tatsächlich ein recht funktionales und gut funktionierendes Betriebssystem heraus. Treiberkonflikte, Totalabstürze und die Notwendigkeit zum Formatieren und Neuinstallieren der kompletten Software sind deutlich seltener geworden. Doch Apple hat auch nicht geschlafen: Auf glänzende Weise - wie man vor allem rückwirkend einräumen muss - gelang der Jobs-Company der Umstieg vom klassischen Mac-OS auf das Unix-basierte Mac-OS X. Besonders seit Mac-OS X 10.2 ("Jaguar") und neuerdings Version 10.3 "Panther" meinen auch viele altgediente Macianer, dass dies vermutlich das beste Apple-Betriebssystem aller Zeiten ist. Mindestens aber seit Mac-OS 6.

Was hat Windows XP außer seiner Massenverfügbarkeit und der entsprechend vorhandenen Software sowie den zahlreichen Spielen dem entgegenzusetzen? Insbesondere neue Mac-Features wie "Exposé" sind nicht nur konkurrenzlos und äußerst praktisch, sondern schlichtweg genial. Speziell wenn man sich die Übersicht über geöffnete Programme und Fenster verschafft, indem man einfach mit der Maus in eine vordefinierte Ecke fährt. Und wann hat ein OS-Update schon einmal ein System wirklich schneller gemacht - seit Panther jedenfalls machen auch ältere Macs deutlich rasantere und höhere Sprünge als zuvor. So sprechen Windows-Adepten inklusive Bill Gates selbst auch lieber statt von der real existierenden Gegenwart über kommende Heldentaten. Dazu soll der XP-Nachfolger "Longhorn" gehören. Angeblich werde dieses - übrigens nicht nach dem Rindvieh, sondern nach einer von Microsoft-Programmierern gern genutzten Ski-Bar benannt - Mac-OS X in den Schatten stellen.

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