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Die digitale Duftspur: Nike+iPod Kit ausspioniert

04.12.2006 | 09:33 Uhr |

Wie viel geben Sie Dritten von sich preis, wenn sie ein Nike+iPod Sport Kit einsetzen? Wissen Sie, dass Sie digitale Duftspuren hinterlassen könnten, wenn Sie in Ihren Sportschuhen durch die Stadt schlendern?

Vier Angehörige der Abteilung für Computerwissenschaften an der Universität von Washington haben im Rahmen eines Projekts das Zubehör für potentielle Spione zusammengezimmert : Mit dessen Hilfe lässt sich herausfinden, wie oft ein bestimmter Träger des iPod-Senders vorbei läuft, wann er das Haus verlässt, nach Hause kommt oder wann der gläserne Bürger ein Geschäft betritt.

Manche Anwender des Nike+iPod Sport Kit mögen ihre Sportschuhe nur zum Joggen verwenden, andere schlendern darin vielleicht auch durch die Stadt. Die meisten von ihnen aber dürften den Sender im linken Schuh niemals ausschalten oder herausnehmen, schließlich schreibt Apple: "Wenn Sie nicht trainieren, können Sie den Sensor im Schuh lassen.".  

Das Nike+iPod Sport Kit als digitale Fußfessel

Das Sport Kit besteht aus einem Sender für den Sportschuh und einem Empfänger, der sich an den iPod schließen lässt. Es zeichnet über den Musikplayer die Zeit auf, die man fürs Training aufgebracht hat, misst zurückgelegte Distanzen, die Geschwindigkeit und rechnet die verbrauchten Kalorien aus. Allerdings hat jeder Sender eine einzigartige Signatur, mit der man durchaus Schindluder treiben könnte, wenn man denn Böses im Schilde führt. In den USA kann man dazu verurteilt werden, eine elektronische Fußfessel zu tragen - alleine 2006 wurde diese Maßnahme bei 100.000 Personen angewandt, schreibt die deutsche Wikipedia . Fast eine halben Million Anwender weltweit haben sich bereits ein Sport Kit gekauft, ganz freiwillig sogar.  

Digitale Spione

Um zu zeigen, wie man sie überwachen könnte, haben die Projektteilnehmer der Uni Washington mehrere digitale Spione gebaut, die sie auch in einem Video vorstellen (200 Megabyte) : Ein XP-Laptop mit Empfänger und Anbindung an das Kartenmaterial von Google Earth, eine Uhr mit Empfänger fürs Handgelenk und einen iPod der dritten Generation, auf dem ein Linux-Programm nach Sendern sucht. 250 US-Dollar reichen für einen universalen Empfänger, schreiben die Verantwortlichen. Die Reichweite des Sport Kit-Senders beträgt 18 Meter, innerhalb dieser Distanz erkennen die Geräte die Sender nicht nur, sie können jeden einzelnen davon identifizieren und beim nächsten Kontakt wieder erkennen. Den iPod muss man dafür im Übrigen gar nicht dabei haben, der Sender im Schuh genügt.  

Warum nicht verschlüsselt

Die Projektinitiatoren halten sich mit Kritik an Apple nicht zurück: Der Hersteller hätte es besser machen können, schreiben sie, Verschlüsselungstechniken machten ein Ausspionieren unmöglich. Allerdings geben sie zu: Eine komplexere Technik würde zu höheren Kosten führen, zu mehr Leistungsaufnahme und sei nicht so leicht zu bedienen. Das Nike+iPod-Kit kostet 29 Euro, die Batterie ist nicht austauschbar, aber es soll bei normalem Einsatz Jahre lang halten. Noch ist unwahrscheinlich, dass wirklich jemand mit Hilfe des Sport Kit-Senders die Privatsphäre von Sportschuhträgern ausspioniert. Auf Grund der Enthüllungen der Universität Washington sollte man in Zukunft aber daran denken, die Sportschuhe auszuziehen, bevor man verheirateten Damen einen Besuch abstattet. Darüber hinaus aber sind für ambitionierte Bastler durchaus auch positive Einsatzmöglichkeiten denkbar: Die Haustür geht auf, wenn man in seinen Nike-Schuhen daherschlappt, das Licht geht an und der Kaffe beginnt zu kochen.

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