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Die Freitagskolumne

30.01.2004 | 12:02 Uhr |

Diese Woche hat Windows-Anwendern gezeigt, dass ein Studienabbruch nicht zwangsweise zu Reichtum führt - im Gegensatz zu manchen Tippfehlern - und nur Macianer wahre Christenmenschen sind.

Bill Gates will kein Vorbild sein: Lieber Studienabschluss als -abbruch

Wer Milliardär ist und der reichste zudem, hat was zu sagen, und wir hören zu. Oder lesen ehrfürchtig, wie man es so weit bringt. Selbst wenn er uns von seinem eigenen Weg abrät. Das jedenfalls tut William Henry Gates III zurzeit in einem Online-Brief an Studenten mit seiner persönlichen Empfehlung: "My Advice to Students: Education Counts".
Anlass: Nach Auskunft des Software-Moguls, der bekanntlich demnächst von der britischen Königin zum Ritter geschlagen werden soll und sich dann "Knight Commander of the British Empire" nennen darf, fragen ihn jährlich hunderte Studenten und in geringerer Zahl auch Eltern nach der richtigen Ausbildung und ob man nicht ebenso wie der große Gates sein Studium am College abbrechen dürfe, um Erfolg zu haben wie er. Aber auf keinen Fall, meint der künftige Ritter. Immerhin habe auch er drei Jahre in Harvard verbracht. und wie gerne würde der Microsoft-Präsident doch die versäumte Zeit nachholen. Einen Studienabbruch würde er nur dann unterstützen, wenn man wirklich sicher ist, der Chance seines Lebens gegenüber zu stehen - und selbst dann gelte es, sorgfältig abzuwägen. Völlig abraten würde Gates von einem Abbruch der High School (Oberschule), er kenne auch keinen erfolgreichen Menschen, der dies getan hat. Letztlich sei Ausbildung und besonders eine möglichst breite Bildung alles - das können wir Pisa-geschädigten Deutschen allerdings nur bestätigen...


Kommentar: Ein baldiger "Knight Commander of the British Empire", der zudem als der reichste Mann der Welt gilt und wirklich eine Menge Ahnung von Software hat .... muss es schließlich wissen. Studenten aller Länder, hört das Signal: büffelt, bis es staubt. Für eure Seminar-, Magister- und Doktorarbeiten benutzt ihr selbstverständlich nichts Geringeres als Microsoft-Software à la Word. So ist man dem unübertroffenen Bilde-Meister der Bytes und Dollars wenigstens geistig nahe. Denn wisset: Schon rein formallogisch ist klar, dass der Abbruch eines Studiums weder eine notwendige noch gar (leider) eine hinreichende Bedingung zum Weltruhm oder märchenhaften Reichtum ist. Freilich - wie der Ritter in spe selbst bewiesen hat, ein logischer noch faktischer Ausschluss ist der universitäre Bildungsabbruch für den Giga-Erfolg ebenfalls nicht ...

Info: Microsoft.com

X-Box gegen Mikerowesoft-Domain

Liebe Analphabeten aus tiefster Überzeugung, hier eine gute Nachricht: Ihr könnt fortan eintippen wie es euch gefällt, beinahe alle Wege bzw. URLs führen nun irgendwie in den Schoß von Microsoft.com. Der 17-jährige Kanadier und Jung-Programmierer Mike Rowe hat es jedenfalls geschafft, dass das Milliarden-Unternehmen aus Redmond für den Verzicht auf seine Domain doch etwas mehr bietet als 10 US-Dollar und - was in diesem Fall noch wichtiger ist als harte Münze und schlapper Schein - statt mit Paragraphen und Rechtsanwälten plötzlich mit freundlichen Worten, Anerkennung und einer echten Mikerowesoft-, sorry: Microsoft-X-Box um sich wirft, besser gesagt sie dem jungen Mann schenkt. Ob er sich zu billig hat abspeisen lassen? Immerhin hat er dem Software-Giganten die Stirn geboten, möglicherweise trifft er nun gar Bill Gates persönlich. So, wie das Unternehmen schon in der Vergangenheit viel Kreatives aufgekauft und vereinnahmt hat, stellt es bei der Gelegenheit Mike Rowe glatt in Redmond ein, wer weiß. Oder schenkt ihm so viele X-Box-Games, dass Mike zu weiteren Frechheiten erst gar keine Zeit mehr hat, obwohl Mike offensichtlich immer noch an einem Relaunch seiner registrierten Web-Site arbeitet. Und clever beim Geldverdienen ist: Derzeit versteigert Mike den 25-seitigen an ihn gerichteten Drohbrief aus dem Hause Microsoft inklusive Rechtsbelehrungen und E-Mail-Wechsel zwischen ihm und Redmond bei eBay . Das Gebot bei unserem letzten Check stand schon bei über 22000 US-Dollar (Laufzeit noch über 6 Tage) und einer Besucherzahl von immerhin 133.000.


Kommentar: Freilich liegt einem die Frage auf der Zunge, für wie beschränkt Microsoft seine potenziellen wie real-existierenden Kunden im Grunde hält. Sollten die Redmonder denn wirklich alle oder doch zahlreiche ihrer Word-Anwender als Legastheniker verdächtigen?! Aber stopp - vielleicht unterschätzen wir einfach Microsofts Hellsichtigkeit. Was, wenn Computer inklusive Internet-Seiten in absehbarer Zukunft nur noch sprachgesteuert aufgerufen werden und man dann tatsächlich mit dem Aufruf "Gehe zu maikrosoftdotkomm" einen unerwarteten Gleichklang mit "fatalen" Folgen bewirken würde, hätte das einzig wahre Maikrosoft nicht jetzt schon Vorsorge getroffen? Denn Rechner sind und bleiben insofern dumm, sogar Macs. Oder anders betrachtet auch kreativ, wenn sie zielsicher die Domain " www.microsoft.com " zu Gunsten genauso oder ähnlich klingender URLs umgehen. Pech gehabt, lieber User - denn siehe da, Bill was here - und bleibt auch gleich... Die Welt ist halt nicht einfach zu verstehen, nicht mal im Internet.


Info: Mikerowesoft.com

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