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Ein Jahr Tim Cook: Was sich bei Apple geändert hat

27.08.2012 | 10:16 Uhr |

Zu große Fußstapfen oder moderner Reformer? Wir zeigen, was sich im ersten Jahr unter Tim Cook bei Apple geändert hat.

Lange Zeit galt Tim Cook als eine von Apples grauen Eminenzen im Hintergrund und war selbst Apple-Fans kaum ein Begriff: Nur wenige öffentliche Auftritte, keinerlei Image, nur Insidern als strenger, effizienter Manager bekannt. Mit alldem ist es seit einem Jahr vorbei. Cook steht seitdem an der Spitze des schillerndsten, wertvollsten Technikunternehmens der Welt. Als Nachfolger des nicht nur sprichwörtlich legendären Steve Jobs hat Cook die Aufgabe, Innovation und Erfolg weiter anzutreiben. Jobs konnte jederzeit viel Aufmerksamkeit auf sich bündeln und sein Wort hatte in der Branche und den Medien Gewicht.

Tim Cook hat im ersten Jahr seiner Amtszeit nicht erst versucht, Steve Jobs zu imitieren oder dessen Stil der Unternehmensführung zu kopieren. Stattdessen hat Cook von Beginn an eigene Akzente setzen wollen: Sonderurlaub für Apple-Mitarbeiter, mehr wohltätige Spenden , Dividende für Aktionäre, öffentliche Informationen über die Zulieferer . Dabei war es Cooks erste Amtshandlung, den Mitarbeitern Kontinuität zu versprechen und Apples Stil weiter führen zu wollen. Bei öffentlichen Anlässen wie der Telefonkonferenz zu den jeweils aktuellen Quartalszahlen ist Cook gesprächiger und auskunftsfreudiger als Vorgänger Jobs dies je war.

Apple bleibt Apple

Und doch sind Begriffe wie "Transparenz" im Zusammenhang mit Apple immer noch als sehr relativ zu betrachten: Zukünftige Produkte sind immer noch streng geheim, mehr als das, was Apple als Aktiengesellschaft veröffentlichen muss, gibt das Unternehmen immer noch nicht von sich preis. Patentklagen in Serie und verwirrende Vorgänge wie Apples lautes "jein" zum EPEAT-Umweltsiegel oder "Entlassungen-nein-doch-nicht" kratzen am Saubermann-Image, das Apple gerne für sich beanspruchen will.

Cook hat in seiner bisherigen Amtszeit einige Akzente gesetzt und mit den genannten Aktionen gezielt versucht, Apples Image zu wandeln. Doch die wesentlichen Punkte wie die Kommunikationspolitik haben sich nicht grundsätzlich geändert. Was sich jedoch gewandelt hat: Die Verantwortung wird jetzt auf mehr Schultern verteilt. Tim Cook hat den iTunes-Chef Eddy Cue zum "Senior Vice President" befördert und somit dessen wichtige Rolle für Apples Erfolg auch in der Unternehmenshierarchie abgebildet. Auf Keynotes spricht längst nicht mehr nur der Chef, sondern die jeweiligen Abteilungsleiter zeigen Ihre Entwicklungen, Chef Cook kümmert sich nur um Begrüßung und Verabschiedung.

Auf der anderen Seite verliert Apple unter Tim Cook einige zentrale Mitarbeiter. Ron Johnson, verantwortlich für den großen Erfolg der Apple Stores, verließ das Unternehmen. Bob Mansfield , Chef der Hardwareentwicklung bei Apple, wird die Firma ebenfalls bald verlassen und sich zur Ruhe setzen. Wenig spricht dafür, dass die Topmanager unzufrieden waren oder nicht einverstanden mit der neuen Führung. Doch Cook steht vor dem Problem, die Topleute zu halten, deren Haltefristen ihrer Aktienoptionen auslaufen und die mit Apple schon alles erreicht haben, was man als leitender Ingenieur wirtschaftlich erreichen kann. Auch Bertrand Serlet, Chef der OS-X-Abteilung, ist inzwischen nicht mehr bei Apple, verließ das Unternehmen aber bereits im März 2011.

Funktionäre statt Visionäre

Apple ist unter Tim Cook mehr zu einer gewöhnlichen Organisation geworden. Aus der "Kultfirma mit dem charismatischen Chef" wurde in den Medien "der iPhone-Hersteller". Die One-Man-Show ist solider Unternehmensroutine gewichen. Weniger Aufreger durch markige Sprüche des Vorstandschefs – wie unter Jobs – dafür muss Apple sich neu finden und kann sich nicht mehr nur auf eine Person verlassen, die die Außendarstellung der Firma bestimmt.

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