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Die fünf größten Baustellen von OS X

28.05.2014 | 14:00 Uhr |

Macwelt spielt "Wünsch-dir-was": Diese Baustellen sollte Apple mit seinem neuen OS X dringend in Angriff nehmen.

Schon Wochen vor der Entwicklerkonferenz wurde bekannt, dass Apple heuer OS X wesentlich mehr Aufmerksamkeit einräumen will , als das noch im vergangenen Jahr der Fall war. 2013 stand Mavericks klar im Schatten des tiefgreifenden Redesigns, das Apple iPhone und iPad mit iOS 7 spendiert hat. Damit OS X 10.10, das unter dem Codenamen „Syrah“ entwickelt wird, pünktlich zur Prä­sentation in das Beta-Stadium übergehen kann, hat Apple Interface-Entwickler von deren iOS-8-Projekten abgezogen, um den OS-X-Kollegen bei der Fertigstellung unter die Arme zu greifen. Denn anders als bei OS X Mavericks, wo Apple lediglich geringfügige optische Veränderungen an wenigen System-Apps wie dem Kalender vorgenommen hat, sollen die Änderungen am neuen OS X tiefgreifender ausfallen.

Der Schicht-Aufbau von OS X.
Vergrößern Der Schicht-Aufbau von OS X.

Der Anfang jedenfalls ist gemacht. Mit energiesparenden und ressourcenschonenden neuen Technologien wie Timer Coalescing (Gesammelte Ausführung von regelmäßigen, automatischen Aktivitäten), Compressed Memory (Komprimieren von nicht aktiven Speicher­inhalten) oder App Nap (Ruhezustand für inaktive Programme) konnte Apple tiefgreifende Optimierungen an OS X Mavericks vornehmen. Von diesen Verbesserungen profitieren vor allem mobile Macs, längere Akkulaufzeiten bei niedriger Energieaufnahme waren und sind die Folge.

Für Nachfolger von OS X Mavericks, wie auch immer er auch heißen mag, gibt es trotz der vielen Verbesserungen von Mavericks eine Baustellen zu bewältigen, die wir in der nachfolgenden Aufstellung gesammelt haben:

Baustelle 1: Dateisystem

Nach diesen Optimierungen könnte sich Apple mit dem Nachfolger von OS X Mavericks weiteren größeren „Unter-der-Haube“-Projekten widmen, beispielsweise einem neuen Dateisystem. Über die Ablösung des betagten HFS+-Formats (eingeführt am 19. Januar 1998 mit Mac OS 8.1) wurde in den vergangenen Monaten immer mal wieder spekuliert, handfeste Hinweise für eine Dateisystem-Neuorientierung gab es nicht. Dennoch: Angesichts der mittlerweile großen Verbreitung von SSDs in aktuellen Macs mit immensen Transferraten wäre es an der Zeit, aktuellen Speichermedien ein zeitgemäßes Da­teisystem zu spendieren, um beispielsweise mit Snapshots arbeiten zu können.

Baustelle 2: Ein 64-bit-only OS X

Außerdem schleppt Apple nach wie vor in OS X Mavericks alte 32-Bit-Technologien wie die Programmbibliothek Carbon oder Quicktime mit – hier wäre es Zeit für einen klaren Schritt und einem Bekenntnis zu 100prozentiger 64-Bit-Software mit Cocoa und AV Foundation. So sieht das auch Florian Albrecht von Elgato : „Der Aufwand für Apple, diese beiden Umgebungen am Leben zu erhalten, ist sicher nicht zu unterschätzen und macht auf die Zukunft gerichtet nicht mehr viel Sinn.“ Ob Apple diesen Schritt auf der WWDC vollziehen wird, ist eine der vielen spannenden Fragen, auf die es hoffentlich am 2. Juni eine Antwort geben wird.

Baustelle 3: Design-Inkonsistenzen

OS X Mavericks ist mit Blick auf das User-Interface recht inkonsistent geraten. Während Teile der System-Apps wie Kalender, Notizen oder Kontakte bereits von Fake-Leder oder einer imitierten Papieroberfläche befreit wurden, versteckt sich beispielsweise im Game Center (der zugegebener Maßen unwichtigsten Systemapp von OS X Mavericks), den Erinnerungen oder der Nachrichten-App (Glasblasen) noch immer die berüchtigten und oft zitierten skeuomorphen Elemente. Wir wünschen uns, dass Apple sich dieser Inkonsistenten mit dem Nachfolger von OS X Mavericks annimmt und OS X optisch sanft an iOS annähert.

Allerdings sollten dabei die Bedienelemente, die OS X so einzigartig machen – Menüleiste, Dock und Finder – nicht auf der Strecke bleiben. Spannend wir dabei vor allem, wie weit Apple mit dem Abbau der Inkonsistenzen gehen wird – im Gespräch mit dem UI-Designer Danny Giebe und unserer Geschichte „ Dem neuen Look von OS X auf der Spur “ klären wir, wie realistisch die im Moment kursierenden Designkonzepte sind.

