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Die Freitagskolumne

27.02.2004 | 16:45 Uhr |

Steiger und Müller wundern sich, wie manche Milliardäre zu ihrem Vermögen gekommen sind. Schließlich kauft ja eigentlich niemand bei Microsoft, Apple und Aldi ein.

Müller: Steiger! Warum hat Steve Jobs so viel Kohle? Forbes hat ihn in der 18. Liste aller Milliardäre mit einem Privatvermögen von geschätzten 2,1 Milliarden Dollar auf Platz 262 gesetzt. Für seinen CEO-Job bei Apple bekommt er doch nur einen Dollar jährlich. Und da ich bezweifle, dass er jetzt schon seit 2,1 Milliarden Jahren dem Mac-Hersteller vorsteht, muss da doch was faul sein? Aber wirklich Sorgen mache ich mir über den Spitzenreiter der Forbes-Liste: Bill Gates verfügt als reichster Mann der Welt über 40 Milliarden Dollar! Das ist der Jahreshaushalt eines südosteuropäischen Landes! Stellen Sie sich vor, Bill Gates könnte ganz Kroatien kaufen, nur weil er mit Ellbogen, Wahnwitz und unlauteren Methoden ein völlig unausgereiftes Produkt auf den Markt gebracht hat, an dessen kostenpflichtigen Fehlerbehebungen er sich nach und nach noch Mazedonien, Bosnien und Montenegro dazu verdient. Steiger! Die Welt ist ungerecht!

Steiger: Müller, Sie alter Neidhammel. Aber ich kann Sie ja verstehen, das Geld anderer Leute ist halt viel begehrenswerter als die popeligen Kröten, die jeden Monat nach Abzug aller mehr oder weniger sinnvollen Steuern auf meinem Konto landen. Und Sie sind ja nicht allein mit Ihrem Neid auf die Finanzdecke des Herren Jobs. Nehmen Sie mal diesen blonden Pösen-Puben-Rapper Eminem, der jetzt wegen eines Minizitats einer seiner mehr oder weniger verständlichen Songs in einem frühen iPod-Werbespot ein wenig "Bucks" aus der Apple-Zentrale abpumpen will. Dabei hat er sich doch zum Start des iTunes Music Stores sogar zu Exklusiv-Inhalten hinreissen lassen! Oder zumindest die geldgierigen Manager seiner Plattenfirma. Überhaupt denke ich, dass Eminem von dieser Sache gar keinen Schimmer hat. Seine Anwälte fummeln in seinem Namen die wildesten Klagen zusammen, um den immer tiefer sinkenden Absatz an Musik-CDs auszugleichen. Ich stelle mir diese Leute immer so vor wie Dagobert Duck - jeden Tag die Knete zählen und schnell mal im Geldspeicher baden, anschließend wieder die Knete zählen. Ich meine, irgendwann muss man davon ja Gaga werden. Die Jungs brauchen nur ein wenig Abwechslung, dass ist alles! Genauso wie Sie, Müller! Abwechslung! Tapetenwechsel! Dann geht Ihnen das Geld anderer Leute ganz schnell am Bart vorbei!

Müller: Steiger, das sehe ich anders. Das Geld der anderen Leute ist nämlich meines, zumindest war es das. Jahrelang habe ich immer wieder einen Mords-Obulus an Apple bezahlt, für mehr oder weniger sinnvolle Produkte. Und ich muss zugeben, dass ich auch den einen oder anderen Euro auf den Riesenhaufen Geld des Herrn Gates überwiesen habe. Und was bekomme ich dafür? Nichts als Ärger! Jetzt will Microsoft seinen Anwendern mit einem lächerlichen Zwischenupdate "Windows XP Reloaded" das Geld aus der Tasche ziehen, anstatt die Entwicklung von Longhorn zu beschleunigen, streichen die Banditen noch mal eine Upgradegebühr ein. Aber mit mir nicht! Ich seh' mal zu, dass ich jetzt alle meine Maschinen auf Open-Source-Geschichten umrüste. Weil Apple ist auch nicht viel besser. Klar, dass die vollkommen überzogene Preise verlangen müssen, so viele Anwälte wie die jetzt beschäftigen. Der Eminem hat sich wohl gedacht, seinen Song "Lose Yourself" zu zitieren: "This opportunity comes once in a lifetime" und Cupertino mal eben 10 Millionen Dollar aus dem Knie zu leiern. Und Apple Corps., die seit 1976 eigentlich still gelegte Plattenfirma der Beatles will jetzt schon wieder etwas abstauben, weil Apple jetzt als Musikdistributor auftritt. Kein Wunder, dass der iPod mini nur zu Mondpreisen zu haben ist, wenn die halbe Welt an dem Apple mitknabbert.

Steiger: Schon komisch, Müller. In der vergangenen Woche haben Sie hier einen auf Digital-Life-Nerd gemacht, und jetzt ist Ihnen plötzlich alles zu teuer und überhaupt? Na ja, ich kann diese ganzen geldgeilen Anwälte ja schon verstehen. Irgendwann muss denen ja auch das Geld ausgehen, und dann muss ganz schnell wieder was auf das Giro- oder Nummernkonto. Gucken Sie sich doch mal diese Lizenzgeschichten-Lachnummer "SCO vs. Linux" an. Ich meine, hallo? Welcher Manager ist denn auf diese dumme Idee gekommen, einem der erfolgreichsten Open-Source-Projekte der Welt an den Pinguin-Flügel zu pinkeln? Gucken Sie sich mal die Leserkommentare zu diesem Thema bei den Nachrichten-Kollegen aus Hannover an! Da würde ich mich als Mitarbeiter von SCO schämen! Und Eminem sollte sich auch was schämen! Sowas dreistes muss bestraft werden - am Wochenende werde ich mir "8 Mile" nicht auf DVD ausleihen. Da lass ich mich doch von meiner Frau zu einem fordernden Hugh-Grant-Streifen überreden, da kann ich wenigstens ruhig schlafen!

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