Von Import Import - 24.01.2009, 00:00

Die fünfte Generation wird zur letzten

Die fünfte Generation wird zur letzten

Apple brachte 2003 aber auch neue Desktops heraus. Nach den kurz aufeinander folgenden Schritten der Jahre 1994, 1995, 1997 und 1999 war die fünfte Generation des PowerPC längst überfällig. Motorola war über die Jahre hinweg jedoch die Puste ausgegangen, Apple musste auf einen neuen, alten Partner zurückgreifen: IBM lieferte die G5-Chips. Der letzte Power Mac G4 rechnete in einem Takt von 1,42 MHz, die Modellfamilie "G4 MDD" (für mirrored drive doors) erwies sich als wahrer Brüller: Die Lüfter liefen oft und laut, selbst optimierte Kühlsysteme mussten viel kalte Luft in das Innere blasen, um die Wärme der Prozessoren abzutransportieren. Während Motorola über die Jahre hinweg die Taktraten nur noch mehr langsam steigern konnte, brauchte IBM eine Weile, um einen adäquaten Ersatz für die Velocity Engine, die Vektoreinheit des G4, zu bauen. Die meisten Applikationen arbeiteten problemlos mit der IBM-Lösung, nur Microsoft kam mit dem Windows-Emulator Virtual PC ins Schleudern. Die Software, kurz zuvor mit dem Hersteller Connectix übernommen, müsse man von Grund auf neu programmieren. Dazu kam es erst ein Jahr später, ein weiteres Jahr danach wirft Microsoft in puncto Windows-Emulation auf dem Mac das Handtuch. Der Intel-Switch war zuviel für Virtual PC.
Der Power Mac G5, von Apple zu Beginn der WWDC 2003 vorgestellt, war der erste Consumer-Rechner in 64-Bit-Architektur. Der Anwender merkte davon erst einmal recht wenig, außer er wollte 8 GB RAM einbauen, zu einem Preis, der den des Rechners beinahe überstiegen hätte. Zwar setzten einige Anwendungen Apples schon auf den breiteren Datenbus auf, das erste echte 64-Bit-Betriebssystem heißt aber Mac-OS X 10.5 Leopard und kam erst vier Jahre später. Dennoch konnte der G5 beeindrucken, mit seinem 1,0 GHz schnellen Frontsidebus und den bis zu 2,0 GHz schnellen Chips, von denen das Spitzenmodell gleich zwei bekam. Nur wenig später sollte Apple Dual-Core-Chips von IBM einbauen, der letzte G5 mit insgesamt vier Prozessorkernen von 2005 musste den Vergleich mit seinen Nachfolgern lange nicht scheuen.
Leider erwies sich der G5 für Apple als Sackgasse. Über mangelnde Abwärme musste der Rechner im eleganten und aufklappbaren Aluminiumgehäuse nicht klagen. Klug hatten die Ingenieure den Innenraum gestaltet, die Wärme führten insgesamt neun Lüfter ab, deren Surren gegenüber den Brüllrotoren der G4 MDD geradezu ein sanftes Säuseln war. Mit dazu beigetragen hat auch eine wartungsfreie Flüssigkeitskühlung, welche die Chips der Spitzenmodelle eingebaut hatten. Das Versprechen, binnen eines Jahres einen Power Mac G5 mit 3-GHz-Chip ausliefern zu können und damit im Gigahertzrennen wieder an Intel vorbeizuziehen, erfüllte sich nicht. Die Einsicht reifte jedoch in der gesamten Chip-Industrie: Statt immer höherer Taktraten setzt man nun auf immer mehr Prozessorkerne. Apples heutiges Desktop-Flaggschiff rechnet auch heute nur mit 3,2 GHz Taktrate, dafür aber mit acht Prozessorkernen. Das Hauptproblem des G5: Die Performance pro Watt, also die Rechenleistung in Verhältnis zur benötigten Energie, von der ein Großteil als Wärme entwich. Ein Powerbook G5 war nicht machbar und einen Mac Mini mit G5-Prozessor hätte man vielleicht zu Tisch als heißen Stein verwenden können.
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