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Google, Facebook, Trump, Gates: Wer zu Apple hält und wer für das FBI ist

01.03.2016 | 17:02 Uhr |

Der mutmaßliche republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump schießt sich auf Apple ein. Apples juristische Gegenwehr gegen eine gerichtliche Aufforderung zur Unterstützung des FBI in Sachen Backdoor nimmt der Milliardär dem Konzern übel. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates bezieht Partei gegen Apple, Facbook und Google verteidigen den iPhone-Hersteller. Doch auch die öffentliche Meinung richtet sich gegen Verteidiger des Datenschutzes. Bill Gates argumentiert ebenfalls für das FBI: Apple hat nicht nur Unterstützer - aber auch solche von unerwarteter Seite. Andere wiederum fordern Kompromisse, die hier wohl nur schwer zu erreichen sind.

Update, 01.03.: In der hitzigen Diskussion um die Entschlüsselung des San-Bernardino-iPhones meldet sich ein Ehemann von einem der Opfer, welches nur knapp das Attentat überleben konnte.

Lesen Sie hier alles über die komplette Entwicklung des Falls Apple vs. FBI

In einem an den Richter Sheri Pym adressierten Brief erklärte Salihin Kondoker, dessen Ehefrau Anies Kondoker bei dem Attentat schwer verletzt wurde, dass er in dem Fall auf der Seite von Apple stehe. „Als ich zuerst von Apples Einstellung erfahren habe, war ich frustriert, dass es sich dabei um eine weitere Hürde handelt. Als ich aber mehr über den Fall las, habe ich allerdings verstanden, dass die Software, welche die Regierung von Apple verlangt, gegen Millionen unschuldiger Menschen eingesetzt werden kann“, schrieb Kondoker.

Darüber hinaus hält er es für unwahrscheinlich, dass sich wertvolle Informationen auf dem iPhone des Attentäters befinden, berichtet Buzzfeed , die den Brief von Kondoker veröffentlicht haben.

„Dies war ein Arbeits-Telefon. Meine Frau hatte auch ein iPhone, welches von dem Landkreis ausgegeben wurde und sie hat es für keine persönliche Kommunikation benutzt. San Bernardino ist eines der größten Landkreise in diesem Staat. Die können das Handy mit GPS lokalisieren, wenn sie herausfinden wollten, wo sich die Personen aufhielten. Auch der iCloud-Account [...] wurde von dem Landkreis kontrolliert, sodass sie alle Kommunikationswege überwachen konnten. Meine Frau und andere Mitarbeiter wussten um diese Bedingungen Bescheid.“

Kondoker stellt außerdem in Frage, weshalb jemand wichtige Informationen bezüglich des Attentats auf einem Telefon speichern sollte, von dem man weiß, dass es vom Staat legal überwacht werden kann. „Die haben ihre persönlichen Telefone nach dem Attentat zerstört. Und ich glaube, dass sie das aus einem bestimmten Grund getan haben. [...] Ich unterstütze Apple und die Entscheidungen, die sie getroffen haben.“

Update, 26.2.: Nun hat sich auch Microsoft im Fall Apple vs. FBI zu Wort gemeldet und widerspricht seinem Gründer Bill Gates, indem es die Position Apples stützt. Schon nächste Woche werde das Unternehmen seinen Standpunkt auf Seiten Apples dem zuständigen Gericht schriftlich mitteilen, kündigt Microsofts Rechtsvorstand Brad Smith an . Redmond reiht sich damit zu Google und Facebook ein, die Apples Argumentation ebenfalls zustimmen. Wie Apple - und auch das FBI - sieht Smith keinen Einzelfall, jeder Fall habe Auswirkungen auf andere, erklärte er in einer Kongressanhörung .

Apple fürchtet zurecht um das Image seiner Marke und die Sicherheit seines iPhones, doch hat diese Position ihre Gegner und zeigt erste Auswirkungen für das Geschäft, wenn auch zunächst nur marginale. Bill Montgomery, Generalstaatsanwalt des Maricopa Countyim US Bundesstaat Arizona hat jedenfalls angekündigt , seine Behörde nun nicht mehr mit iPhones auszustatten. Er sehe Apple sich auf die Seite der Terroristen und nicht der der öffentlichen Sicherheit schlagen, daher die Entscheidung. Apple wird das verschmerzen können und die Staatsanwaltschaft bestimmt ein System finden, das löchrig genug ist, um jedermann jederzeit Zugriff zu gewähren.

