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Die Freitagskolumne

13.02.2004 | 16:07 Uhr |

Steiger und Müller gehen dieser Woche den Sicherheitslücken in Windows nach, suchen den Schuldigen und fragen sich, ob Mac-OS X sicherer ist oder Longhorn es je wird.

Müller: Steiger! Letzte Woche haben Sie mich ja recht nachhaltig davon überzeugen können, dass Open Source mehr Vorteile bietet und weniger Gefahren birgt, als ich vermutete. Offenbar hat in Redmond jemand unsere Diskussion verfolgt und Teile des Windows-Quellcodes online gestellt. Wird Microsoft jetzt auch zur Open-Source-Company? Verbinden sich die beiden Prinzipien der Kathedrale und Bazars zu etwas völlig Neuem? Oder hat Linus Torvalds dem Bill Gates etwas in de Tee geschüttet? Ich hoffe aber, der Anwender profitiert von einem wirklich ausgereiften Windows-Betriebssystem, das bald auf den Markt kommen wird.

Steiger: Mann, Müller, was erzählen Sie da? Bei Microsoft ist nur ein kleiner Teil des Windows-Codes verloren gegangen. Bill meidet Open Source mindestens genauso erfolgreich wie Tortengeschäfte in Brüssel. Wissen Sie noch, damals, im Februar 1998? Spazierte Gates winkend in eine Sahnetorte. Wahrscheinlich mussten die Programmierer danach dann eine Funktion in Windows einbauen, welche die Installation auf belgischen PCs unterbindet. Das wäre doch interessant - reichen Sie mal den Quellcode schnell rüber, Müller!

Müller: Was soll dann die Aktion von Microsoft? War da ein Krimineller am Werk? Ich denke einmal, in Redmond gibt es härtere Sicherheitsvorkehrungen als bei der CIA. Steiger, wissen Sie, was ich glaube? Den Quellcode hat Microsoft absichtlich online gestellt. Denn wie man hört, arbeiten Chief-Software-Architect William J. Gates und seine Kollegen an einem neuen Windows, das in punkto Sicherheit alles in den Schatten stellen soll, was es bisher zu kaufen gab. Die größte Plage des Internet sind Würmer, Viren, Trojaner und Spam, Microsoft räumt endlich auf damit. Sie wissen ja, dass Gates der Meinung ist, kein System sei so intensiv von seinen Usern getestet wie Windows XP, über alle Löcher und Probleme wisse man jetzt Bescheid. Und dass niemand Linux oder gar Mac-OS X angreife, heiße ja noch lange nicht, diese Systeme wären sicher. Im Gegenteil. Longhorn wird das sicherste Betriebssystem überhaupt und befreit uns von der Spam- und Würmer-Plage. Hat er kürzlich auf einer Konferenz in London versprochen .

Steiger: Longhorn ist schon so ein komischer Name. Außerdem: Diesen Codenamen haben sich die Nerds von Microsoft in der gleichnamigen Bar am Fusse irgendeines US-Skigebiet-Berges wahrscheinlich im Vollsuff ausgedacht. Vielleicht liegt ja dort das Leck: Die Jungs turnen sich mit Bill per Jack Daniels an, lallen ihre Bahn brechenden Ideen raus, der Ober hört mit, und zwei Jahre später stellt er die Infofetzen, die das betrunkene Microsoftpersonal auf Servietten gekritzelt hat, einfach mal so ins Internet. Zum Mitlesen. Was halten Sie von dieser Theorie, Müller?

Müller: Das würde auch erklären, warum nicht Bruchstücke des Longhorn-Codes im Web auftauchten, sondern Teile von Windows 2000 und NT 4.0. So ein Programmierer-Gelalle und Serviette-Gekritzle aus der Erinnerung und von der verschmierten Vorlage abzutippen, das braucht seine Zeit. Was ich aber an Bill Gates Theorie vom bestgetesteten System nicht verstehe: Warum brauchen die Programmierer so lange, um bekannte Lecks abzudichten? Da hat doch im vergangenen Juli die Sicherheitsfirma eEye die Jungs in Oregon darauf aufmerksam gemacht, dass alle Windows-Varianten offen sind wie Scheuentore. Gut - das hat man schon immer vermutet. Aber die Spezialisten haben genau gesagt, wo was los ist und wo etwas fehlt, und erst als sich eEye nach der Branchen üblichen halbjährigen Kulanzzeit an die Öffentlichkeit wandte, hat Microsoft reagiert. Wenn schon so viele User das System testen, warum geben sie dann kein Feedback? Ist PC-Anwendern ihre Sicherheit egal? Der Siegeszug von Mydoom schien es ja auf's Neue zu beweisen: Haben wir von der Computerpresse nicht schon seit Jahren immer wieder gewarnt: Klickt nie ein unbekanntes Exe-Attachment an, wenn ihr Outlook unter Windows verwendet? Die Leute tuns trotzdem, weil es offenbar immer wieder schwer fällt, vertraute Pfade zu verlassen und sich selbst einmal zu hinterfragen.
Aber ist denn Mac-OS X jetzt einfach nur zu selten oder wirklich sicherer als Windows? Steiger, helfen Sie mir weiter!

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