877100

Dot.coms werben oft geschmacklos

27.03.2001 | 00:00 Uhr |

Geschmacklose Werbekampagnen junger Internetfirmen
geraten zunehmend in die Kritik. Wie der Deutsche Werberat am
Dienstag in Berlin berichtete, hat sich die Zahl der beanstandeten
Werbungen von Internetunternehmen von 20 auf 54 fast verdreifacht.
Dot.com-Firmen wollten rasch bekannt werden. Einige von ihnen sähen
einen Weg dahin in aggressiver Werbung. So wurde nach dem Eingriff
des Werberats der TV-Spot einer Internetplattform vom Bildschirm
verbannt, der drei Männer ohne Arme und Beine zeigte. Auch die
Nahaufnahme einer blutverschmierten Pistole, mit denen blutige Hände
direkt auf den Betrachter der Anzeige für einen Börsengang zielten,
wurde zurückgezogen.

Mit solchen pseudokreativen Kampagnen verschlechtern die Firmen
nach Einschätzung des Werberats-Vorsitzenden Jürgen Schrader nur ihr
Image und das ihrer Produkte - und verspielen so ihren Werbeetat.
«Aufsehen ist noch kein Ansehen.» Der Werberat, von der Wirtschaft,
Medien und Werbeagenturen getragen, dient als Konfliktregler in
Sachen Werbung. Rund 1140 Menschen und Institutionen beschwerten sich
im vergangenen Jahr bei dem Bonner Selbstkontrollorgan über 332
Werbungen. 1999 waren 253 Spots, Anzeigen und Plakaten auf rund 400
Beschwerden gestoßen.

Die meisten der Beschwerden waren für den Werberat unbegründet. In
gut einem Drittel jedoch wurden die Werbemaßnahmen beanstandet. 82
wurden daraufhin zurückgezogen, acht geändert und drei öffentlich
gerügt, weil sie trotz Beanstandung weiter geschaltet wurden. Eine
der Rügen erhielt die zum italienischen Benetton-Konzern gehörende
Bekleidungsfirma Sisley. Auf einem Plakat für Schuhe wurde das
teilweise nackte Gesäß einer Frau gezeigt.

Auch der Fernsehsender RTL II bekam für die Werbekampagne zur TV-
Serie «Expedition Robinson» eine öffentliche Rüge. Auf Plakatflächen
und in Anzeigen lag ein nacktes Pärchen am Boden. Die
Geschlechtsteile waren deutlich zu sehen. Religiöse Gruppen und
Einzelpersonen empfanden dies als «schamlose und die Menschenwürde
verletzende Werbemaßnahme».
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
877100