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Disney lehnt Comcast-Angebot ab

17.02.2004 | 10:27 Uhr |

Nach rund einer Woche Bedenkzeit hat sich der Verwaltungsrat des US-Unterhaltungskonzerns Walt Disney zum Übernahmeangebot des US-Kabelnetzbetreibers Comcast geäußert und dieses einstimmig abgelehnt.

Der gebotene Preis von 54 Milliarden US-Dollar sei von Beginn an zu niedrig gewesen, teilte der Verwaltungsrat am Dienstag in San Francisco mit. Zudem sprach der Verwaltungsrat dem in der Kritik stehenden Disney-Chef Michael Eisner das Vertrauen aus. Comcast bekräftigte unterdessen, mit Blick auf die Aussichten und den bisherigen Disney-Geschäftsverlauf sei die Offerte angemessen.
Bereits am Tag des Übernahmeangebots habe der offerierte Gesamtpreis rund 6,6 Milliarden oder 3,24 US-Dollar je Aktie unter dem Disney-Niveau gelegen, hieß es in der Stellungnahme des Disney-Konzerns weiter. Inzwischen sei diese Diskrepanz auf 3,60 US-Dollar je Titel angewachsen. Die Stellungnahme ließ allerdings offen, ob ein höheres Angebot angenommen werden könnte. Das Ziel sei es, "shareholder value" zu schaffen, jetzt und in der Zukunft, und der Verwaltungsrat werde jedes legitime Angebot sorgsam prüfen, das diesem Ziel diene, hieß es weiter in der Mitteilung. Bei jedem Angebot von Comcast oder eines anderen Unternehmens werde genau untersucht, ob die Prämie den "vollen Wert" von Disney widerspiegele.

Das überraschende Kaufangebot des größten amerikanischen Kabelnetzbetreibers Comcast für den traditionsreichen Medien- und Unterhaltungsriesen Walt Disney hatte an der Wall Street Spekulationen über potenzielle andere Interessenten aufkommen lassen. Die Disney-Aktien sind zwar seit vergangenem Jahr kräftig gestiegen, doch liegen sie momentan nicht höher als vor sechs Jahren. Das "Wall Street Journal" nannte in seiner Onlineausgabe am vergangenen Donnerstag die InteractiveCorp, Viacom Time Warner und selbst Microsoft als potenzielle Interessenten. Der australische Medienmogul Rupert Murdoch mit seinem internationalen Medienkonzern News Corp. hat allerdings bereits dankend abgewunken.
Denkbar wäre nach Darstellung der Zeitung ein gemeinsames Angebot von John Malone mit seinem Medienkonzern Liberty Media und von Barry Diller mit seiner InterActiveCorp. Diller stehe Disney-Chef Michael Eisner nahe und könnte als "Weißer Ritter" zu Hilfe eilen. Beide Investoren hätten die Masse und das Geld, um Disney kaufen zu können. Die Firmen nahmen zu den Spekulationen keine Stellung. Eine potenzielle Offerte von Microsoft wäre nach Darstellung der Zeitung ein Schock. Microsoft hat mehr als 50 Milliarden Dollar in der Kasse und ist an Unterhaltung interessiert.

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