Steve Jobs’ offener Brief „Gedanken über Musik“ aus dem Februar zeigt im April erste Wirkung: Am 2. April kündigt als erster der vier großen Musikkonzerne die EMI-Gruppe an, in Zukunft auf den Kopierschutz zu verzichten - allerdings nur alternativ und zu etwas höheren Preisen. Als erster wird Apples iTunes Store DRM-freie Musik aus dem EMI-Repertoire aufnehmen. Die ausgewählten "Premium Downloads" wird Apple in deutlich besserer Qualität zum Download anbieten, für 1,29 Euro pro Titel. Auch Upgrades für bestehende Musikbibliotheken bietet iTunes an: Zum Aufpreis von 30 Cent pro Titel können Kunden den DRM-Schutz entfernen und ihre Musik zugleich in besserer Qualität erhalten. Das Angebot „iTunes Plus“ startet der iTunes Store jedoch erst Ende Mai. Im Laufe des Jahres kommen noch die Angebote einiger unabhängiger Plattenlabels dazu, die drei anderen großen Firmen können sich mit dem Angebot aber nicht anfreunden.
Alle iTunes-Plus-Songs gibt es weiterhin auch DRM-geschützt zu kaufen, zum bisherigen Standard-Preis von 99 Euro-Cent. Nicht verändern wird sich der Preis ganzer Alben: Sie lassen sich nur noch in einer höheren Qualität und mit einer Bitrate von 256 Kilobit pro Sekunde kaufen - und sind für weiterhin 9,99 Euro immer vom Kopierschutz befreit.
Im April rechnet Steve Jobs noch optimistisch damit, bis Ende des Jahres die Hälfte aller Titel im iTunes Store DRM-frei anbieten zu können: „Unsere Kunden werden das lieben.“ Die Kunden vielleicht – die Industrie aber nicht.
Mit Kopierschutzvorkehrungen (Digital Rights Management/DRM) versucht die Musik-Industrie, Piraterie in großem Stil zu verhindern. Die verschiedenen Kopierschutzsysteme sorgen allerdings auch dafür, dass Verbraucher ihre gekauften Songs nicht einfach auf allen Playern nutzen können. So können Songs aus dem iTunes Store nur auf dem iPod mobil abgespielt werden. Damit, so die Befürchtung der Musikindustrie, wird aber auch das Geschäft mit Online-Musik selbst ausgebremst.
Die aufgrund des DRM nötige starre Verbindung von iPod und iTunes ruft Verbraucherschutzverbände auf den Plan, die EU-Wettbewerbskommission ermittelt vorwiegend gegen die Plattenfirmen. Mit dem Schachzug iTunes Plus ist es Apple gelungen, den schwarzen Peter in Causa DRM den Rechteinhabern zuzuspielen, „wir würden ja, wenn wir die Labels es erlaubten“ sagt Apple mit iTunes Plus. Kritik erntet Apple jedoch vom Medienkonzern NBC/Universal: Der iPod-Hersteller mache beste Geschäfte mit den Inhalten auf Kosten der Rechteinhaber, beklagt sich der CEO des Unternehmens Jeff Zucker im Oktober. Insbesondere bei Videos hätte sich NBC/Universal ein Mitspracherecht bei der Preisgestaltung gewünscht. Den Vertrag mit Apple lässt NBC zum Jahresende auslaufen, Fernsehshows werden aus dem Angebot entfernt. In der Musiksparte könnte es im kommenden Jahr zur Konfrontation von Apple mit den drei Großkonzernen Time Warmer, Sony BMG und Universal kommen.
Das erste Album, das EMI ohne jeglichen DRM-Schutz als MP3 zum Download angebietet, ist "The Good, The Bad & The Queen" der gleichnamigen Band um Damon Albarn. Im Oktober schließlich senkt Apple die Preise für DRM-freie Songs auf die 99 Cent, die auch Musik mit Kopierschutz kostet.
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