965812

Dossier: Don’t be evil, Google!

08.03.2007 | 15:17 Uhr |

„Don’t be evil“ – sei nicht böse – ist das Unternehmensmotto von Google. Der Quasi-Monopolist im Suchmaschinenmarkt gerät nicht zuletzt wegen dieser hehren Versprechung zunehmend in die Kritik - nicht nur Konkurrenten hegen Zweifel an Googles Absichten.

Google Earth
Vergrößern Google Earth
In der Kritik der Konkurrenz: Googles Suche in Büchern
Vergrößern In der Kritik der Konkurrenz: Googles Suche in Büchern

Seit Google Bücher digitalisiert und über seine Suchmaschine die Inhalte zugänglich macht, kritisieren Rechteinhaber diese Praxis. Während Google seine Book Search mit der Begründung verteidigt, Reichweite, Bekanntheit und damit Umsätze von Autoren und Verlagen zu steigern, greift nun der Konkurrent Microsoft den Branchenführer frontal an. Der Konzern aus Redmond achte mit seiner „Live Search Books“ die Urheberrechte, Google kümmere sich nicht darum, wettert laut Wall Street Journal der stellvertretende Generaljustiziar des Softwareriesen Thomas Rubin. Rubin geht sogar so weit, in einer Rede vor der Association of American Publishers (AAP) dem Unternehmen aus Mountain View die Unterstützung von Piraterie vorzuwerfen. Aktiv hätten Google-Mitarbeiter an AdWord-Kampagnen mitgearbeitet, welche die Anbieter von Pirateriesoftware populär machten. Google habe mit den Kampagnen bis zu 800.000 US-Dollar eingenommen. Eine interessante Parallele zum Streit von Urheberrechteinhabern mit der mittlerweile geschlossenen Tauschbörse Grokster zieht der Rechtsanwalt Paul Lesko der Kanzlei SimmonsCooper LLC in St. Louis. Rubin habe vor der AAP bewusst von einer „Anstiftung zur Rechtsverletzung“ gesprochen. Der Terminus sei aus dem Patentrecht entlehnt und im Falle des Urheberrechts erstmals gegen Grokster verwendet und zur Urteilsbegründung gegen das Peer-to-peer-Netz herangezogen worden. Bereitet Redmond etwa eine Klage gegen Google vor?

Urheberrecht steht Geschäftsmodell im Weg

Google News: Urheber drängen auf Lizenzen
Vergrößern Google News: Urheber drängen auf Lizenzen

An der Urheberrechtsfront hat Google zuletzt im Februar eine empfindliche Niederlage erlitten. In zweiter Instanz verurteilten belgische Richter Googles Praxis, Zeitungsartikel in seiner Nachrichtenrubrik zu veröffentlichen , als Verstoß gegen die Autorenrechte. Geklagt hatte das Unternehmen Copiepress, das deutsch- und französischsprachige Zeitungen wie „Le Soir“ aus Belgien oder das „Grenzecho“ aus Eupen vertritt. Google will auch das zweite Urteil anfechten, bei Zuwiderhandlungen droht eine Strafe von 25.000 Euro täglich. Eine mögliche Folge, falls Google nicht doch Recht bekommt: Das Sammeln von Google News kommt die Suchmaschine teuer zu stehen, Lizenzgebühren könnten das Geschäftsmodell stark verändern. Copiepress will seine Rechtsansprüche auch in anderen europäischen Ländern durchsetzen, zeigt sich aber verhandlungsbereit und wäre Lizenzzahlungen nicht abgeneigt. Gewarnt sein sollten auch Microsofts Suchdienst MSN und Yahoo, die mit ähnlichen Services aufwarten.

0 Kommentare zu diesem Artikel
965812