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EM 2016 – Big Data gegen Expertenwissen

11.07.2016 | 17:11 Uhr |

Kann ein Roboter die Zukunft besser vorhersagen? Nicht immer, aber bei der vergangenen EM in Frankreich schon.

Gegen die menschliche Intelligenz kann sich ein Roboter trotzt vermehrter Behauptung in vielen Bereichen immer noch nicht durchsetzen. Doch Big Data und künstliche Intelligenz ziehen in immer neue Einsatzsituationen. Diesmal mussten sich die zahlreichen Fußball-Experten aus der Macwelt- und PC-WELT-Redaktion geschlagen geben, denn der interne Gruppensieger hat wenig Ahnung von Fußball, hat während der EM nur drei Spiele in voller Länge angeschaut und sich fürs Tippen für eine eher ungewöhnliche Methode entschieden.

Wie hat es angefangen?

Die Macwelt-Redaktion hatte für das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Ukraine eine perfekte Konstellation. Unser Chef vom Dienst, Peter Müller, ist ein ausgewiesener Fußball-Experte und langjähriger Bayern-Fan. Ich, Halyna Kubiv, Content Managerin bei der Macwelt, schaue mir ab und zu mal ein Spiel an, kenne mich jedoch nicht so gut aus. Trotzdem musste ich mit dem Kollegen Tipps für die kommenden Spiele abgeben und so das EM-Tipp-Spiel auf der Webseite anheizen helfen. Der Kollege Müller hatte ein leichtes Spiel: Wer seine Beiträge im Morgenmagazin liest, kann feststellen, dass er ein wandelndes Wikipedia in Sachen Fußball ist. Wer wann wie gespielt hat, wer die Meisterschaft XY gewonnen hat und wie dabei das Wetter war, diese Fragen kann Herr Müller anscheinend auch im Schlaf beantworten. Wollte ich gewinnen, musste ich mir was anderes überlegen. Onkel Google war die erste Anlaufstelle. Zugegeben, die ersten drei Trefferseiten bei der Suche "odds euro 2016" waren voll von dubiosen Wettseiten, jede einzelne hat auf der Startseite behauptet, ich hätte entweder ein iPad oder ein iPhone gewonnen. Etwas tiefer angekommen waren die Seiten sogar mit einem Windows-Rechner ohne großes Risiko ansurfbar. Dort hatte ich eben eine aktuelle Studie zu der EM in Frankreich gefunden, die mir helfen sollte, den Kollegen Müller sowie alle anderen Kollegen aus der Redaktion beim Tipp-Wettbewerb auszustechen. Prof. Achim Zeileis von der Universität Innsbruck hat eine Statistik-Studie veröffentlicht, die die wahrscheinlichsten Ergebnisse der kommenden EM vorhersagen sollte. Die Studie basiert auf einem statistischen Modell "Bookmaker consensus model", in etwa ein bereinigter Mittelwert aus allen Buchmacher-Wetten zu einem gegebenen Spiel. Das Team um den Professor Zeileis hat sich die Mühe gemacht und eine Gegenüberstellung aller Teilnehmer-Mannschaften mit den Gewinn-Chancen aufgestellt ( Seite 4 der Studie ). Diese war auch meine Grundlage für alle abgegebenen Tipps in der Vorrunde. Für die Play-Off-Spiele habe ich zur Hilfe die Zahlen auf betexpert.de herangezogen. Die Annahme der Statistik-Wissenschaftler war die Folgende: Die Buchmacher berücksichtigen nicht nur die historischen Daten, sondern die aktuelle Aufstellung der Mannschaften, Verletzungen einzelner Spieler etc. Die Studie hat zwar den Gewinner verfehlt, das Halbfinale Deutschland gegen Frankreich und dessen Ergebnis jedoch richtig vorausgesagt.

Excel gegen Menschen: Wer ist ein besserer Fussball-Experte?

Doch wie war es bei mir und bei den redaktionellen Wettbewerb? Nun, nach dem Halbfinale Portugal gegen Wales rutsche ich auf Platz eins der Redaktions-Gruppe mit insgesamt neun Mitgliedern, selbst null Punkte beim Finale-Tipp konnten die Aufstellung nicht ändern. Insgesamt landete ich auf Rang 17 mit 124 Punkten, der nächstplatzierte Kollege hatte 118 Punkte erzielt. Mit sechsmal sechs Punkten, achtmal vier Punkten und dreizehnmal zwei Punkten (dazu drei richtig beantwortete Bonusfragen) hatte ich dennoch 24 Spiele aus 51 falsch vorhergesagt. Vor allem bei den Remis ist meine Strategie voll aufgegangen: Laut historischen Daten ist das Ergebnis "1 : 1" das häufigste bei Unentschieden, das war auch bei dieser EM nicht anders: Fünf Spiele in der Vorrunde endeten so, drei davon habe ich richtig getippt. Etwas daneben lag ich bei den Gewinn-Chancen: Das häufigste Fußball-Ergebnis "2 : 1" hat es bei der aktuellen Europameisterschaft nur achtmal gegeben, dagegen "0 : 1" - gleich dreizehnmal. Eine der möglichen Erklärungen sind die geänderten Gruppenregeln mit mehr Teilnehmern, selbst drei Unentschieden konnten theoretisch für das Weiterkommen ( bis ins Finale – siehe Portugal ) reichen, so konnten die Mannschaften auf Nummer Sicher gehen.

Fazit:

Die spannendste Liste sind meine Null-Tipps in der Vor- und Play-Off-Runde. Dort finden sich drei mal die Mannschaften aus Island und Wales. Die Isländer konnten erst im Viertelfinale heim geschickt werden, die Waliser – erst im Halbfinale. Aber eben Portugal hat mir bei dieser EM mindestens viermal einen Strich durch die Rechnung gemacht, dreimal in der Vorrunde, zuletzt im Finale gegen Frankreich. Statistik hin oder her, Fußball war und bleibt zum größten Teil unberechenbar, das macht eben den Reiz dieses Spiels aus.

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