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Magazin-Abos auf dem iPad: Apple macht Verlegern Schwierigkeiten

29.07.2010 | 06:58 Uhr |

Das iPad haben Verleger weltweit als Chance für den digitalen Vertrieb ihrer Publikationen euphorisch begrüßt. Die Sache erweist sich jedoch als schwieriger als gedacht.

Schon vor dem offiziellen Debut des Apple-Tablets hatte der Time-Verlag demonstriert, wie das Magazin Sport Illustrated dank iPad im 21. Jahrhundert ankommt. Mittlerweile sind die Verlagsmanager auf Apple nicht mehr gut zu sprechen, berichtet Peter Kafka für die Website All Things Digital , die wie das Wall Street Journal zu Rupert Murdochs News Corp. gehört. Der Grund: Apple habe es bisher nicht zugelassen, dass Time über die App der Sports Illustrated oder seiner anderen Publikationen Abos verkauft. Time wollte die App über den App Store regulär anbieten, das Abo sollten Anwender jedoch direkt bei Time bestellen. Die App wies Apple jedoch im letzten Moment zurück, worauf Verantwortliche bei Time mit einem Komplettrückzug aus dem App Store geliebäugelt hätten. Die Alternative zur Abo-App wäre, jedes Magazin als einzelne App zu verkaufen, Apple würde dabei auch jedes Mal 30 Prozent des Verkaufspreises als Provision kassieren.

Laut Kafka hätte Apple dem Time-Verlag keine ausreichende Antwort gegeben, die damit betrauten Manager erklärten sich die Ablehnung der Abo-App nur mit zwei Theorien: Apple sei besorgt über die Kundendaten, die Verleger mit dem Abo erheben oder - etwas kruder gedacht - selbst derart von Abo-Modellen für iPad-Magazine begeistert, dass der Mac-Hersteller mitkassieren wolle. In der Tat sei es auch noch keinem anderen Verleger gelungen, eine Abo-App anzubieten. Apple hat seit der Vorstellung des iPad Verleger stets ermuntert, Magazine für das Tablet zu entwickeln. Offiziell äußert Time jedoch nur: "Wir arbeiten mit einer Menge an Partnern und potentiellen Partnern zusammen und hoffen, noch in diesem Jahr In-App-Abos anbieten zu können."

Apple äußert sich laut Kafka nur in PR-Plattitüden: "Wir haben zwei Plattformen, die für alle Arten von Apps, auch Magazinen, anbieten: HTML 5 bietet Entwicklern eine offene Plattform, um was auch immer sie wollen anzubieten, der App Store hingegen ist die Plattform mit dem größten Angebot an mobilen Apps, mit nun über 225.000 Apps und 5 Milliarden Downloads."

Einigen ausgewählten App-Anbietern erlaubt Apple jedoch die direkte Bezahlung, führt Kafka weiter aus. Dazu gehören unter anderem Amazon - das auch an einem Abo-Modell für seinen Kindle-Store interessiert sein könnte - und das Wall Street Journal.

Der Verlag Hearst Magazines hingegen will sich Apples Diktum fügen: Für seine Magazine Oprah und Esquire will Hearst kein Abo anbieten, sondern mehrere Magazine im Paket verkaufen - der 30-prozentige Anteil und die Käuferdaten verbleiben bei Apple. Dabei hoffe der Verlag darauf, dass Konkurrenz das Geschäft belebe. Sobald auch Google Magazine als Apps verkaufe, könne Apple einlenken, hofft der Vize-Präsident des Verlages Bob Sauerberg.

Konkretes zu den Plänen von Condé Nast konnte Kafka nicht recherchieren, allenfalls, dass man auch Abos anbieten wolle. Ein Manager des Verlages habe auf Kafkas Nachfragen nur geantwortet: "Hör’ mir auf mit dem Zeug."

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