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Bitcoin: So funktioniert die virtuelle Währung

30.04.2013 | 14:28 Uhr |

Eine Spekulationsblase hat zuletzt den Kurs der virtuellen Währung Bitcoin auf Achterbahnfahrt geschickt. Wie funktioniert die dezentral erzeugte Währung und was kann man damit bezahlen?

Anfang April dehnte sich die Blase aus, um wieder zusammen zu fallen: Die virtuelle Währung Bitcoin war an einem Tag kurzfristig 266 US-Dollar wert, um nach einer DDos-Attacke auf die Börse Mt. Gox kurzfristig 60 Prozent zu verlieren. Bis Ende April hat Bitcoin jedoch wieder zulegen können, am 30. April gegen Mittag notierte bitcoin.de einen Kurs von 145 US-Dollar oder 107 Euro. Insgesamt geht der Kurs der Bitcoin jedoch steil nach oben, im April 2012 war eine Bitcoin noch fünf US-Dollar wert. In Zeiten der Finanzkrise verlieren anscheinend immer mehr Anleger das Vertrauen in echte Währungen, der Goldkurs ist zuletzt auch stark gefallen und AAPL nur noch knapp die Hälfte wert als im September 2012.

Vor kurzem nur wenigen Experten bekannt, kommt die Bitcoin immer mehr in der Öffentlichkeit an: Nicht nur im Internet kann per Bitcoin bezahlt werden, wie etwa bei Kim Dotcoms Cloud-Service Mega , sondern auch in der realen Welt nehmen erste Geschäfte Zahlungen per Bitcoin entgegen. Klar, dass auch der Fiskus aufmerksam wird: Wie ZDNet berichtet, plant Kanada bereits eine Steuer auf mit Bitcoins erzielten Gewinnen. Diese dürfte aber schwer einzutreiben sein, da die Zahlungen in der Regel anonym abgewickelt werden. Online-Shops und reale Läden bekommen mit der Bitcoin einen anderen Nachteil - die Zahlungen können bis zu eine Stunde dauern. Nicht zuletzt wird das Erzeugen einer Bitcoin immer aufwändiger und irgendwann komplett unmöglich - schon jetzt übersteigt der Energieeinsatz bei der Berechnung einer neuen Bitcoin deren Wert erheblich. Im Folgenden erklären wir, woher Bitcoin kommt und wie das Prinzip funktioniert.

Die Idee der digitalen Währung, die keine Zentralbank kontrollieren kann, hat der japanische Wissenschaftler Satoshi Nakamoto aufgebracht. Er hat auch den ersten Bitcoin-Client programmiert. Seit 2007 ist die Seite bitcoin.org online, richtig Schwung hat die Idee Ende 2010, Anfang 2011 bekommen.

Bitcoin ist eine reine Peer-to-Peer-Version der digitalen Zahlungsmittel. Die Grundidee besteht darin, die Transaktionen im Internet direkt und ohne Geldinstitutionen abwickeln zu lassen. Die Schwachstelle der existierenden Online-Zahlungsmethoden besteht in Vertrauen als moralischer Größe, das missbraucht werden kann. Um solchen Missbrauch zu vermeiden, einigen sich der Sender und Empfänger auf einen Mediator, dem sie vertrauen können. Bitcoin ersetzt diese Vertrauensinstitution durch ein asymmetrisches kryptographisches Verfahren, das zwischen zwei Parteien ohne Mediator stattfindet und den Vollzug einer Transaktion gewährleistet.

Emission und Belohnung

Da das Bitcoin-Netz völlig dezentralisiert ist, gibt es keine Instanz, die neue Münzen in den Umlauf bringt, die Teilnehmer des Bitcoin-Netzes generieren die digitalen Münzen selbst, indem sie ihre Rechner (oder vielmehr deren Grafikkarten mit ihren vielen Prozessorkernen) kryptographische Aufgaben lösen lassen. Eine Bitcoin entsteht, sobald die Berechnung für einen neuen Transaktions-Block abgeschlossen ist. Der Inhaber des neuen Blocks bekommt dafür derzeit 50 Bitcoin. Jede Münze bekommt einen individuellen Schlüssel und kann sofort für die neuen Transaktionen verwendet werden. Der Wert der Bitcoin ergibt sich also aus den realen Gütern wie CPU/GPU-Auslastung für die Berechnung und die Elektrizität dafür. Die Entwickler des Bitcoin-Netzes haben ein Emissions-Modell im Netz implementiert, das die Schwierigkeit der Errechnung regelt und damit die Rate der Münzerzeugung. Im Idealfall wird alle zehn Minuten ein neuer Block errechnet und so neue Münzen in den Umlauf gebracht.

Der Schwierigkeitsgrad für die Berechnung des Prüfwertes und die Menge neuer Münzen ändert sich, sobald im Netzwerk zu wenige oder zu viele neue Blöcke errechnet werden. Im Mittel wird die Schwierigkeit der kryptographischen Aufgaben aber immer höher, so dass mit steigender Leistungsfähigkeit der beteiligten Rechner diese nicht immer flotter Bitcoin errechnen. Denn die Zahl der Bitcoin-Münzen ist per Definition auf 21 Millionen begrenzt und soll bis 2033 erreicht werden. So wie bis in die siebziger Jahre der Kurs des US-Dollars an den Wert der Goldreserven der US-Zentralbank gekoppelt war, wird also immer eine Relation des Bitcoin-Kurses zum Wert der Gesamtmenge bestehen. Hier setzt auch die Kritik an: Geldpolitik durch Steuerung der Geldmenge ist nicht möglich. Zwar ließe sich theoretisch die im Bitcoin-Client hinterlegte Gesamtzahl der Bitcoin oder ihre Erzeugungsrate ändern, doch müssten sich alle Teilnehmer des Bitcoin-Netzes auf einen gemeinsamen Wert einigen - eine Unmöglichkeit dritten Grades.

Zur Realwirtschaft gibt es jedoch Verbindungen, Börsen wie mtgox tauschen reale US-Dollar gegen virtuelle Bitcoin um.

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