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Eine Welt, ein Internet, ein Chip?

24.08.2000 | 00:00 Uhr |

Der Chip-Gigant Intel will seine Vormachtstellung im PC-Markt auch auf das Internet ausdehnen. Für mobile Kommunikation und Kleinstcomputer will man neue Industriestandards setzen.

Die Welt aus der Sicht des Chipgiganten Intel ist
eine Silizium-Scheibe. So zeigt es das Logo - ein stilisierter Globus
- eines Fachkongresses für 5 000 Experten der Chipbranche, den der
weltgrößte Halbleiterhersteller im kalifornischen San Jose in dieser
Woche ausgerichtet hat.

Lange Zeit war die Intel-Welt auf den Prozessormarkt für Personal
Computer beschränkt, von dem sich das Unternehmen satte 80 Prozent
erkämpft hat. Durch Internet, Mobilkommunikation und Kleinstcomputer
hat sich das Weltbild aber verschoben.

Mit Prozessoren für mobile Rechner und für große Server-Computer,
mit Netzwerkkomponenten und Initiativen für einen «einfachen PC» will
Unternehmenschef Craig Barrett daher seine Marktmacht vom PC auf das
Internet hinüberretten. Er setzt auf das gleiche Erfolgsrezept wie
beim PC-Prozessor: auf Industriestandards. «Unsere Chance und
Herausforderung besteht darin, dass der Kunde aus unseren Produkten
möglichst einfach seine Lösungen bauen kann», sagte Barrett in San
Jose. Er rief die Experten zur Entwicklung des «modularen Internet»
auf.

Wenn die Industrie gemeinsam Komponenten entwickle, sei das
effektiver als die Einzellösung einer Firma. Ein Kunde sollte nicht
nur einem Unternehmen ausgeliefert sein, meinte Barrett. Beobachter
werteten dies als Anspielung auf die überragende Stellung des Intel-
Konkurrenten Sun Microsystems, der bislang mit seinen Servern und
Chips einen beachtlichen Teil der Internet-Infrastruktur stellt.

Mit der Orientierung auf das Internet präsentiert sich Intel zwar
wie viele andere Unternehmen auch als E-Business-Firma, die das
Internet schöner machen will. Barrett hat dabei aber ein klares Zeil
vor Augen: Möglichst viel «Silizium», sprich Chips, an die Erbauer
der Internet-Welt zu verkaufen.

Mit dem Kurswechsel Richtung Internet will Intel aber die Welt der
Personal Computer nicht aus den Augen verlieren: «Der PC ist nicht
tot», sagt Andy Grove, der Intel 1968 mitbegründet hat. Für das aus
Intel-Sicht weiterhin wichtigste elektronische Gerät stellte das
Unternehmen folgerichtig Details zum neuen Pentium 4-Prozessor vor,
der als Nachfolger des Pentium III im vierten Quartal an der
Leistungsschraube drehen soll.

Daneben haben die Chipbauer aber auch die populären Handheld-
Computer und Internet-Funktelefone im Visier. Das soll mit einer
Prozessor-Technologie namens XScale gelingen, die ebenfalls in dieser
Woche die Fachleute überraschte. Sie erlaubt die Konstruktion von
stromsparenden Prozessoren, die je nach Anwendung mehr oder weniger
Energie aus der Batterie ziehen. Mit XScale will Intel auch dem
Startup Transmeta und seinem Stromspar-Chip «Crusoe» Paroli bieten,
in dem der führende Kopf der Linux-Bewegung, Linus Torvalds,
arbeitet.

Um die Zahl der Computerbenutzer zu steigern, erforscht Intel auch
möglichst einfache, PC-ähnliche Zugangsgeräte. Die im Juni
angekündigte «Dot.Station» soll erstmals im Herbst auf den Markt
kommen. Das bunte Gerät wird zwar von Intel entwickelt, wird aber
über andere Dienstleister angeboten. So gebe es Abkommen mit dem
französischen Onlinedienst E-Laser und einem US-Portal für Senioren,
die ihren Kunden die «Dot.Station» offererieren werden, sagte die
Marketingchefin für die E-Home-Aktivitäten, Marta Hasler. Das Gerät
wird mit wenigen Handgriffen bedient, kann Internet und E-Mail und
verfügt über eine sehr einfache Oberfläche.

Die Börse hat die komplette Produktstrategie von Intel honoriert.
Vom Tiefstand von 32 Dollar im Oktober 1999 stieg das Papier an der
Nasdaq - mit einigem Auf und Ab - auf jetzt über 70 Dollar. Rund
sechs Milliarden Dollar will der kalifornische Chip-Gigant allein in
diesem Jahr investieren, um zum Beispiel seine Fabriken auf eine neue
Prozess-Technologie umzustellen. Die so genannte 0,13 Mikrometer-
Technik erlaubt eine höhere Ausbeute von Prozessoren als bisher aus
den Silizium-Scheiben, die auch für die E-Business-Firma Intel weiter
die Grundlage eines jeden Geschäfts bilden werden.
dpa

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