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Die Greenpeace-Kritik an Apple: Umweltschützer klagen an

07.03.2007 | 13:31 Uhr |

Greenpeace wirft Apple Versäumnisse beim Umweltschutz vor und hat das Unternehmen in seiner Liste "Grüne Elektronik" schlecht bewertet. Wir gehen der Kritik nach und versuchen, von Umweltschützern und Apple Antworten zu erhalten. Sind die Vorwürfe gegen den Mac-Hersteller berechtigt oder kümmert sich Apple ausreichend um den Umweltschutz?

© Martin Strang

Apple-Produkte sind technisch hochwertig und in Sachen Design führend. So sehen das Apple-Fans und so vermarktet die Unternehmenszentrale in Cupertino ihre Produkte. Und wie sieht die Bilanz in Sachen Umweltschutz aus? Diese Frage hat Greenpeace mit seiner Liste "Grüne Elektronik" aufgeworfen und Apple für seine Umweltschutzrichtlinien kritisiert.

Greenpeace bemängelt vor allem, dass Apple keinen konkreten Zeitpunkt nennt, zu dem es ganz auf PVC sowie bromierte Flammschutzmitteln verzichten will. Rechner, die aktuell ganz ohne die beiden Schadstoffe auskommen, bietet Apple derzeit nicht an. Lediglich bei einzelnen Peripherieprodukten verzichtet Apple auf die Schadstoffe. Für den Nutzer sind die verarbeiteten Schadstoffe nicht von Belang. Problematisch werden die Chemikalien erst, wenn der ausgediente Rechner auf dem Müll landet. Die Schadstoffe können in die Umwelt gelangen sowie Menschen schädigen und erschweren das Recycling. Schlecht schneidet Apple ebenfalls in Sachen Rücknahmeprogramme ab. Die gibt es zwar in fünf Regionen, darunter den USA und Europa, im Rest der Welt werden Verbraucher mit ihren ausgedienten Apple-Geräten allerdings allein gelassen.

Im August 2006 veröffentlichte die Umweltschutzorganisation die erste Version seiner Liste, die vierteljährlich aktualisiert wird. Dazu vergibt Greenpeace in insgesamt 9 Kategorien Punkte, maximal 10 Punkte kann ein Unternehmen erreichen. Die Umweltschutzorganisation bewertet dabei nicht einzelne Produkte und nimmt auch keine Schadstoffmessungen vor. Vielmehr sichtet Greenpeace das auf Webseiten veröffentlichte Material und nimmt so eine Wertung der Umweltpolitik der einzelnen Firmen vor.

Ganz unten auf der Liste grüner Elektronik

Apple landete in der ersten Liste mit 2,7 von 10 Punkten auf Platz 11 von insgesamt 14 Unternehmen – kein Ergebnis, das ein Hersteller gerne sehen möchte. Gleichzeitig stellte Greenpeace die Webseite Greenmyapple.org ins Netz, um Verbraucher zur Kritik an Apple aufzurufen. Aufmerksamkeitsstarke Aktionen rundeten die „Green my Mac“-Kampagne ab. So waren die Umweltschützer auf der Londoner Mac Expo im Oktober 2006 mit einem eigenen Stand vertreten – und flogen prompt von der Messe. Die Aktivisten hätten für ihre Kampagne zu aggressiv geworben, lautete der Vorwurf der Messeveranstalter.

Die zweite Ausgabe des "Guide to Greener Electronics" im Dezember brachte für Apple jedoch keine Verbesserung. Im Gegenteil, Greenpeace stufte Apple in Sachen Umweltschutz als Nachzügler ein. Während die Hersteller Acer, Motorola und Lenovo ihre Richtlinien überarbeiteten, reagierte Apple auf die Greenpeace-Kritik nicht. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, tauchten Aktivisten in der Vorweihnachtszeit den Apple Store in New York in grünes Schweinwerferlicht.

Die Zentrale in Cupertino äußert sich nur knapp zu der schlechten Greenpeace-Bewertung. Man lehne die Kriterien von Greenpeace ab, teilte das Unternehmen mit. Apple habe als eines der ersten Unternehmen auf Schadstoffe wie Quecksilber, Kadmium, sechswertiges Chrom und einige bromierte Flammschutzmittel verzichtet. Zugleich verweist Apple auf die Bewertung der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency), bei der Apple-Produkte gut abschneiden würden. Näher geht das Unternehmen nicht auf die Vorwürfe ein.

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