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Der E-Book-Handel gewinnt an Fahrt

17.09.2009 | 11:35 Uhr |

Das Angebot an digitalen Büchern wird immer größer. Noch fehlt es allerdings an aktuellen Bestsellern. Zudem kosten E-Books wegen der Buchpreisbindung gleich viel wie Taschenbuchausgaben.

Sony Reader
Vergrößern Sony Reader
© Sony

Flimmerfrei ist er schon, und bald wird er auch per Touchscreen zu bedienen sein: Sonys Reader . Die neueste Version des Lesegeräts für digitalisierte Bücher - auf Neudeutsch: E-Books - soll in Deutschland von Oktober an in den Läden stehen. Doch bereits jetzt und damit vor der Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober) dürften sich viele Leseratten fragen: Wo kann ich die Buchdateien eigentlich kaufen, und was kosten sie? Und bekomme ich auch aktuelle Bestseller im elektronischen Format?

"Der E-Book-Markt steht noch ganz am Anfang und bildet sich erst allmählich heraus", sagt Ronald Schild vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt. Eine entscheidende Ursache dafür dürfte sein, dass es neben dem Reader nach wie vor kein Lesegerät gibt, das über Insiderkreise hinaus bekannt wäre. So machte Amazon bis zuletzt keine Anstalten, den Marktstart seines längst angekündigten und in den USA bereits erfolgreichen Lesegeräts Kindle zu verkünden.

Nur wenige Bestseller

E-Books bietet Amazon hierzulande trotzdem schon an - über eine Tochterfirma unter www.mobipocket.de. "Mobipocket führt Zehntausende von E-Books und hat auch ein umfassendes deutsches Angebot", sagt Christine Höger, Amazon-Sprecherin in München. Doch während Klassiker von Hesse bis Heine reichlich vertreten sind, fehlen aktuelle Bestseller mehr oder weniger komplett. Und wer Infos wünscht, wie das Herunterladen funktioniert oder ob er die angebotene kostenlose Lesesoftware wirklich braucht, muss mit englischsprachigen Hilfe-Seiten vorlieb nehmen.

Auch der Börsenverein mischt beim Verkauf elektronischer Bücher mit, erläutert Ronald Schild: über die Plattform www.libreka.de, die auch eine Volltextdatenbank für lieferbare deutschsprachige Titel ist. Rund 14.000 davon sind inzwischen als E-Books verfügbar. "Der Schwerpunkt liegt auf dem Fach- und Sachbuchbereich." Doch die Belletristik hole auf. "Wir gehen davon aus, dass wir in sechs bis zwölf Monaten die Mehrzahl der aktuellen Bestseller als E-Books anbieten können."

Künftig soll das Angebot des Börsenvereins nicht mehr nur unter seiner eigenen Adresse zu finden sein, sondern auch in Webshops von Buchhändlern eingebunden werden, wie Schild erklärt - ähnlich wie der Onlineladen des Grossisten Libri (www.libri.de). Darüber hinaus werde derzeit eine Lösung eingeführt, die das Herunterladen von E-Books direkt in der Buchhandlung möglich macht: an Libreka-Terminals - und im Format EPUB. "Das entwickelt sich immer mehr zum Standardformat."

So setzen zum Beispiel Libri und Ciando (www.ciando.com) stark auf das Format - und die Buchhandelskette Thalia sogar komplett: Das immer größer werdende E-Book-Sortiment unter www.thalia.de ist ausschließlich als EPUB erhältlich. "Das ermöglicht auf Sonys Reader schlichtweg die beste Lesequalität", sagt Sprecherin Mirjam Berle. Das ist vor allem deshalb entscheidend, weil Thalia derzeit voll auf den Reader als Lesegerät setzt. Libri bietet dagegen auch den iLiad eReader, das BeBook oder den großformatigen Digital Reader 1000S an.

Kein Preisvorteil bei Digital-Büchern

Bei thalia.de ist das Angebot an Belletristik-Bestsellern schon vergleichsweise groß. Zu den bestverkauften E-Books zählte zuletzt zum Beispiel Stephanie Meyers Vampir-Roman "Bis(s) zum Morgengrauen". Mit 9,95 Euro war der Download exakt so teuer wie das Taschenbuch. "Wir machen die Preise für die E-Books nicht, die geben die Verlage vor", sagt Mirjam Berle. "Der Kunde erwartet deutlich geringere Preise für E-Books als für Bücher, aber dem ist meist nicht so", bestätigt Schild. Das liege nicht zuletzt daran, dass für gedruckte Bücher der verringerte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gelte, während für E-Books die vollen 19 Prozent fällig werden.

Trotzdem glaubt Schild an das Potenzial der elektronischen Bücher: In fünf bis zehn Jahren könnten sie nach Einschätzung des Experten einen Anteil von 20 Prozent an allen verkauften Buchtiteln haben. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Wer befürchtet hatte, das E-Book werde dem althergebrachten Schmöker aus Papier innerhalb kürzester Zeit den Garaus machen, kann sich beruhigt zurücklehnen. (dpa)

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