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Ein großer Wurf

15.03.2001 | 00:00 Uhr |

Nur noch neun Tage, dann beginnt bei Apple mit Mac-OS X eine neue Betriebssystem-Ära. Mehr als vier Jahre hat Apple für die Entwicklung des auf Unix basierenden Systems gebraucht.

Schön und schnell wie ein Ferrari, leistungsstark wie eine Kenworth-Truck und revolutionär wie die Brennstoffzelle, so sieht der kalifornische Computer-Hersteller Apple sein neuestes Produkt. Im Gegensatz zu den Hits der letzten Jahre, die wie der iMac, das Powerbook G4 aus Titan oder der superflache und 21 Zoll große LCD-Bildschirm Cinema-Display alle aus dem Hardware-Lager kamen, will Apple nun mit einem Betriebssystem für Furore sorgen. Am 24. März soll mit der weltweiten Einführung von MacOS X (sprich 10) für die mehr als 30 Millionen Mac-Anwender eine neue Zeitrechnung beginnen. Apple beginnt parallel zur Cebit in Hannover mit der Auslieferung des Next-Generation-OS, das mit seinen starken Linux-Anleihen, der nächste große "Wurf" darstellen soll.

Ende der Odyssee

Mit dem neuen System geht für den in den letzten Monaten schwer gebeutelten Hersteller eine lange Odyssee zu Ende. Die vom Computer-Pionier Steve Jobs geführte Firma, die 1984 mit dem Macintosh weltweit den Standard für grafische Benutzeroberflächen bei PC-Betriebssystemen geschaffen hat, musste in den 90er Jahren zusehen, wie Microsoft mit Windows zum erfolgreicheren Betriebssystem-Anbieter wurde. Während das Mac OS lange als einziger Windows-Gegenspieler für viele Microsoft-Gegner das System der Wahl war, verlor Apple diese Position Ende der 90er Jahre an die Linux-Gemeinde. Was blieb, war die Hoffnung auf ein neues OS das schöner, schneller und moderner als die Konkurrenz aus Redmond sein sollte.

Nachdem Apples Bemühungen, das Betriebssystem gründlich zu modernisieren mit dem Projekt "Copland" zu Grabe getragen wurden, entschloss sich das Unternehmen unter der damaligen Führung von Gil Amelio zu einem waghalsigen Schritt. Am 20. Dezember 1996 gab Apple bekannt, die Firma NeXT für 400 Millionen US-Dollar zu übernehmen, deren Chef kein geringerer war, als der ehemalige Apple-Gründer Steve Jobs, der kurz nach der Macintosh-Premiere 1984 das Unternehmen im Zorn verließ.

Mit NeXT bekam Apple auch die Rechte an dem Betriebssystem NEXTSTEP, den objektorientierten Entwicklungstools und dem Application-Server WebObjects. Auch Steve Jobs kehrte zu Apple zurück und übernahm nach einer kurzen Phase als Berater wieder den Chef-Posten des Mac-Herstellers. "Die Industrie hat vom Macintosh nun über zehn Jahre gelebt und Schritt für Schritt seine revolutionäre Benutzeroberfläche kopiert. Jetzt ist die Zeit reif für eine weitere Innovation", feuerte Jobs seinen Gegnern im PC-Lager entgegen.

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