Update, 25.2.: Weltweit demonstrieren Bürgerrechtler gegen die Anordnung des Gerichts, wonach Apple dem FBI ein "GovtOS" programmieren soll. Auch in München gingen Aktivisten auf die Straße, passenderweise zogen sie vom Rindermarkt zum Apple Store in der Rosenstraße. Aufgerufen dazu hatte dazu ein Bündnis von Piraten-Partei und FDP. Die Resonanz war aber überschaubar : Am Mittwoch Abend hatten sich nur rund ein Dutzend Demonstranten versammelt.

Update, 24.2.: Unterstützung bekommt Tim Cook in seiner Argumentation von ungewöhnlicher Seite, vom ehemaligen Chef der National Security Agency (NAS) Michael Hayden. Gegenüber USA Today betont er zwar, Apple solle im konkreten Fall bei der Entsperrung des iPhone 5C helfen, glaube aber nicht den Beteuerungen des FBI-Chefs James Comey, der in einem Bittbrief an Apple behauptet hatte, keine generelle Hintertür in iPhones zu wünschen. "Jim möchte eine Hintertür in allen Geräten weltweit, die amerikanischen Ermittlern offen stehen," behauptet Hayden und dies lehne er ab. Apple müsse allerdings den Beweis erbringen, dass das Entsperren des konkreten iPhone 5C tatsächlich diese Backdoor öffnen würde.

Der kalifornische Abgeordnete der Demokratischen Partei Ted Lieu springt Apple nun auch mit technischen Argumenten bei und fordert FBI-Chef Comey dazu auf, die Anordnung zurück zu ziehen. Als studierter Computerwissenschaftler habe er schon weitreichende unbeabsichtigte Konsequenzen in Fällen gesehen, in denen "die Regierung altmodische Konzepte auf unsere sich schnell ändernde Welt der Technologie" anwandte. Lieu warnte in vor einer "Flut" von vergleichbaren Anordnungen, Smartphones zu entschlüsseln.

Aus der IT-Wirtschaft hat Apple in den letzten Tagen in der Regel Unterstützung erfahren, lediglich der Microsoft-Gründer und ehemalige CEO und Chairman des Softwareherstellers Bill Gates argumentierte zu Gunsten des FBI. Nun meldete sich auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona auch der CEO des Netzwerkausrüsters Cisco, Chuck Robbins, zu Wort und klingt dabei ähnlich wie Gates (siehe Update vom 23.2.). Zwar spricht sich Robbins gegen Hintertüren aus, schlägt Apple aber einen Kompromiss mit dem FBI im San-Bernardino-Fall vor: "Es muss sich ein Gleichgewicht einstellen", zwischen Datenschutz und den Anliegen der Strafverfolger. Cisco kann sich laut Robbins die Diskussion von außen ansehen, da die Kunden des Unternehmens selbst entscheiden würden, wo und wann sie Verschlüsselungstechniken einsetzten.

Egal, wie der Disput mit den Behörden schlussendlich ausgehen und das Oberste Gericht entscheiden wird, Tim Cooks offener Brief hat bereits jetzt Spuren im Geschäft Apples hinterlassen, meint Neil Cybart auf seinem Blog Above Avalon . Zur Apple-Erfahrung käme eine wesentliche Note hinzu, die Betonung der Datensicherheit. Damit wolle Apple die persönliche Freiheit seiner Kunden schützen. Tim Cooks Vermächtnis könnte es dereinst sein, diese Werte der Apple-Erfahrung hinzugefügt zu haben.

