958770

Eine Frage von Oberfläch(lichkeit)en

08.11.2006 | 10:15 Uhr |

Das ist weit mehr als bloß ein Blogeintrag: Paul Kafasis, Geschäftsführer und Mitgründer des Softwarehauses Rogue Amoeba, macht seinem Ärger über Softwareanbieter Luft, die ihrerseits nichts als heiße Luft verkaufen und Mac-Usern das Geld aus der Tasche ziehen wollen: Hauptsache die Oberfläche stimmt. Paul Kafasis vermisst Tiefgang und nennt in seinem Essay Namen. Da qualmt es reichlich.

Seit vier Jahren ist Rougue Amoeba im Geschäft - und Paul Kafasis kommt sich vor wie ein Vertreter der "Old School", der mit seinem Team Software produziert, die noch in der eigenen Küche ohne fremde Zutaten kreiert wird. Doch zunehmend sehe sich sein Unternehmen von Geschäftemachern konfrontiert , die einfach bloß Systembestandteile nehmen und ein glänzende und blitzende Oberfläche drumherum bauen. Marketing und Design dieser Titel seien inspiriert von "Delicious Library" - und so nennt Paul Kafasis diese Vertreter der "neuen" Schule die Delicious Generation.

"Bei Disco gibt's bloß viel Rauch um nichts"

Prominentester und aktuellster Vertreter der Delicious Generation sei das Team um die neue Brennsoftware Disco. Letzlich basiere das gesamte Programm auf Apples DiscRecording-Framework - allein die Oberfläche ist neu und augen(ge)fällig programmiert: Der Rauch, der über dem Programmfenster beim Brennen aufsteigt, symbolisiere den Fall des Mac und der neuen Softwareindustrie. AppZapper und MacHeist bekommen genauso ihr Fett weg - und auch der MyDreamApp-Wettbewerb muss kräftig einstecken.

Mit Dank zurück an Absender

MyDreamApp hat - im Gegensatz zu den Disco-Machern [ Blog ] - sehr schnell reagiert. Jason Harris schreibt im Blog des Wettbewerbs ( :wir berichteten ), dass er vieles nachvollziehen könne, doch die General-Kritik von Paul Kafasis sei nicht berechtigt. Das Prinzip "Delicious" funktioniere: alte Ideen neu aufgreifen und anders präsentieren. Im Deutschen gibt es dafür ein Sprichwort: "alter Wein in neuen Schläuchen" - und alter Wein muss nicht schlecht sein. Die "Schuld" an der zunehmenden Programmvielfalt, die zu einem großen Teil bloß optisch aufgepeppte Systemtechnologie ist, sieht Jason Harris bei Apple selbst. Der Mac-Hersteller ist in seinen Programmen bei der Optik nicht stringent: 42 Fenster-Stile habe "das Mutterschiff" in den vergangenen fünf Jahren durchlaufen. Er gibt den Rat an alle, die jetzt mit Software Geld verdienen wollen: "Macht es für die nicht-technischen Anwender, macht es idiotensicher in der Anwendung und macht es optisch ansprechend."

0 Kommentare zu diesem Artikel
958770