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Die Freitagskolumne

16.01.2004 | 13:52 Uhr |

Apples Hardware kostet zwischen 249 Dollar und 13.000 Euro. Doch selbst beide Extreme harmonieren glänzend miteinander. iPod mini und Xserve RAID kommen eben aus dem gleichen Haus.

Es ist noch nicht so lange her, da hatte Apple ein extrem übersichtliches Produktportfolio, das Steve Jobs in einer 2x2-Matrix veranschaulichte. Die Zeilen markierten Desktop- und Mobil-Rechner, die Spalten klassifizierten Consumer- und Profi-Produkte. In jeder der Zellen stand eine Produktlinie, iMac, iBook, Power Mac und Powerbook. Seit 1999, als die Apple-Matrix ihre Premiere hatte, entwickelte Apple einige neue Geschäftsmodelle. Kurz war nur der Versuch, eine dritte Matrix-Spalte mit dem Cube zu füllen, ein Desktop, irgendwo zwischen iMac und Powermac, zumal die korrespondierende Zelle im Mobilsektor leer blieb. Das Modell der 2x2-Matrix gilt nicht mehr, denn wo sollten dort iPod und Xserve hin, ganz zu schweigen von den stark zunehmenden Aktivitäten Apples im Software- und Musikdownload-Geschäft. Apple wird immer mehr zum Gemischtwarenhändler, die günstigste Hardware, der iPod mini, ist für 249 Dollar zu haben, während das Xserve RAID in der Top-Ausstattung rund 13.000 Euro kostet. Zwei Produkte für zwei verschiedene Welten. Die Schere klafft auseinander, das Markenprofil verschwimmt. Oder etwa nicht?

Seitdem man Musik aufzeichnen kann und der Genuss von Klängen für den Hörer nicht die unmittelbare Nähe zum Musiker erfordert, haben technische Entwicklungen immer wieder die Hörgewohnheiten geändert, aber auch die Form der Musik hat sich angepasst. Singles waren typischerweise so lang, dass sie auf die Seite einer Vinyl-Scheibe passten, zweite Seiten von LPs haben sich oft stark in der Qualtität von der ersten Seite unterschieden, die man kaum noch mehr umdrehen wollte, wenn sie gefiel. Die CD hat schließlich ermöglicht, grauenhafte Füllstücke mit draufzupacken, nur weil noch Platz war. Sonys Walkman war Vorreiter einer neuen Gattung, Musik unterwegs zu hören, kam in den Achtzigern immer mehr in Mode, der Knopf im Ohr Erkennungszeichen einer neuen Generation. Und jetzt verändert der iPod nachhaltig Hörgewohnheiten und Mode. Den Nachteil der Kassette, auch wenn sie liebevoll kompiliert war mit den besten Tracks aus dem heimischen Plattenschrank, hat der iPod nicht. Kannte man beim Schlussakkord schon gleich das erste Riff vom nächsten Lied, wird der iPod mit seiner Zufallsfunktion wie eine Radiostation, die stets mit dem Lieblingslied überrascht. Und dann mit dem nächsten. Keine Füllsel, keine Werbeunterbrechung, Musik pur. Tragbare CD-Player hatten zwar Vergleichbares zu bieten, bei einer Scheibe mit zehn bis vierzehn Songs ist das aber reichlich witzlos, vor allen Dingen, da sich die Künstler in der Regel bei der Reihenfolge der Lieder etwas gedacht hatten.
Leider hat die Zufallsfunktion des iPod einen Haken: Bei manchen Werken sind einige Songs miteinander verknüpft, besonders bei Live-Alben. Wenn die zufällige Playlist plötzlich an einer ganz anderen Stelle weiterspielt als es an sich notwendig wäre, fehlt etwas. Daher wünschen wir uns für kommende iPod-Generationen so etwas wie eine Gruppieren-Funktion. Außerdem erscheint der Zufall alles andere als zufällig, der Generator scheint Favoriten zu kennen, die er öfter aus dem Pool von bis zu 10.000 Songs fischt. Der je nach Anzahl der Songs gar nicht einmal so unwahrscheinliche Fall, dass ein Song zweimal in Folge aus den Ohrhörern in die Muschel strömt, ist bei unseren Tests noch nicht aufgetreten. Die Zufallsfunktion gehorcht einigen Regeln, die der Anwender nicht beeinflussen kann, und das ist schade.
Doch auch aus modischer Sicht schlägt der iPod Wellen, an die Rollkragen-Fan Steve Jobs wohl kaum gedacht hat. Sehr nützlich ist nun einmal die Fernbedienung, um unterwegs die Lautstärke nachzuregulieren oder von Pat Metheny auf Faith no More weiterzustellen, wenn man die Bahn zu verpassen droht und Beschleunigung wünscht. Nur, wohin damit? Seitdem kommen Hemden und Jackets wieder in Mode, an den Revers hält der Clip eindeutig besser, als an Krägen von Schlabberpullis. So sorgt Apple dafür, dass sich eine neue Generation eleganter kleidet. Gespannt sein darf man auf das Armband des iPod mini, das vor allem beim Sport großartige Dienste leisten wird und hässlich ausgebeulte Turnhosen von den Laufstrecken verbannt.
Der iPod wird immer mehr zu einem Kulturveränderer, ist aber dennoch nichts weiter als ein schönes und teures Spielzeug. Meinte zumindest das Finanzamt in Fürstenfeldbruck, als ich meinen 5-GB-iPod von der Steuer absetzen wollte.

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