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Die Zukunft der Fotografie: Adobe gewährt einen Blick ins Labor

10.10.2007 | 15:36 Uhr |

Einen Aspekt der Fotografie von morgen hat Dave Strory, Vice President Interactive Design bei Adobe, vor wenigen Tagen Journalisten und Fotografen vorgeführt.

Bei der Vorstellung einer neuen Technik aus den Laboratorien des Softwareherstellers war ein französischer Blogger anwesend, der Strorys Ausführungen auf Video festgehalten hat: Im Zentrum der Erfindung steht der Protoyp einer Linse, der ein Bild wie das Facettenauge eines Insekts durch mehrere kleine Linsen aus 19 unterschiedlichen Blickwinkeln festhält. Das dadurch entstehende 3D-Foto ließe sich mit einer zukünftigen Photoshop-Version auf beeindruckende Weise bearbeiten und verändern.

"Computional Photography" nennt Strory die Techniken, die die digitale Fotografie erweitern oder gar ablösen werden. Die computergestützte Fotografie unterscheidet sich von aktuell am Markt verbreiteten Ansätzen darin, dass sie nicht Methoden der analogen Fotografie abbildet, sondern radikal neue Wege sucht. Zum ersten Mal verwendet wurde der Begriff "Computional Photography" von Steve Mann, einem Technik-Visionär und Professor an der Universität von Toronto. Adobes Versuche, die die Audioblog.fr im Video festgehalten hat , gehen in der Tat über aktuelle Methoden zum Festhalten eines Bildes hinaus. Etwa kann der Fotograf im Nachhinein noch den Blickwinkel ändern oder den Brennpunkt beliebig neu setzen. Adobes Idee beruht auf einer Kombination zwischen einer Linse und zugehöriger Software. Die Hardware ist ein Vorsatz für das Kameragehäuse, der 19 Linsen gleicher Größe nebeneinander anordnet und damit in Aussehen und Funktion an das Auge eines Insekts erinnert. Auf den Bilderfassung-Sensor der Kamera projiziert die Apperatur 19 Fotos, die jeweils von einem etwas anderen Bildwinkel aus aufgenommen sind. Wie bei einem Stereoskop, das mit Hilfe von zwei Linsen ein virtuelles Raumbild erzeugt, lässt sich aus den verschiedenen Fotos ein dreidimensionales Bild errechnen. Für das Zusammensetzen der 19 Einzelbilder zu einem einzigen Foto verwendet Adobe eine Software, die eigens zu diesem Zweck programmiert wurde. Sie erstellt ein Bild, in dem jeder einzelne Bildpunkt 3D-Informationen enthält: Jedes Pixel speichert Informationen darüber, wo sich ein abgebildetes Objekt im Bild in Relation zu den anderen befindet, in deren Vorder- oder Hintergrund. Die Möglichkeiten zur Bildbearbeitung sind vielfältig, Strory stellt zwei mögliche Photoshop-Werkzeuge der Zukunft vor: ein Fokussierwerkzeug und ein Defokussier-Werkzeug. Mit ihnen ist es möglich, den Brennpunkt im vorliegenden 3D-Bild beliebig zu setzen, Objekte mit einem einfachen Pinsel scharf zu "zeichnen" und andere unscharf. Eine andere Anwendungsmöglichkeit ist, das Verhältnis von Objekten im Vorder- und im Hintergrund zu verändern. Der Adobe-Entwickler nennt das Beispiel eines Fotos vom französischen Präsidenten, das als Unikat vorliegt und unbedingt veröffentlicht werden soll: Mit Hilfe des aus Einzelbildern zusammengesetzten 3D-Fotos lässt sich eine Straßenlaterne, die im Hintergrund direkt aus Sarkozys Kopf zu wachsen scheint, durch eine leichte Veränderung der Perspektive neben ihm platzieren. Doch auch zahlreiche andere Anwendungsbeispiele wären mit der beschriebenen Technik möglich: etwa die Erstellung eines Auswahlwerkzeugs, das den Hintergrund eines Objektes automatisch entfernt. Schließlich ist die Information, was zum Hintergrund gehört, in jedem einzelnen Pixel enthalten. Noch sind sowohl die Mehrfach-Linse als auch die zugehörige Software weit von einer Markteinführung entfernt, vielleicht werden sie in dieser Form auch niemals Wirklichkeit werden. Probleme für eine Umsetzung in die Praxis dürfte es viele geben, etwa die durch die Aufteilung in Einzelbilder stark verringerte Auflösung. Die aber dürfte mit neuen Kameramodellen immer weiter steigen, so dass in einigen Jahren wohl auch die Teilung um den Faktor 19 kein Problem mehr sein wird. Im Moment ist auch die Leistung aktueller Rechner für solche Anwendungen noch nicht ausreichend. Der Entwickler, der die im Video gezeigte Beispiel-Anwendung entwickelt hat, soll eine Woche für die Programmierung gebraucht haben - und eine weitere, bis der Compouter die nötigen Daten errechnet hatte. Doch auch die Rechenleistung von Computern steigert sich rasant. Und selbst, wenn Adobe mit solch einem Beispiel nicht auf die nahe Zukunft und vielleicht nicht einmal auf Produkte verweist, die eines Tages wirklich auf den Markt kommen werden - Möglichkeiten und die Richtung einer längst in die Wege geleiteten Entwicklung zeigen sie durchaus. Bild: AudioBlog.fr

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