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Electronista lobt den Zune

22.11.2007 | 10:39 Uhr |

Während Microsofts ursprünglicher Zune-Player auch nach einem Firmware-Update zu Zune 30 ein ziemlicher Flop war, sind nun die neuen flash-basierten Zunes ernstzunehmende Konkurrenten für den iPod Nano, meinen die Tester von Electronista.

Der Original-Zune, beziehungsweise das noch verfügbare Modell Zune 30, hat die Musikliebhaber nicht gerade von den Socken gerissen. Das einhellige Urteil lautete: Klobige Festplatte, kurzlebige Batterie, und ziemlich unbrauchbaren Datenaustausch über WLAN. Mit der Erweiterung der Zune-Produktlinie um flash-basierte Player könnte Apple aber jetzt ernsthaft Konkurrenz spüren, meinen die Tester der Website Electronista .

Im ersten Eindruck sehen sie sich bestätigt: „Besser eine gute Kopie als ein schlechtes Original.“ Apples Vorbild habe klar das Design und die Verpackung von Zune 4 und 8 positiv beeinflusst, und Microsoft einiges seit dem Original-Zune dazugelernt. Nur wenige Millimeter dicker als der iPod Nano ist der Zune in schwarz und grün (statt vorher: braun) erhältlich. Die hässliche gummierte Oberfläche ist nun durch ein schlichtes Plastikgehäuse mit Metallrückwand ersetzt worden. Das eloxierte Aluminium ist extrem kratzfest, die Vorderfront hingegen mit gehärtetem Glas über der Anzeige dürfte wie der Apple iPod Nano mit der Zeit Gebrauchsspuren zeigen.

Das Gerät hat natürlich kein Apple Clickwheel, ist aber (im Gegensatz zu weiteren Konkurrenten wie ZEN von Creative) einfach und blind mit einem Zune Pad bedienbar. Die lahme Pseudo-Clickwheel-Lösung vom Original-Zune ist damit endlich gestorben.

Die hierarchische Darstellung von Daten e im Zune sehen die Tester als einen echten Pluspunkt. Zwischen Kategorien könne man viel einfacher als beim iPod wechseln und zum Umschalten zwischen Audio- und Video-Podcast genüge ein einziger Tastendruck. Negativ: Die Texte stelle der Zune leider mit einem übertrieben großen Zeichensatz dar. Besser, wenn beim Bedienen man nicht auf das Lesen angewiesen ist.

Die Firmware reagiert nach den Testeindrücken langsamer im Vergleich zum iPod Nano: Das Aufwachen könne sich beim Zune sekundenlang hinziehen. Während die Anzeige im Zune zum Darstellen der Album-Covers nett genutzt wird, bleiben die Zahlen auf der Stecke. Zeiten und Fortschrittsbalken sind mit grau auf schwarz ohne Hintergrundsbeleuchtung kaum zu erkennen.

Im direkten Vergleich klingt der Zune bei der 50-Prozent-Einstellung lauter als der iPod und etwas weniger klar. Leider kommt Zune 4 und 8 nur mit ziemlich einfachen Standard-Kopfhörern. Die Premium Kopfhörer von Microsoft (40 US-Dollar) gibt es nur mit dem Zune 80.

Die Radio-Funktion im flash-basierten Zune halten die Electronista-Expterten nur für mittelmäßig. Der Empfang bei so kleinen Geräten sei nicht zuverlässig und störende Interferenzen beeinträchtigten den Genuss. Auch beim Video scheint Microsoft gespart zu haben. Während die neuen Zune-Modelle H.264 direkt unterstützen und auch DVD-Formate (720x480 Pixel) verarbeiten können, leidet die Wiedergabe an Artefakten, Farb-Auswaschungen bei Kontrast-Linien und Flackern, insbesondere bei dunklen Szenen. Der 1,8-Zoll-Bildschirm ist extrem scharf und kann die Auflösung 320x240 darstellen, aber Größe beeinträchtigt die Genauigkeit. Während die Qualität für Videoclips und Video-Podcasts annehmbar ist, zeigt sich die 2-Zoll-Anzeige des iPods deutlich überlegen. Mit den kleinen Zunes wird übrigens keine TV-Ausgabe unterstützt.

Trotz großzügiger Interpretation von DRM (Drei Geräte können dieselben Daten laden) ist die WLAN-Funktion weitgehend nutzlos. Außerhalb vom Campusgeländer einer Universität ist die Liste der in Empfangsnähe verfügbaren Geräte höchstwahrscheinlich immer leer. Auch der Ausbau mit Synchronisations-Funktion ist mühsam. Beide Zunes müssen an ein Dock zum Laden eingesteckt sein und die Synchronisation muss dann manuell initiiert werden.

Zune kommt mit einer neuen Software Marketplace , die im Gegensatz zu Apples iTunes aber eher zum Verwalten von ganzen Alben ausgelegt ist und weder Genres noch minimierte Oberfläche unterstützt. Der Online-Dienst von Marketplace ist schneller als iTunes und einige Musik wird sogar DRM-frei angeboten. Leider unterstützt der Zune nur das Sicherheitsformat Zune Marketplace, das heißt, Microsoft schließt Zune-Anwender von der Nutzung von Napster oder ähnlichen Vertrieben, die Microsofts eigenes DRM-Schema verwenden, einfach aus. Auch hier hat Microsoft von Apple und dem iTunes Store offensichtlich gelernt.

Auch in der flash-basierten Version ist Zune kein Energiesparer. Mircosoft gibt nur zögerlich die Abschätzung von 24 Stunden Batteriedauer an. Wenn WLAN eingeschaltet ist, kann der Zeitraum auch ohne eine einzige tatsächliche Nutzung des drahtlosen Netzes auf 15 Stunden absinken. Der iPod hingegen habe trotz größerem Bildschirm eine Batterielaufzeit, die offiziellen Angaben von Apple um einige Stunden übersteige, monieren die Tester. Sogar die Nutzzeit des iPod Touch, wenngleich schwer vergleichbar mit Abmessung des Geräts und Bildschirms, überträfe die alle Zune-Player.

Die Anzeige von Bildern in den neuen Zunes hat sich kaum seit dem Original Zune geändert. Im Gegensatz zum iPod können fast überall Bilder als Hintergrund angezeigt werden. Alle Bilder kommen übrigens immer im Landschafts-Format. Bei Portrait muss das Gerät gedreht werden.

Alles in allem ist der neue Zune ein robuster brauchbarer Player der eine ganze Reihe von Audio- und Video-Formaten unterstützt. Die Ausstattung von WLAN über Batterielaufzeiten und Kopfhörern bis zum notwendigen Mac-Support lässt allerdings einigen Spielraum zu Verbesserungen.

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