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Doppelte Leistung: Neue G3-Powerbooks

07.05.1998 | 00:00 Uhr |

"Das Produkt ist absolut sexy!" Mit diesen Worten stellte der zuständige Manager das jüngste Produkt aus dem Hause Apple vor, das, lange angekündigt, nun auf den Markt kommt. Unter dem Namen Wallstreet entwickelt, bringt Apple eine neue Powerbook-Produktlinie heraus, die es tatsächlich in sich hat: Ein neues Gehäuse-Design und technische Innereien, die bisher in Laptops ihresgleichen suchten, machen aus den Tragbaren echte Kraftbücher.
Zum ersten Mal erreichen mit den neuen Wallstreet-Modellen Powerbooks die Leistung von Desktop-Rechnern. Das von uns getestete Vorab-Modell mit 250-MHz-Prozessor beispielsweise (ein ausführlicher Bericht ist in der Macwelt 6/98 zu finden) ist etwa so schnell wie ein Power Mac mit G3-Prozessor, und das nicht nur in der Prozessor- sondern auch in der Grafikleistung, bisher immer eine Schwachstelle der Portablen. Die gute Leistung hat allerdings ihren Preis: 5800 Mark unverbindliche Preisempfehlung lautet der Einstiegspreis für ein 233-MHz-Modell, 8000 Mark kostet das Mittelklassemodell und mit satten 13 500 Mark schlägt das Topmodell zu Buche. Dennoch sind Ausstattung und Preise vergleichbar mit Mobilrechnern aus dem Wintel-Lager.

Großzügige Ausstattung

Das Powerbook wird in drei verschiedenen Taktraten mit 233 MHz, 250 MHz und 292 MHz und in jeweils zwei verschiedenen Konfigurationen angeboten. Die 233-MHz-Variante ist lediglich ohne Backside-Cache erhältlich. Dieser Level-2-Cache läßt sich auch nicht nachrüsten. Die Modelle mit 250 MHz und 292 MHz besitzen einen 1024 KB großen Backside-Cache, der mit der halben Prozessorgeschwindigkeit angesprochen wird. Bemerkenswert ist die hohe Taktung des Systembusses. Während die 233-MHz-Modelle mit 66,7 MHz Bustakt arbeiten, ist der Systembus bei allen anderen Modellen mit 83 MHz getaktet - höher als bei sämtlichen derzeit erhältlichen Apple-Desktop-Modellen.
Während die 233-MHz-Modelle mit einer 2-GB-Festplatte ausgestattet sind, werden bei den 250-MHz-Modellen 4 GB und bei den 292-MHz-Versionen 8 GB große Festplatten verwendet. Alle Wallstreet-Powerbooks kommen mit einem 20fach-Speed-CD-Laufwerk. Dieses Laufwerk ist zwar sehr schnell, erzeugt auf unserem Vorserienmodell jedoch unangenehm starke Vibrationen, die durch die hohe Umdrehungsgeschwindigkeit verursacht werden. Leider ist nicht zu erwarten, daß sich daran bei den finalen Geräten etwas ändert.
Bis auf das kleinste Modell sind die Powerbooks mit einem aktiven TFT-Display ausgestattet. Das Kleinste hat ein 12,1 Zoll großes passives STN-Display, schafft 800 mal 600 Pixel Auflösung bei Echtfarbe und verfügt über 2 MB Videospeicher. Alle anderen Modelle verwenden 4 MB Videospeicher und bieten eine Displayauflösung von 1024 mal 768 Pixel bei Millionen Farben. Die beiden Spitzenmodelle mit 292 MHz besitzen ein 14,1 Zoll großes Display, sämtliche anderen Powerbooks werden mit aktivem TFT-Display im 13,3-Zoll-Format ausgeliefert. Die maximale Auflösung der externen Grafikschnittstelle beträgt bei jedem Modell 1280 mal 1024 Pixel.

Grundausstattung

Die neuen Powerbooks gibt es vom Einsteigergerät bis zum Highend-Modell im gleichen Gehäuse. Lediglich die Ausstattung unterscheidet sich bei den einzelnen Modellen. Alle Powerbooks haben jedoch eine Grundausstattung, die bei bisherigen Portablen nicht selbstverständlich war: So ist jedes Modell mit dem bisher nur für Windows erhältlichen und etwa 1300 Mark teuren Programm Super Office ausgestattet. Super Office verwaltet Kontaktadressen, Termine, Dokumente und Aktivitäten zentral im Netzwerk.
In bezug auf die Hardware hat Apple ebenfalls einiges getan: So hat jedes Modell einen VGA-Anschluß für Monitore. Bis auf das kleinste Modell ist bei den Powerbooks ein S-VHS-Anschluß eingebaut, mit dem sich das Videosignal direkt auf einen Fernseher ausgeben läßt. Natürlich kann jedes Powerbook eine kombinierte serielle Modem- und Druckerschnittstelle, einen SCSI-Anschluß, eine 3,5-Millimeter-Klinken-Buchse für Lautsprecher und eine ADB-Schnittstelle aufweisen. Zudem gehört nun eine 10BaseT-Ethernet-Schnittstelle zur Grundausstattung. Kabelsalat verhindert eine Irda-kompatible Infrarotschnittstelle mit Übertragungsraten von bis zu 4 Megabit pro Sekunde. Bei den "großen" Konfigurationen mit 250 MHz und 292 MHz ist noch ein 56-Kbps-Modem eingebaut.

Testergebnisse

Zu Testzwecken stand uns lediglich ein Vorserienmodell mit einer Taktrate von 250 MHz zur Verfügung. Bei unseren Tests ist das Gerät deutlich schneller als das bisherige Powerbook-G3-Spitzenmodell. Auch die Gesamtleistung des Powerbooks ist besser als die der aktuell erhältlichen G3-Desktop-Rechner von Apple. Das gute Ergebnis liegt vor allem an den schnellen Komponenten, die in das Powerbook eingebaut sind.
So ist das verwendete CD-Laufwerk mit 20facher Geschwindigkeit deutlich schneller als das 24fach-Speed-CD-Laufwerk der Apple-Desktop-Rechner. Der flotte ATI-3D-Rage-LT-Grafikchip ist zwar etwas langsamer als die Grafikschnittstelle der Apple-Rechner, aber wesentlich schneller als die Grafikschnittstelle der Powerbooks 1400 und 3400. Die Prozessorleistung kann sich ebenfalls sehen lassen. Verglichen mit dem bisherigen G3-Powerbook von Apple, das nur 512 KB Backside-Cache besitzt, hat das neue G3-Powerbook dank des 83 MHz schnellen Systembusses und des 1024-KB-Backside-Cache eine rund 30 Prozent höhere Prozessorleistung.
Das Highend-Modell der Wallstreet-Familie ist im Vergleich zu Notebooks gleicher Preisklasse wie beispielsweise von Compaq oder Toshiba durchaus günstiger. Kein anderes Notebook mit Ausnahme des Spitzenmodells von Apple bietet einen schnelleren Prozessor oder eine bessere Ausstattung zu einem ähnlichen Preis. Mit seinem Einsteigermodell könnte Apple es dagegen schwer haben, da sich dessen Preis schon im mittleren Marktsegment von etwa 5800 Mark bewegt.
Mit der neuen Powerbook-Wallstreet-Serie hat Apple ein gelungenes Konzept entwickelt. Diese Mobilcomputer sind besonders schnell, gut ausbaufähig und weisen eine gute Ergonomie auf. Verglichen mit Notebooks aus dem PC-Bereich sind auch die ziemlich hohen Preise gerechtfertigt. mas

Info: Apple, www.apple.de

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