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Die Freitagskolumne

19.12.2003 | 11:28 Uhr |

Das Fest des Friedens naht, unser aller Nervenkostüme immer dünner. Unsere heutigen Last-Minute-Geschenktipps sollten jeden vollends zur Verzweiflung bringen, mit Ausnahme des Schenkenden vielleicht.

Endspurt. Nur noch fünf Tage bis Weihnachten. Wer jetzt noch nicht alle Geschenke beieinander hat, dem steht ein stressiger vierter Adventssamstag bevor, solange nicht ohnehin die beiden Brückentage zu Beginn kommender Woche für den Einkauf zur Jahresendfeier eingeplant sind.

Macwelt.de hat in den letzten Wochen kreative Geschenktipps gegeben, in unserem fünfteiligen Weihnachtsspezial und dem Adventskalender waren genügend Anregungen zu finden, wie man Mac-Enthusiasten zum Fest Freude bereiten kann.
Aber wir können auch anders. Wir wissen ja, das draußen vor der warmen und kuscheligen Redaktionsstube nicht überall so viel Harmonie herrscht wie in unseren von allerhand weihnachtlichem Glanz erfüllten Räumen, gerade das Christfest scheint alle Jahre wieder dazu prädestiniert, alte Familienkonflikte ausbrechen oder neue Streitigkeiten im Kreise der Lieben entstehen zu lassen. Hat Tante Bertha sich nicht letztes abfällig über die Gans geäußert, Opa über das wenige Lametta am Baum gejammert? Warum hat Onkel Herbert schon wieder so eine hässliche Krawatte unter den Weihnachtsbaum gelegt, warum haben sich die beiden Omas offenbar in Niedertracht vereint und zwei furchtbare CDs mit dem Best of der Kastelruther Spatzen geschenkt, nein, aufgedrängt? Stille Nacht? Schön wär's.

Wer noch eine Rechnung dieser subtilen Art mit dem ein oder anderen Verwandten, Bekannten oder einer verflossenen Liebschaft offen hat, findet in unseren Last-Minute-Geschenk-Tipps genau das Richtige!

Den Auftakt in unserer Galerie des Schreckens macht die Gedicht-Sammlung Web(erot)ericks des Verlags Beruf + Schule Belz KG. In der Edition "Heitere Poetik" hat die Herausgeberin Renate Golpon auf etwas mehr als 100 Seiten die wohl 200 schlechtesten Limerick-Versuche der Literaturgeschichte versammelt. Schlimm: Das Versmaß gehorcht selten den Regeln der Dichtkunst, meist geht es um "Reim dich, oder ich schlag dich!". Schlimmer: Die uninspirierten Verse drehen sich um das Thema Computer und Internet, weswegen dieses in einem fürchterlichen rosa Hardcover gebundene Rezensionsexemplar in unserer Redaktion eingetrudelt ist. Am Schlimmsten: Die zehn Dichter und Dichterinnen versuchen nach eigenen Angaben auch noch das "Thema Nummer 1: Erotik und Sex" in die Fünfzeiler einfließen zu lassen. Bevor uns die Steigerungsformen ausgehen, hier eine kleine Kostprobe der Grausamkeiten:

Ein Mann von der Baumgartner Höhe/der sehnt sich nach Jennifers Nähe/Allerdings virtuell/und per ADSL/"Heilig", schwor er, "ist mir meine Ehe"

Oder der hier, ebenso zufällig ausgegraben:

Es sah mal ein Surfer aus Jabel/ein Girl im Netz - nackt bis zum Nabel/Sie machte 'nen Strip/da fiel auch der Slip/Sehr heiß war's. Da schmorte das Kabel.

Mit hässlichen Clip-Arts im Word-Stil haben die Autoren das Buch nicht noch schlechter machen können, der Gipfel aber sind die 10 Blätter aus dickerem, lila Papier am Ende des Buches. Leser sind dazu aufgefordert, auf diesen Seiten selbst kreativ zu sein. Aber Vorsicht: Der Begriff Web(erot)ericks ist rechtlich geschützt, vor Nachahmung sei abgeraten. Wobei wohl kaum ein zweites Team von wagemutigen Wortspuckern auf so eine überflüssige Idee kommen sollte.

Unser Tipp: Das optimale Geschenk für die Ex, die uns verlassen hat, weil wir unserem Mac mehr Zeit gewidmet haben als ihr. Sie wird uns entweder für durchgeknallter als je zuvor halten oder als bemitleidenswert unkreativ und alles dafür tun, dass ihr neuer Lover das Büchlein in DIN-A5-Format nicht in die Finger bekommt.
"Web(erot)ericks - Die besten Limericks rund ums Web" (ISBN: 3-88013-666-1) ist erhältlich beim Verlag Beruf + Schule und kostet 12 Euro

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