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Universal-Simkarte für das iPhone rückt näher

10.03.2015 | 11:08 Uhr |

Die Apple-Sim für das iPad ist derzeit die einzige programmierbare Simkarte für Endanwender. Auf dem MWC gibt es hier jedoch kleine Fortschritte.

In der Theorie wäre es toll für Smartphone-Nutzer, wenn sie jederzeit - zum Beispiel im Urlaub - den Anbieter wechseln könnten, um einen günstigeren Mobilfunkanbieter zu wählen. Die technischen Grundlagen für programmierbare Simkarten gibt es bereits seit mindestens zwei Jahren. Dennoch hat sich für Verbraucher kaum etwas getan. Laut Gerüchten plant Apple bereits seit über zwei Jahren, die Simkarte im iPhone möglichst abzuschaffen oder durch eine universelle Karte zu ersetzen. In den USA und Großbritannien können Käufer des iPad Air 2 und iPad Mini 3 zumindest zwischen einigen wenigen Anbietern wechseln . Apple hat hier das geschafft, was andere Hersteller bisher nicht vermochten: die Provider zu einer Zusammenarbeit zu überreden.

Auf dem Mobile World Congress 2015 gibt es kleinere Fortschritte in diesem Bereich, doch bis Smartphone-Nutzer tatsächlich frei zwischen Anbietern wechseln können, ohne die Simkarte auszutauschen, wird noch viel Zeit vergehen. Wir haben mit einigen Beteiligten gesprochen, den aktuellen Stand erkundet und herausgefunden, warum es so schwierig ist, das Konzept in die Praxis umzusetzen.

Provisioning: Die Simkarte erhält eine neue Identität und ein neues Netz.
Vergrößern Provisioning: Die Simkarte erhält eine neue Identität und ein neues Netz.

Erste Zusammenarbeit der Provider

Die gute Nachricht: endlich haben sich zahlreiche Provider zusammen geschlossen und erlauben es, Simkarten - zentral verwaltet - unterschiedlichen Anbietern zuzuordnen. Die schlechte Nachricht, die geplante Anwendung für die Technik ist derzeit so weit weg vom Endkundenmarkt wie nur möglich. Es gibt aktuell zwei Konsortien, die programmierbare Simkarten bald einsetzen wollen: Die " Global M2M Association ", in der unter anderem die Telekom engagiert ist, und die " M2M World Alliance ", wo unter anderem Telefonica, die Muttergesellschaft von O2, mit an Bord ist. "M2M" ist ein Industriebegriff und bedeutet " Machine to Machine ", bezeichnet Geräte, die mit anderen Geräten kommunizieren und deutet sichtbar darauf hin, dass es hierbei nicht um das Endkundengeschäft geht.

M2M-Lösungen sind Geräte wie Funkmodems in Autos, Wetterstationen, Parkleitsysteme oder viele andere Geräte, die per Web mit anderen Geräten wie Steuergeräten oder Leitsystemen kommunizieren. Darum dreht es sich bei den neuen M2M-Verbänden: Die Arbeit der Hersteller solcher Geräte leichter machen. In der Praxis wird dies so aussehen: In der Fabrik, in der beispielsweise ein Parksensor mit Mobilfunkmodem hergestellt wird, muss der Produzent in Zukunft nicht mehr darauf achten, dass die passende Simkarte für das Zielland eingesetzt wird, sondern verwendet stattdessen für alle Geräte jeweils eine Blanko-Simkarte.

Dieser Parksensor (unten rechts) misst und meldet, ob ein Parkplatz belegt ist. In naher Zukunft werden solche Geräte mit programmierbaren Simkarten ausgeliefert.
Vergrößern Dieser Parksensor (unten rechts) misst und meldet, ob ein Parkplatz belegt ist. In naher Zukunft werden solche Geräte mit programmierbaren Simkarten ausgeliefert.

Wenn der Parksensor zum ersten Mal in seinem Zielland in Betrieb genommen wird, erkennt der verwaltende Server, dass der Sensor beispielsweise in den USA in Betrieb geht und sendet der Simkarte des Gerätes einmalig die Identität für das passende US-Mobilfunknetz. Technisch funktioniert dies genau so, wie auch eine entsprechende Lösung für Smartphone-Nutzer aussähe. Eine zentraler Verwaltungsdienst koordiniert das so genannte Provisioning und die Zuordnung zum richtigen Netz.

Was noch nötig ist

Wenn Providerwechsel per Server längst möglich ist, warum können Endverbraucher dies noch nicht im Alltag nutzen? Hier gibt es mehrere Faktoren, die diese Entwicklung bremsen. Vieles davon lässt sich unter "Firmenpolitik" zusammenfassen. Denn die Provider sperren sich derzeit noch dagegen, dass Nutzer beliebig den Tarif wechseln können. Zudem bleibt beispielsweise die Vertragslaufzeit für Tarife dem spontanen Wechsel im Weg. Bei M2M-Geräten gibt es stattdessen Volumentarife, die für etliche Geräte oder Dienste gemeinsam abgeschlossen werden.

Das Backend der Global M2M Association zeigt auf dem MWC die Provider-Historie eines Gerätes.
Vergrößern Das Backend der Global M2M Association zeigt auf dem MWC die Provider-Historie eines Gerätes.

Die Provider müssten sich einigen, ob und unter welchen Bedingungen der Wechsel untereinander möglich wäre. Jeweils nur alle zwei Jahre, nach Ende der Vertragslaufzeit? Gäbe es Ausnahmen, um zwischendurch lokale Tarife im Urlaub nutzen zu können? Wenn ja, mit welchen Anbietern? Zwischen welchen Providern ist der Wechsel möglich, wer spielt dabei nicht mit? Schon die Apple Sim im US-iPad zeigt, dass diese Verhandlungen schwierig sind. So kann man in den USA mit der Apple Sim zwar zwischen mehreren Providern wechseln, ist man einmal bei AT&T, bleibt aber auch die programmierbare Apple Sim für immer eine AT&T-Karte.

Bei Geräten, die nur Daten senden oder bei Tablets wie dem iPad ist die Umsetzung der Providerwahl zudem deutlich einfacher als bei Smartphones. Denn beim Providerwechsel erhält die Simkarte derzeit jedes Mal eine neue Telefonnummer - diese ist einer der Identifikatoren der Simkarte. Bei Tablets oder anderen reinen Datendiensten ist das unerheblich, für Smartphonenutzer jedoch äußerst unpraktisch. Hier müsste noch ein Prozess entwickelt werden, der eine Simkarte zwar einem anderen Anbieter zuweist, die Rufnummernmitnahme jedoch in Echtzeit mit organisiert.

Hoffnungsträger Apple?

Aus Verbrauchersicht ist es erfreulich, dass Branchenriese Apple sich darum bemüht, dies für Endkunden möglich zu machen. In der Vergangenheit ist es Apple mehrmals gelungen, mächtige Unternehmen dazu zu bewegen, von bisheriger Firmenpolitik abzurücken, beispielsweise die großen Plattenfirmen zu überzeugen, Musik auch ohne DRM online zu verkaufen. Mit Apple haben die Verbraucher hier einen mächtigen Verbündeten. Dennoch könnten noch ein bis zwei Jahre vergehen, bis programmierbare Simkarten Einzug in unsere Smartphones halten.

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