920032

Die Freitagskolumne

05.03.2004 | 15:00 Uhr |

Steiger und Müller im Rausch der Unterhaltung: Apple entert den Videospielemarkt und in Fernwest roll der Herr der Augenringe die Academy Awards auf. Ach ja, und ein Glas Whisky spielt auch mit. Was für eine Besetzung!

Steiger: MÜLLER! MÜLLER! Sehen Sie sich das an! Müller, Revolution! Nein, eigentlich nicht, es war ja vorhersehbar, aber, Müller, das ist der Hammer! Haben Sie das gelesen? Sie sind doch hier der Nachrichtendienst, Müller, sagen Sie mal was!

Müller: STEIGER? Sie sind ja ganz hibbelig? Was ist los mit Ihnen? Ich steh auf dem Schlauch: Was erregt Sie so? Dass Maria Riesch auch mal einen Slalom gewinnen würde, hat sich abgezeichnet, ebenso wie die Tatsache, dass am Sonntag die Hamburger ihren schönen Bürgermeister behalten wollten und ihren Ex-Innensenator gnadenlos richteten. Oder meinen Sie den Oscar für Nemo? Das war ja nun wirklich vorhersehbar, man munkelt, Pixar räume in seinen Regalen schon die Plätze für die Oscars der Jahre 2005 (The Incredibles) und 2006 (Cars) frei.

Steiger: Ach, Oscar, Beust, Riesch - Müller, das geht mir doch sowas von überall vorbei! Nein, diesmal macht mich eine erneute Zusammenarbeit von Microsoft und Apple total fertig: Da haben die in Redmond doch tatsächlich schon die ersten Entwicklungs-Pakete für Xbox-2-Spiele an verschiedene Spielehersteller geschickt! Bestehend aus G5-Powermacs! Müller, die "Xbox Next" wird eine verbessere Variante des PowerPC 970 alias G5 in sich tragen! Und das gleich doppelt! Und dazu noch ein Radeon-Grafikchip von ATI! Müller, die Xbox 2 oder wie auch immer das Ding heissen mag, besteht zur Hälfte aus Mac-Hardware! Erinnern Sie sich noch an Apples Videospielprojekt "Pippin"? Hat's nie über den Planungsstatus hinaus gebracht. Und jetzt fummeln Electronic Arts und Konsorten mit G5-Macs herum, auf denen ein Windows-NT-Kernel läuft! In der Entwicklungssoftware sollen sogar unser heiliges Apfel-Logo sichtbar sein! Müller, ich bin gehyped! Als Fan der aktuellen Xbox bin ich doch schon jetzt verraten und verkauft! Wenn das meine Frau erfährt!

Müller: Ja, Steiger, wenn sie sich bei sonstigem Digital-Life-Kram zurückhalten oder die Ernährung ihrer Familie auf Kohlsuppe umstellen, so wie wir es vor zwei Wochen diskutiert haben, dann sollte die Anschaffung einer Xbox 2, oder wie das Ding heißen wird, ja wohl kein Problem mehr sein. Ich verstehe Ihre Aufregung aber nicht so ganz, für mich sind Spielkonsolen so Zweitüberflüssigste nach Elektroentsaftern, die mit Espressozubereitungseinheit verschmolzen sind. Sie haben doch schon einen Mac mit zwei G5-Prozessoren und Radeon-Grafik! Und Sie müssen doch keine überteuerten Spiele von unserem Lieblingsfeind Microsoft kaufen, wenn auf dem Mac schon alles dabei ist, was das Gamer-Herz begehrt: Garageband, iMovie, Chess und wenn sie noch ein wenig investieren, dann auch Filemaker 6. Wobei ich zugeben, dass ich Version 4 immer noch nicht ganz durchgespielt habe. Wer war eigentlich Pippin? Das hört sich für mich nach einem alten Germanen an, nach dem in Ober- und Niederbayern einige Kuhkäffer wie Pippinsried benannt sind.

Steiger: Müller, "Pippin" ist nicht ein Hobbit-Charakter aus dem "Herr der Ringe", der dank Peter Jacksons monumental epochaler Verfilmung berechtigte elf Oscars eingeheimst hat, nein, Müller, Pippin war mal der Codename für ein Vidospielkonsolen-Projekt von Apple. Eigentlich war es eine richtige Settop-Box, so zum Spielen und andere Dinge machen, mit einem reduzierten Mac-OS innen drin. Ist eine Erfindung aus den Hirnwindungen von Ex-CEO Michael H. Spindler, aus dem Jahre 1996. Und eigentlich war "Pippin" eine Entwicklung des Spielzeugherstellers Bandai, die das Teil jahrelang unter dem Namen "Atmark" in der Schublade hatten. 1994 suchte Apple eine Hardwaregrundlage für eine Apple-Konsole, krallte sich von Bandai das Atmark, fügte Modem und einen Minibrowser mit Netscape-Kern hinzu - und schon konnte "Pippin" spielen, im Internet surfen und E-Mails abrufen. Doch dann kam Sega mit der "Dreamcast" - schnelleres Modem, bessere Grafik, niedrigerer Preis. Bandai wollte Atmark für über 600 US-Dollar an den US-Mann bringen, Sega lag weit unter dieser Marke. Und wenige Monate später war "Pippin" alias "Atmark" auch schon wieder verschwunden. Aber jetzt kommt Apple wieder, Müller! Sie werden sehen! Auch Sie werden das Ding mal in die Hand nehmen, wenn 2006 fertig ist! Und dann werden auch Sie dem Entertainment-Wahn verfallen! Ha!

0 Kommentare zu diesem Artikel
920032