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EMI will Mehrheit an Warner Music kaufen

24.02.2003 | 14:06 Uhr |

AOL Time Warner führt Gespräche über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der Musikspare Warner Music an die britische EMI-Group. Eine Transaktion könnte wahrscheinlich einen Wert von drei bis vier Milliarden Dollar (3,7 Mrd Euro) haben. Die Gespräche seien in einem frühen Stadium und ein Vereinbarung stehe nicht unmittelbar bevor, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag in seiner Onlineausgabe. Die Firmen nahmen nach Angaben der Zeitung keine Stellung.

Der Verkauf der Kontrolle an Warner Music würde es AOL ermöglichen, seine hohe Schuldenlast zu reduzieren. Dies sei die Top- Priorität von Richard Parsons, dem AOL-Unternehmenschef. Parsons befinde sich unter enormem Druck, die Unternehmsschulden von 27 Milliarden Dollar zu verringern. Die Gespräche seien das klarste Signal, das sich die lange erwartete Konsolidierung in der Musikbranche nähern könne. Eine Kombination von Warner und EMI würde es auf einen US-Marktanteil für neue Titel von 22 Prozent bringen. Der Branchenführer Universal Music von Vivendi Universal habe fast ein Drittel Marktanteil. Eine Warner- EMI-Kombination sei aber weltweit gleichwertiger mit Universal.

Norah Jones und Robbie Williams seien die wichtigsten EMI- Künstler, während Kid Rock, Madonna und Missy Elliot bei Warner seien. Der Gesamtkatalog älterer Künster enthalte einige der bekanntesten Namen der Rock-Musik-Geschichte, einschließlich der Beatles bei EMI und der Eagles bei Warner.

Es gebe zahlreiche Transaktionshindernisse, wie die Aufbringung der notwendigen Barmittel und die Genehmigung der Aufsichtsbehörden in den USA und Europa. Sie hätten ein ähnliches Warner-EMI-Geschäft im Jahr 2000 und einen folgenden Vorschlag für eine Fusion zwischen der BMG-Musiksparte von Bertelsmann und EMI abgelehnt.

EMI sei seinerseits im vergangenen Jahr an Bertelsmann herangetreten, um BMG zu kaufen. Zu BMG gehören RCA und Arista. EMI hatte Bertelsmann erklärt, man könne vier Milliarden Euro in bar aufbringen, um den Kauf zu finanzieren. Bertelsmann habe diesen Vorstoß abgelehnt. Bertelsmann sei skeptisch gewesen, dass eine Transaktion zu annehmbaren Konditionen durchgeführt werden könne. Mehrere große Musikfirmen, die vor allem durch die Internet- Piraterie gelitten hätten, befinden sich nach Angaben der Zeitung in einem kunstvollen Paarungstanz. Die Lage der Musikbranche habe sich seit Überprüfung dieser Transaktionen sehr verschlechtert. Europäische Gerichte hätten auch die Flügel der Kartellrechts-Hüter gestutzt.

Branchenmanager haben nach Darstellung der Zeitung etwas mehr Vertrauen, dass eine Fusion genehmigt werden könnte. Es habe sich in den vergangenen Monaten unter ihnen ein Konsens entwickelt, dass die Zahl der große Plattenfirmen von fünf auf drei schrumpfen müsse. dpa

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