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Käufer an der Kette: Schluss mit Fairplay

17.09.2008 | 18:36 Uhr |

Noch einmal passieren darf das der Medienindustrie nicht: Um eine Vorherrschaft Apples oder eines anderen Anbieters zu verhindern, will sie ein neues Rechtemanagement für Videoinhalte einführen, das mehr Freiheiten einräumt und die Bezeichnung "DRM" folglich weit von sich weist. Wer online kauft, soll später die Wahl haben, wessen Gerät er fürs Abspielen verwenden will.

Als die Musikindustrie von Apple verlangte, online verkaufte Musik mit einem Kopierschutz zu versehen, konnte sie noch nicht ahnen, dass der Computerhersteller einmal ein gigantischer Musikanbieter werden würde und die Bindung zwischen iPod und der verkauften Musik zu einem Problem für Mitbewerber und Anwender. Die Filmindustrie ist da vorsichtiger.

Apples DRM für Musik, Video und Apps: Fairplay

Apple verkauft Filme mit dem gleichen Rechtemanagement (Fairplay), das auch einen Großteil der Musik vor der Weitergabe schützt, und bietet in den USA, in Kanada und England bereits ein attraktives Angebot, das stetig wächst und damit immer mehr Zuspruch findet. Zwar lassen sich diese Filme auf jedem Mac und auch jedem Windows-PC ansehen, auf dem iTunes installiert ist, mitnehmen aber kann man sie nur auf iPods und auf iPhones. Und auch die Wahl einer Set-top-Box für den Fernseher fällt iTunes Store-Kunden leicht: Sie können sich lediglich ein Apple TV kaufen, kein Gerät der Konkurrenz darf Apples DRM benutzen.

Käufer an der Kette

Einmal iPod, immer iPod - nicht zu unrecht fühlen sich viele Kunden durch DRM-geschützte Musik bevormundet. Werden sie die gekauften Titel auch in 10 Jahren noch abspielen können? Das bleibt zu hoffen. Allerdings könnten sie auch in 30 Jahren noch immer einen Player der Marke Apple benutzen müssen, um ihre Musik anzuhören. Wenn es bis dahin Apple noch gibt und die Musik nicht direkt aus dem Hypernet ins Gehirn strömt. Heute jedenfalls gilt: Mit jedem Song, den Apple im iTunes Store kauft, baut der Marktführer seine Stellung weiter aus.

Apple und Disney im Abseits

Damit dies im Videobereich nicht passiert, haben sich die Filmstudios Sony Pictures, Fox, Lionsgate, NBC Universal, Paramount und Warner mit Hard- und Softwareherstellern zusammen getan. Dazu gehören Microsoft und VeriSign, Intel, Cisco, HP, Philips und Toshiba, Alcatel-Lucent und die amerikanische Elektronikhandelskette Best Buy - Apple ist nicht mit von der Partie und das befreundete Filmstudio Walt Disney ebenfalls nicht, dessen größter Aktionär Steve Jobs heißt. Die neue Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, eine Online-Plattform für Videos zu entwickeln, die plattformübergreifend ist und ein Rechtemanagement bietet, das einen Anbieterwechsel nicht mehr ausschließt: das Digital Entertainment Content Ecosystem (DECE).

DECE: Brennen, streamen, Hardware wechseln

Solange ein Gerät auf den Namen des Käufers registriert ist, soll er auch die von ihm im Internet gekauften Titel abspielen können. Das ist aber nur eine der Änderungen, die DECE einführt. Für mehr Akzeptanz beim Kunden soll zudem sorgen, dass sich DECE-geschützte Videos unbegrenzt auf DVDs brennen und streamen lassen. Hersteller dürfte die Ankündigung locken, dass DECE ein "offener Standard" werden soll, was auch immer das genau bedeuten mag. Sowohl die Online-Anbieter der Medien als auch die Hersteller DECE-kompatibler Geräte müssen sich allerdings zertifizieren lassen - vom Preis und den Voraussetzungen für dieses Verfahren dürfte abhängen, wie breit die Unterstützung für das System sein wird. Im Januar 2009 sollen auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas die Details bekannt gegeben werden, voraussichtlich kurz vor der Apple Expo in San Francisco.

 

Apple wird dann die Chance haben, sich den Herausforderungen durch DECE zu stellen. Wenn es um Apples DRM Fairplay oder um DECE geht, dürfte Anwendern die Wahl nämlich leicht fallen - zu Ungunsten des iTunes Store. Bild: shaycam, "Big Chain". Some rights reserved. Flickr

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