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Dot.com-Pleite erreicht Hollywood

28.05.2001 | 00:00 Uhr |

Die wahre Geschichte von Aufstieg und Fall des Internet-Startups GovWorks.com erzählt der US-Dokumentarfilm "Startup.com". Zunächst war nur geplant, die atemberaubend schnelle Entwicklung der Firma dokumentarisch zu begleiten, deren Pleite gab der Geschichte jedoch eine dramatische Wendung

60 Millionen Dollar, große Pläne, zerbrochene
Freundschaften und schließlich eine spektakuläre Pleite - was für ein
Filmstoff! Diese wahre Geschichte präsentieren US- Dokumentarfilmer.
Der Film «Startup.com» schildert den steilen Aufstieg und tiefen Fall
eines Internet-Unternehmens.

«Es war ein reiner Glücksfall, dass unsere Geschichte ein so
spannendes Finale hat», sagt die Regisseurin Chris Hegedus. Der
Streifen wurde zum Hit der Filmfestivalsaison, mit ausverkauften
Vorführungen in den Internet-Hochburgen San Francisco und Seattle.

Zusammen mit ihrer Kollegin Jehane Noujaim wollte Hegedus im
vergangenen Jahr eigentlich nur die atemberaubend schnelle
Entwicklung einer neuen Internetfirma namens GovWorks.com filmen; das
Unternehmen scheiterte noch während der Dreharbeiten. Zugang zu der
Firma bekam das Filmteam durch Noujaim, die mit einem der
Firmengründer befreundet war.

Die zentrale Figur von «Startup.com» ist der heute 29 Jahre alte
Unternehmer Kalil Isaza Tuzman. Er kündigte 1999 seinen gut bezahlten
Job bei der Investmentbank Goldman Sachs, als ihm Jugendfreund Tom
Herman von einer Geschäftsidee erzählt: Von einer Internetfirma, die
den Kontakt zwischen städtischen Ämtern und Bürgern organisiert.
Knöllchen werden online bezahlt, Amtsformulare gibt es in digitaler
Form und mit den Beamten kann per Internet gesprochen werden.

Tuzman wird als Chef angeheuert, und die Idee der Gründer
überzeugt viele Investoren. In mehreren Finanzierungsrunden erhält
GovWorks.com insgesamt 60 Millionen Dollar Investmentkapital. Bis zu
233 Mitarbeiter kommen an Bord. Tuzman wird zur Vorzeigefigur der
Internet-Ökonomie und erhält damals sogar einen Gesprächstermin bei
Präsident Clinton. Schließlich werden die Investoren jedoch
ungeduldig; vergeblich warten sie auf Einnahmen und drehen langsam
den Geldhahn zu. Im vergangenen Herbst muss Tuzman zunächst mehr als
die Hälfte der Belegschaft entlassen, darunter seinen Vater und
seinen Jugendfreund.

Dem Internet-Unternehmen ging das Geld aus. Im Januar gab die
Firma auf, 40 Millionen Dollar Schulden blieben übrig. Die
Firmengründer Tuzman und Herman sind jetzt Direktoren einer
Wirtschaftsberatungsfirma, die Internetunternehmen beim Aufbau ihres
Geschäfts begleitet.

Aus über 400 Stunden Filmmaterial, das mit digitalen Kameras
entstand, schnitten Hegedus und Noujaim schließlich einen 103-
minütigen Film zusammen. Stellenweise erinnert er an einen Krimi über
Wirtschaftsspionage. Dramatische Szenen mit panischen Gesichtern im
Firmen-Konferenzraum bilden einen Höhepunkt in «Startup.com». «Wir
konnten all dies filmen, weil wir mit ganz kleinen unauffälligen
Kameras arbeiteten. Und die meisten der Geschäftsleute haben uns auch
nicht richtig ernst genommen», erzählt Hegedus.

Hegedus und ihr Produzent und Ehemann D. A. Pennebaker genießen in
der internationalen Dokumentarfilmszene einen guten Ruf. In
Deutschland kennt man Hegedus durch ihren Konzertfilm «Keine Zeit»
über den Rocksänger Marius Müller-Westernhagen.
dpa

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