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E-Mail-Marketing-Firmen schlagen zurück

15.05.2003 | 14:09 Uhr |

Spam oder Infoletter? Die Grenzen sind fließend und die gerichtlichen Auseinandersetzungen werden härter.

Bis zu 30 Prozent des gesamten E-Mail-Verkehrs im Internet soll bald aus Spam bestehen, behauptet der Provider GMX zum Start seiner neuen Anti-Spam-Filter. Neun von zehn Internet-Teilnehmern haben laut einer Marktforschung bereits schlechte Erfahrungen mit unerwünschtem Werbemüll gemacht. Das Klima wird für Massenversender immer schlechter, Prozesse gegen Spammer häufen sich. Dabei ist die Grenze zwischen Werbemüll und Infolettern fließend, manche Filter gehen gar derart restriktiv gegen Massenaussendungen vor, dass manche elektronischen Infobriefe wie der an rund 7.000 freiwillige Abonnenten versandte Macwelt-Newsletter, gar nicht ihren Empfänger erreichen.

So werden sinnvolle Anti-Spam-Maßnahmen unter Unständen zum Fallstrick für seriöses E-Mail-Marketing. Nach einem Bericht des US-Technikmagazins Wired  ergreifen nun erstmals Spammer, respektive E-Mail-Werber, gerichtliche Gegenmaßnahmen. Ein Gruppe anaonymer E-Mail-Marketing-Firmen, die sich zur Interessengruppe eMarketersAmerica.org zusammengeschlossen hat, geht nun in den USA gerichtlich gegen die Spam-Bekämpfer Spamhaus und SPEWS.org   vor. Das Ziel der Klage gegen insgesamt neuen Personen ist, gerichtlich Listen verbieten zu lassen, die der Spammerei verdächtige Absender anführen und derart als Grundlage für Blacklist-Filter gelten. Die Behauptungen, die Spamhaus und SPEWS (Spam Prevention Early Warning System) aufstellten, seien laut Kläger falsch, irreführend und ehrverletztend. Mark Felstein, Sprecher der Kläger-Organistion, deren einzelne Mitglieder sich aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen nicht namentlich bekennen wollen, beklagt sich Wired.com gegenüber, dass es keine Chance auf Gegendarstellung oder gar Regressansprüch gebe, sobald man einmal auf einer Blacklist gelandet sei.

Andrew Barret von der Stiftung SpamCon nimmt die angeklagten Verbraucherorganisationen in Schutz. Es sei deren durch die Verfassung garantiertes Recht, die Aktivitäten von Massenversendern zu kritisieren. Finanzielle Unterstützung im Verfahren, mit dem sich das Bezirksgericht von Süd-Florida befassen wird, sollen Spamhaus und Spews durch einen neu geschaffenen Hilfsfond erhalten. 

Der Klage gelassen sieht Spamhaus-Direktor Steve Linford der Klage entgegen. Blacklists einzusetzen sei Sache des Anwenders eines E-Mail-Accounts, die Liste würde nicht direkt den Rechner des Versenders angreifen.

Spews hat auf die Anschuldigungen bislang keinerlei Stellungnahme abgegeben, ein Disclaimer auf der Website stellt jedoch klar, dass die veröffentlichten Listen eine Meinungsäußerung seien und niemanden diffamierten.

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