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Die Schlacht um zwei Dollar für 802.11n

22.01.2007 | 16:18 Uhr |

Wer seinen Mac über neuen Pre-Standard 802.11n mit dem WLAN verbinden will, wird 1,99 US-Dollar oder 1,54 Euro zahlen müssen, um die neue Funktion frei zu schalten. Das hat Apple inzwischen mehrfach bestätigt.

Die wahren Hintergründe allerdings sind äußerst umstritten und eine Reihe vom Wall Street Journal befragter Experten stellen die Erklärung des Herstellers in Frage, es handle sich um ein Zugeständnis an verpflichtende Buchhaltungsregeln.

"Die Buchhaltung schreibt für gar nichts eine Gebühr vor", sagt Edward Trott, Mitglied des "Financial Accounting Standards Boards". Apple allerdings macht den Sarbanes-Oxley-Act (Link: Wikipedia ) auch dafür verantwortlich, dass kostenlose iPod-Firmwareupdates keine neue Funktionen bringen. Im Falle 802.11n bestehe Apple laut einem aktuellen Bericht von News.com gar darauf, dass die amerikanischen GAA-Prinzipien (Generally Accepted Accounting Principles) die geforderte Nachzahlung verlangen. Das sei nur eine faule Ausrede, kontert Trott. Die Erklärung des Mac-Herstellers ist eine juristische Spitzfindigkeit: Wer einem Produkt im Nachhinein kostenlos Funktionen hinzufügt, kann in den USA für die Fälschung seiner Buchhaltung belangt werden. Denn er hat das Produkt bereits vor seiner endgültigen Fertigstellung als verkauft verbucht, so die Logik amerikanischer Juristen. Schließlich dürfe beispielsweise ein monatlich erscheinendes Heft erst nach jedem Versand einzeln verbucht werden, auch wenn der Abonnent bereits pauschal für das ganze Jahr bezahlt hat. Nun mehren sich allerdings auch die Einwände in Foren und Diskussiongruppen aus aller Welt: In Mac OS X 10.4.8 etwa habe Apple für den drahtlosen Zugang das Protokoll EAP-FAST hinzugefügt und kein Geld dafür verlangt, schreibt ein Leser der französischen Seite MacGeneration. Wieso habe sich Apple dabei nicht illegal verhalten? Als sicher gilt: Hätte Apple beim Verkauf der Macs mit 802.11n-fähigem Chipsatz von Anfang auf die spätere Update-Fähigkeit hingewiesen, wäre auf keinen Fall eine Nachzahlung nötig gewesen. Aber in die Karten, aus denen er die Zukunft legt, lässt sich der Mac-Hersteller eben nicht gerne schauen. Groß sollte das Interesse Apples bei sieben Milliarden Umsatz im letzten Quartal nicht sein, dem Anwender grundlos zwei Dollar abzuknöpfen. Dennoch gibt ein Forenteilnehmer zu bedenken: Apple hat alleine im letzten Quartal 1.606.000 Rechner ausgeliefert hat, das könnte immerhin rund 3 Millionen US-Dollar Umsatz für einen simplen Treiber bringen. Außerdem legt kein Gesetz die Höhe des zu entrichtenden Betrags fest, selbst wenn dieser wirklich unabdingbar ist: Der Mac-Hersteller könnte durchaus auch symbolische 20 US-Cent verlangen, um Sarbanes-Oxley Genüge zu tun. Am Ende ist die Rechtslage in den USA wohl selbst für amerikanische Juristen und Finanzexperten nur schwer durchschaubar und Apple gibt sich stets schweigsam. Natürlich sind 1,99 Dollar nicht die Welt - irgendeinem aber geht es eben immer ums Prinzip.

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