Update, 23.2.: Weit weniger poltrig als Donald Trump oder manche US-Politiker (siehe Update vom 22.2.) meldet sich der Microsoft-Gründer Bill Gates zu Wort, schlägt sich aber in der Diskussion ebenso auf die Seite des FBI. Wie Gates der Financial Times erklärt , sieht er den Einzelfall im Vordergrund. Aus seiner Sicht gehe es eben nicht um einen Generalschlüssel für die Behörden, die damit Millionen von iPhones aufsperren könnten. Im Gegenteil verhalte es sich eher so wie bei einem Telefonprovider, der auf richterliche Anordnung Verbindungsdaten offen legen müsste, oder wie bei einer Bank, die ebensolches mit Bankdaten erledigen müsste. Die öffentliche Meinung scheint in der Tat eher der Argumentation des FBI zu folgen als der Apples, hat das Pew Research Center in einer Umfrage ermittel t.

Apple muss bis zum Freitag dieser Woche juristisch auf die Gerichtsanordnung von letzter Woche reagieren, die dem Hersteller das Programmieren einer Hintertür für iOS befiehlt. Es ist nicht zu erwarten, dass Apple diese Frist verstreichen lassen wird, zu sehr strengt sich der Mac-Hersteller an, seine Argumente hervorzubringen und zu verteidigen. Seit gestern Nachmittag unserer Zeit steht auf Apples Website eine kurze FAQ , die nochmals erklärend zusammenfasst, warum Apple dem FBI in diesem Fall die Unterstützung verweigert. Die Argumente sind nicht neu, Apple bestätigt aber auch, die Strafverfolger hätten einen Weg zu den nun verschlossenen Daten finden können , hätten sich diesen aber selbst verbaut. Die FAQ schließt mit einem Appell, gemeinsam einen neuen Weg zu mehr Sicherheit bei bleibender Freiheit zu suchen, nachdem die Regierung die auf den All Wrists Act von 1789 basierende Anordnung zurück gezogen haben wird.

Update, 22.2 .: Die Präsidentschaftskandidatur scheint dem Milliardär Donald Trump kaum noch zu nehmen sein, umso ernster muss man seine Aussagen im Falle FBI vs. Apple nehmen. Nachdem Trump schon letzte Woche klar gegen Apples Weigerung, für das FBI eine Backdoor zu programmieren, Stellung bezog, legte er am Wochenende nach und fordert zu Boykott-Maßnahmen gegen den iPhone-Hersteller auf. Bei einer Wahlveranstaltung in South Carolina forderte Trump auf, einen Boykott so lange aufrecht zu erhalten, bis Apple seine Einstellung ändere. Er selbst werde nur noch sein Samsung-Smartphone verwenden - das interessanter Weise weder in den USA hergestellt noch konzipiert wurde. 

Und Google, Hersteller des quelloffenen Betriebssystems Android, hat sich in der Diskussion um die geforderte Backdoor auf Seiten Apples gestellt. Bereits am Donnerstag twitterte dessen CIO Sundar Pichai, dass der Zwang an Unternehmen, sich selbst zu hacken, die Privatsphäre der Anwender gefährden würde. Weitere Unterstützung bekommt Tim Cook von Twitter-CEO Jack Dorsey, auch Facebook hat gegenüber USA Today zu Wort gemeldet und der Schwächung von Sicherheitsstandards eine Absage erteilt. Apple-Mitbegründer Steve Wozniak stimmt in den Chor ein und lehnt im Interview mit CNBC den Gerichtsbeschluss ab . Sollte Apple Hintertüren programmieren müssen, würde das dem Vertrauen in die Marke Apple massiv schaden. Unterstützung bekunden auch andere Branchengrößen, wie etwa der Whats-App-CEO Jan Koum und der Unternehmer Mark Cuban , der meint, Apple würde genau das richtige tun.

Den Mund reichlich voll nimmt hingegen der Software-Unternehmer John McAfee, der ebenso wie Donald Trump US-Präsident werden will, aber als unabhängiger Kandidat praktisch chancenlos ist. McAfee hat sogar via Business Insider angeboten , binnen drei Wochen mit Hilfe seiner Mitarbeiter das iPhone 5C zu knacken. Trump indes ist im Vorwahlkampf schon einmal mit einer Tirade gegen Apple aufgefallen, als US-Präsident wolle er das Unternehmen dazu zwingen, fortan nur noch in den USA zu produzieren - was in die gleiche Kerbe haut wie seine Vorschläge zur Mauer an der mexikanischen Grenze und dem Einreiseverbot für alle Muslime.