Baustelle 4: iCloud

Wo will Apple mittelfrisitg mit iCloud hin? Auf diese Frage erhoffen wir uns auf der WWDC 2014 eine Antwort. Bisher ist iCloud ein peu á peu anwachsendes Sammelsurium an verschiedenen Cloud-Services. Von Standards wie Mail, Kontakten oder Kalendern über iWork für iCloud bis hin zu iTunes Match und iCloud-Schlüsselbund reicht die Bandbreite. Doch irgend etwas fehlt Apples Cloud-Lösung: Der große Plan, in welche Richtung iCloud sich entwickeln soll bzw. wie die Dienste künftig besser ineinander greifen sollen. Warum lassen sich beispielsweise Dateien nur per App im iCloud-Speicher ablegen? Warum werden iOS- und Mac-Versionen von Apps zum Teil unterschiedlich angebunden (Fotos landen unter iOS in der „Fotos“-App, unter OS X in iPhoto und via iCloud sind Bilder gar nicht zugänglich, obwohl sie über den Fotostream abgeglichen werden).

Das Datencenter in Oregon.
Vergrößern Das Datencenter in Oregon.
© KTVZ

Die gute Nachricht ist, dass Apple in den vergangenen Monaten stark in den Ausbau seiner Server-Infrastruktur investiert hat. Investments, die nahelegen, dass Apple künftig weitere Funktionen zu iCloud hinzufügen könnte, beispielsweise einen frei synchronisierbaren Ordner wie Dropbox oder die gute alte iDisk.

Baustelle 5: Das Motto „Back to the Mac“

Mit OS X Lion hatte Apple damit begonnen, unter iOS eingeführte Features und Funktionen sukzessive auf den Mac zu bringen: iCloud, Facetime, Launchpad, Mitteilungszentrale und so weiter. Mit OS X Mavericks kamen noch iBooks und Karten hinzu. Neben den Design-Inkonsistenzen von Mavericks dürfte auch die Frage, welche iOS-Funktionen Ihren Weg ins neue OS X finden sollen, bei Apple diskutiert worden sein. Nach der Mitteilungszentrale könnte Apple beispielsweise die OS-X-Menüleiste und die Systemeinstellungen durch ein an OS X angepasstes Kontrollzentrum entrümpeln, in dem man beispielsweise die Steuerung von Netzwerkverbindungen, den iTunes Miniplayer, die Helligkeitsregelung und Einstellungen für externe Displays zusammenfassen könnte.

Das Lion-Motto wurde stetig weiterverfolgt.
Vergrößern Das Lion-Motto wurde stetig weiterverfolgt.
© Apple

Schon für OS X Mavericks war zudem von vielen Beobachtern – auch von uns – über Siri für OS X spekuliert worden (statt des vollwertigen Sprachassistenten gab es für Mavericks eine deutlich aufgebohrte Diktat-Funktion mit Offline-Modus). Es ist durchaus vorstellbar, dass Apple Siri in OS X integriert, die entscheidende Frage dabei ist aber: Welchen Mehrwert könnte Siri für Mac-Anwender haben? Welche Antwort Apple auf diese Frage hat, erfahren wir am kommenden Dienstag.

Viel interessanter – und auch wesentlich wahrscheinlicher – erscheint da schon die Option, drahtlos via Airdrop Daten zwischen iOS und OS X abgleichen zu können (bisher funktioniert Airdrop von Mac zu Mac bzw. von iOS-Gerät zu iOS-Gerät). Dieses potentielle neue Feature könnte Apple auch dazu dienen, die Hardware-Anforderungen, die der Mavericks-Nachfolger an Macs stellen wird, einzugrenzen, denn: Nicht alle Wifi-fähigen Macs verstehen sich auf Airdrop.

One last thing: Public Beta?

Mit Mavericks hatten unzählige User zu Beginn teils erhebliche Probleme mit Netzwerkverbindungen, externen Displays oder Mail – Probleme, die man bereits in der langen Beta-Phase durch eine größere Zahl an Software-Testern (die nicht wie Entwickler zuvorderst die Kompatibilität ihrer eigenen Apps im Blick haben, sondern als „normale“ Anwender mit der Beta umgehen) besser hätte adressieren können. Und: Für viele Nutzer wichtige Funktionen wie der lokale Sync wären durch zahlreiches Nutzerfeedback als Korrektiv vielleicht in der finalen Mavericks-Version enthalten gewesen. Mit der Einführung des Beta-Seed-Programms hat Apple den Grundstein für eine Public-Beta bereits gelegt, man muss es in Cupertino nur noch wagen. Nach dem Gratis-Schwenk vom Vorjahr könnte das ein echtes „next big thing“ werden!

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