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Die Freitagskolumne

20.02.2004 | 12:18 Uhr |

Steiger und Müller sind sich uneins über den way of digital life und fragen sich, ob Macianer jeden Hype mitmachen müssen oder sich besser einen Platz an der Sonne sichern.

Müller: Steiger! Erlauben Sie mir die Gretchenfrage: Wie halten Sie's mit dem digital life?

Steiger: Müller, sind Sie jetzt auch schon so einer? Kommen Sie mir bloß nicht damit! Mein Life ist schon digital genug - Powerbook, PC, Uralt-Digitalkamera und Xbox sei Dank. Alles andere kann mir gestohlen bleiben, sollen doch die anderen für das neumodische Zeug Geld ausgeben. Und überhaupt: Ich hasse Digitalkameras! Und wissen Sie warum? Weil ich inzwischen vor diesem Zeug gar nicht mehr fliehen kann! Ich kaufe mir eine scheinbar harmlose Computerfachzeitschrift am Kiosk, und mit was beschäftigen die sich heutzutage? Mit Digitalkameras! Hallo? Es interessiert mich einen Furz, welche Brennweite die Teile haben - die Dinger haben mit einem Computer nur dann was am Hut, wenn Sie mal gelegentlich per USB-Kabel die Bilder rüberschieben. Verstehen Sie, Müller! Nur dann! Früher, da war man vor Hype in Computermagazinen sicher! Da haben Zeitschriften wie das Amiga Magazin und die legendäre 64er Programme zum Abtippen und Lernen abgedruckt! Da wurden noch Grundlagen vermittelt! Heute versuchen Industrie und Medien, den Leuten diesen "Digital Life"-Quatsch ins Hirn zu pressen - aber bitte nur nicht mitdenken, sonst kommen die Leute noch auf den Trichter, dass sie von vorn bis hinten zum Narren gehalten werden! Müller, nicht mit mir! Nicht mit dem... äh... Normalverbraucher!

Müller: Steiger, vielleicht haben Sie es noch nicht mitbekommen, aber als Mac-Anwender sind Sie alles andere als ein Normalverbraucher! Außerdem erklärt uns unser Lieblingshersteller schon seit drei Jahren, wie wir die Kiste einsetzen können: Als ideale Schnittstelle unseres digitalen Lebens. Und das hat eine Zukunft, will ich meinen! Früher habe ich mich in den Monaten vor Weihnachten und den Tagen vor den Geburtstagen meiner Lieben ständig gefragt, was sie brauchen können und die halbe Innenstadt leer gekauft. Jetzt lasse ich meine Verwandten, Bekannten und Freunde an meinem digitalen Leben teilhaben, mit Collagen aus meinen Fotos oder Videos, die ich in iMovie zusammen schneide und selbst arrangierten Garageband-Songs unterlege. Da ist die Freude groß und ich kaufe nur noch die Innenstadt leer, wenn neue Reihen von Digitalkameras, Camcordern, Smartphones, iPods und vor allen Dingen 1-Terybyte-Festplatten erscheinen, auf denen ich mein Leben archivieren kann. Steiger, ich bin ein Digi-Monster, holen Sie mich hier raus!

Steiger: Müller, Sie fasse ich nicht mit der Kneifzange an! Nachher infizieren Sie mich noch mit diesem Digital-Life-Wahn! Was das alles kostet! Mein Konto weint ja jetzt schon, so mit Kind, Haus und Frau auf der Sollseite der Haushaltsbuchführung. Nicht zu vergessen meine liebevoll in den Fernsehschrank integrierte Xbox, die will ja auch regelmässig was Neues zum spielen. Ich meine, meine Digitalkamera zum Beispiel, ist aus dem Jahre 1999, macht mit 1,3 Megapixel für meinen Bedarf tolle Aufnahmen, die kann ich auf der 8-MB-Karte in mein Powerbook schieben, Bilder runterziehen, fertig. So - und jetzt kommt, was ich der Digital-Life-Medien-Mafia vorwerfe: Wie benutze ich vernünftig iPhoto zum organisieren? Wie haue ich das Zeug vernünftig zu einem Online-Entwickler? Na, Müller, verstehen Sie? Jedes Magazin stürzt sich auf Superzoom-, Superschick- und Superteuer-Kameras, aber die wichtigen Programme meines Powerbooks erklärt mir keine Sau!

Müller: Steiger, da gibt's ja auch nichts zu erklären. Erstens ist iPhoto so ziemlich das Einfachste von der Bedienbarkeit her, das man sich vorstellen kann, besonders die Integration mit den anderen iLife-Applikationen ist Apple sehr gut gelungen. Kann man übrigens alles in der aktuellen Macwelt nachlesen. Und zweitens ist es derzeit nicht möglich, etwas über Online-Belichtungsdienste zu schreiben, die man aus iPhoto direkt anspricht, weil uns Europäern Apple den Service immer noch vorenthält. Ganz vage heißt es, "im April" geht das auch in Europa, es kursieren aber schon erste Spekulationen, dass iPhoto von der alten Welt aus Alben im US-Bundesstaat New York bestellt. Kein Wunder: Wo man kein Mautsystem zum Laufen bringt, klappts auch mit den einfachsten Dingen nicht.
Ihre 1,3-Megapixel-Knippse ist übrigens erbärmlich, damit gelingt es Ihnen ja nicht einmal vernünftige Hintergrundbilder für Ihren Desktop unter Mac-OS X abzulichten. Schauen Sie sich doch mal nach einem neuen Gerät um, die Preise sinken und die Leistungsfähigkeiten steigen derzeit viel schneller als sich das Moore je hätte erträumen lassen. Ja, viel mehr noch: Die digitale Konvergenz nimmt immer mehr zu! Sehen Sie sich doch mal den :Apparat von Benq an: Da können Sie beim "Malen mit Licht" gleich auch noch Musik hören! Die iPhoto- oder iMovie-Diashow im Kopf quasi schon beim Shooting zusammenstellen! Steiger, müssen Frau und Kind zur Not halt einen Monat lang mit Kohlsuppe auskommen. Was glauben Sie, wie ich sonst meinen iPod mini finanzieren könnte?

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