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Die Freitagskolumne

05.12.2003 | 14:32 Uhr |

Wenn zwei Marken sich zusammentun, um sich gegenseitig zu stärken, ist das eine faire Kooperation. Sich einfach nur anlehnen um von einem Kult zu profitieren, ist einfach nur dreist.

Ferrari ist das Apple des Motorsports. Als letzter Formel-Eins-Rennstall konstruieren die Italiener sowohl das Chassis als auch den Motor ihres Fahrzeugs, so wie Apple Hardware, Betriebssystem und Software selbst herstellt. Nach dem Weggang des wichtigen Mitarbeiters Niki Lauda versank die Scuderia allmählich in die Bedeutungslosigkeit, erst als mit Michael Schumacher ein vergleichbares Talent (gut, hier verlassen wir die Parallele ein wenig) anheuerte, kam wieder Ordnung, Schwung und Erfolg in den Laden zurück. Jahrelang produzierte Apple in Steve Jobs Abwesenheit nur Flops, Ferrari hat mal über zwei Jahre lang keinen Grand Prix gewonnen. Heute küren wir Apple wegen des Power Mac G5 erneut zum Konstrukteursweltmeister, im Gegensatz zum Rennstall aus Maranello sogar zum sechsten Mal in Folge nach iMac TFT (2002), Powerbook G4/Titanium (2001), Cube (2000), Power Mac G4 (1999) und iMac (1998). Und Steve Jobs ist für uns ohnehin der ungeschlagene Weltmeister aller Kategorien.
Näher betrachtet, erweisen sich unsere Parallelen als windschiefe Geraden, die sich zwar auch nicht schneiden, aber ansonsten herzlich wenig zu tun haben. In der Welt des Motorsports kommt Apple genauso wenig vor wie sonst im Fahrzeugbau, die dort eingesetzte CAD- und CAM-Software braucht ganz andere Rechner. Aber man kann ja nicht überall sein, Ferrari baut ja auch keine Nutzfahrzeuge.

So wundert es wenig, dass nicht Apple als Ferrari unter den Notebookherstellern einen Mobilrechner mit rotem Gehäuse und springendem Pferd herstellen durfte, sondern Acer, das den Mannen um Luca di Montezemolo, Jean Todt und Michael Schumacher als Technologiesponsor dient. Wie der Bericht eines Online-Nachrichtenmagazins diese Woche schließen lies, hat das Windows-XP-Notebook neben dem spektakulärem Äußeren noch einiges unter der Haube. AMD Athlon XP-M-2500, 512 MB RAM, Mobility Radeon, 15-Zoll-LCD mit 1400 x 1024 Bildpunkten, 60 GB Festplatte, Airport Extreme und DVD-Multiformatbrenner sind für Windows-Anwender zu einem Preis von 2.000 Euro sicher ein Verkaufsargument. Aber nur die Ferrari-Fans unter den Macianern werden sich fragen, warum der Silberpfeil von Apple gleich 800 Euro teurer sein muss. Ein Umstieg kommt trotzdem nicht in Frage, für einen Zweitrechner, der nur in der Garage steht, ist das Acer-Notebook dann doch zu teuer.

Acer lehnt sich mit dem soliden, aber wenig spektakulärem Notebook an die große Marke Ferrari an, um gegenüber Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen. Der Hersteller darf das jedoch, schließlich hat man mit Ferrari eine Partnerschaft abgeschlossen, um gemeinsam den Bekanntheitsgrad zu fördern. Weniger amüsiert sind wir jedoch von den Versuchen diverser Hard- und Softwarehersteller sich an das Vorbild Apples anzulehnen. Dabei sprechen wir nicht von digitalen Musikplayern und den dazugehörigen Online-Musikstores, HP, Dell und Konsorten folgen lediglich einem Markttrend, den Apple wieder einmal als erstes erkannt hat. Nein, wir sprechen von plumper Nachahmung.

Wir sind es ja gewohnt, dass gute Ideen schnell Nachahmer finden. Zuweilen auch sehr dreiste Nachahmer. Apple kann sich eigentlich nicht beschweren, die eigenen Produkte sind Trendsetter für die Plagiats-Branche. Kurz nach dem ersten iMacs gab es plötzlich auch bunte, transparente Gehäuse für Personal Computer, über Nacht war das Einheitsbeige wie vom Erdboden verschluckt. Auch der iPod inspirierte scheinbar überarbeitete Hardwaredesigner, wobei sich diese nicht nur auf das Äußere beschränkten, sondern auch die Funktionalität nicht gerade zimperlich übernahmen.

Und nun hat diese freie "Anlehnung" auch noch Apples bekannte Webseite erfasst. Miguel Liebermann, ein nach eigenen Angaben erfolgreicher Werbefilmer aus Hollywood, produziert mit seiner Firma Liebermann Inc. hochgezüchtete und stylish designte PC-Notebooks beziehungsweise Desktoprechner. Wer sich auf die offizielle Seite der Company einwählt ( www.go-l.com ) und auch den Netzauftritt von Apple kennt, den beschleicht ein wahrhaft umwerfendes Déjà vu. Große freigestellte Bilder, Logi hier, Erklärungen über die Techniken da, garniert mit vielen Produktgrafiken im leicht angehauchten Aqua-Stil - keine Frage, die Webdesigner von Liebermann Inc. haben sich dermaßen in die Internet-Präsentation der Apple-Produkte verliebt, dass sie aus ihrem eigenen Website-Projekt spontan einen dreisten Klon gemacht haben.

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