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Die zweite Inkarnation des Internet

15.12.2005 | 13:40 Uhr |

Die Einen sehen im Begriff „Web 2.0“ lediglich ein Marketing-Schlagwort, die anderen legen genaue Kriterien fest, nachdem sich Services für die neue Auffassung des Internet qualifizieren. Alle sind sich jedoch darüber einig, dass sich das Internet organisch entwickelt und dabei traditionelle Geschäftsmodelle schwer in Frage stellt.

Web 2.0 Aufmacher
Vergrößern Web 2.0 Aufmacher

Das Platzen der Dot-Com-Blase im Jahr 2001 war das Beste, was dem jungen Internet passieren konnte, meint der Verleger Tim O’Reilly. „Marktbereinigungen scheinen typisch für technologische Revolutionen“. Übrig blieben dabei nur die Unternehmen, die tragfähige Geschäftsmodelle statt purem Hype zu bieten hätten. Auf den von Venture-Kapital getränkten Trümmern ist in den letzten vier Jahren etwas Neues entstanden, das in die Zukunft des Internets weist. „Web 2.0“ nannten O’Reilly, CEO des gleichnamigen Computerfachverlages und der für Online-Publishing und Entwicklung zuständige Vizepräsident des Unternehmens Dale Dougherty das Konzept.

Sieben Schlüssel für Web 2.0

An sieben Kriterien macht O’Reilly die zweite Inkarnation des Internet aus. Im Vordergrund steht der Service und nicht die vorgefertigte Software. Google lebt von direkter und indirekter Bezahlung der angebotenen Dienstleistungen. Netscape, das Paradeunternehmen des vergangen Web 1.0 erweiterte das Konzept des Computer-Desktops. Der Webtop bot dem Kunden jedoch wenig personalisierte Inhalte, während nun der Internetnutzer sich selbst Inhalte zusammenstellt, die ihn persönlich interessieren. Wikipedia oder Flickr stehen exemplarisch für das zweite und dritte Kriterium, der Kontrolle über Datenquellen, die mit der Menge ihrer Nutzer zuverlässiger werden und dem Vertrauen in Anwender als Co-Entwickler. Das Online-Lexikon wird prinzipiell besser, je mehr Internetnutzer es korrigieren und erweitern, der Fotosharingdienst Flickr hat mit dem Kollektiv seiner Anwender die Einordnung von Inhalten verändert. Die Vergabe von Schlagwörtern durch die User führt zu einer kollektiven Taxonomie, für das der Begriff Folksonomy geprägt wurde.

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