Gegenwind erhält  Apple aber nicht nur von Trump, sondern auch von anderen Politiker. Der republikanische Senator aus Arizona Tom Cotton etwa vertritt die Auffassung, Apple würde den "Schutz der Privatsphäre eines toten ISIS-Terroristen über die Sicherheit der US-Bürger" stellen. Etwas zurückhaltender äußert sich Trumps Konkurrent im Vorwahlkampf Marco Rubio. Dieser ist zwar auch der Ansicht, dass Apple der Aufforderung des Gerichts nachkommen sollte, sieht aber ebenso die Gefahr, dass Kriminelle diese Lücke ausnutzen könnten. Rubio plädiert für einen starken Datenschutz, will aber mit der IT-Industrie Wege ausloten, dass Strafverfolgungsbehörden doch Zugriff auf verschlüsselte Daten erhalten sollten - ein Widerspruch in sich. Aber auch  Politiker der Demokratischen Partei ergreifen Partei gegen Apple. So fordert die Senatorin aus Kalifornien Dianne Feinstein konkret, Apple solle im Fall des iPhone 5C dem FBI helfen, zumal es ohnehin dem San Bernadino County gehöre - dem Arbeitgeber des erschossenen Attentäters. Zur Not müssten die Gesetzte geändert werden, um Apple dazu zwingen zu können. Man könne es nicht riskieren, dass selbst nach einem ordentlichen Gerichtsbeschluss die Behörden machtlos werden, an Daten heran zu kommen. Auf der anderen Seite lehnt der Kongressabgeordnete Ted Lieu (ebenfalls Demokrat aus Kalifornien) ab, dass Apple dem FBI helfe. Private Unternehmen dürften nicht zum verlängerten Arm des Gesetzes werden, sondern müssten ihre Unabhängigkeit wahren. (pm)

Original vom 18.2 .: Im Fall des getöteten Terroristen in San Bernardino war das FBI bisher noch nicht in der Lage, das iPhones des Attentäters zu entsperren. Apple weigert sich trotz gerichtlicher Anordnung, dem FBI diesbezüglich zu helfen. Auf Apples Seite meldete sich Tim Cook nur wenige Stunden nach dem Gerichtsbeschluss: „Was das FBI von uns will, ist eine Abwandlung von iOS, die jegliche Sicherheitsmaßnahmen des normalen Systems umgehen kann. Diese sollen wir auf dem iPhone installieren, das während der Ermittlungen bei dem Täter gefunden worden war. In den falschen Händen kann diese Software, die momentan och nicht existiert, den Zugang zu jedem beliebigen iPhone gewähren, zu dem physischer Zugang besteht. Das FBI kann für die Beschreibung andere Worte nutzen, aber seid sicher: Eine iOS-Version, die die Sicherheitsmaßnahmen eines iPhones aushebeln kann, wird einer Hintertür schaffen. Und während die Behörden versichern, dass sie die Software nur in diesem einzelnen Fall nutzen werden, gibt es keine Möglichkeit, den Einsatz dieser Software zu kontrollieren.“

Kommentar: Apple trotzt dem FBI und das ist gut so!

Diese Entscheidung wird nun auch in der Politik diskutiert. Während viele den Datenschutz und die Verweigerung einer sogenannten iPhone-Backdoor von Apple befürworten, sieht der Republikaner Donald Trump dies ganz anders. In einem Interview mit Fox News sagte er: „Allein die Vorstellung, dass Apple uns verweigern will, an die Daten des Telefons zu gelangen. Was glauben die, wer die sind? Nein, wir müssen das Handy entsperren.“

Hier im Video die Aussage ab 7:50:

Dabei kann von Kooperationsverweigerung nicht die Rede sein, schließlich hat Apple nach einem richterlichen Beschluss bereits iCloud-Daten herausgegeben. Den jetzigen Forderungen wolle Apple jedoch nicht nachkommen, da die Regierung von Apple fordere, „ unsere eigenen Nutzer zu hacken und Dekaden von Sicherheitsfortschritt zu unterminieren. “ (sl)

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