891874

"Elektronischer Handel ist ein hartes Geschäft"

21.06.2002 | 11:41 Uhr |

Nach Ansicht eines schweizer Experten unterscheidet sich das Onlineshop-Business nicht vom Versandhandel.

Es sollte so einfach sein: Der Betreiber eines Onlineshops stellt die Waren auf eine Webseite, der Kunde kauft per Mausklick und tippt die Nummer seiner Kreditkarte ein. Die Realität sieht nach Professor Walter Delling von der FHBB Fachhochschule beider Basel jedoch anders aus. Viele Träume seien inzwischen ausgeträumt. "Elektronischer Handel ist ein hartes Geschäft", sagte Delling. In seiner Arbeit legt er Wert auf das so genannte E- Fulfillment, also um die effiziente Abwicklung von Geschäftsprozessen nach dem Abschluss eines Geschäfts im Internet. Onlineshops unterschieden sich nach der Bestellung des Kunden nicht mehr vom traditionellen Versandhändler.

Gemeinsam mit zwei Co-Autoren analysiert der Wirtschaftsexperte in seinem Buch "Fulfillment im E-Business" Beispiele von im Internet erfolgreichen Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Leistungserfüllung und deren Bezahlung stehen im Zentrum der Betrachtungen. Der Shopbetreiber müsse sicher stellen, dass der Kunde die Ware tatsächlich erhalte und bezahle. "Das klingt zwar banal, ist es aber nicht", sagte Delling.

Es gebe noch keine ausgereiften E-Business-Lösungen von der Stange, ziehen die Autoren des Fachbuchs Bilanz. Wichtig seien die richtigen Partner. Dazu zählen Lösungsanbieter für die Zahlungsabwicklung oder Lieferunternehmen, die die Waren schnell und zu verlässig zum Kunden bringen. Schaffe ein Internetshop-Betreiber einen reibungslosen Ablauf mit seinen Geschäftspartnern und innerhalb des eigenen Unternehmens, sehen die Autoren ein großes Sparpotenzial. Doch allein bei den Bezahlsystemen buhlen viele verschiedene Systeme um die Gunst von Wirtschaft und Verbraucher.

"Es gibt keine New Economy oder Old Economy - es gibt nur eine Wirtschaft", sagte Frank Kriegl von dem Kleidungs-Versandhändler Lands' End. Er versteht den Onlineshop als eine Erweiterung des traditionellen Geschäfts, das nach den gleichen Regeln funktioniert. Mittlerweile mache das Internetgeschäft zehn Prozent des Umsatzes in Deutschland aus - mit steigender Tendenz. In den USA seien es bereits 20 Prozent. Der Katalog ist für Land's End auch im Internetzeitalter das wichtigste Marketinginstrument. "Wenn eine neue Katalogwelle in den Haushalten ankommt, dann merken wir das an der gestiegenen Nutzung des Onlineauftritts", sagte Kriegl.

Auch der Versandhändler Neckermann macht keinen Unterschied, ob die Bestellung übers Internet oder per Katalog erfolgt. "Wir greifen auf die gleiche Logistik zurück", sagte Neckermann-Sprecherin Ines Hennig. Das seit 1995 laufende Internetgeschäft unter www.neckermann.de gewinnt jedoch an Bedeutung. Die Gewinnzone habe neckermann.de laut Hennig bereits 2000 erreicht. Übers Internet erwirtschafte Neckermann fast zehn Prozent des Umsatzes.

Unverändert hat das Internet den Bekleidungshändler Land's End jedoch nicht gelassen. Das Internet erschließe neue Käuferschichten, die Land's End mit dem konservativen Image eines Versandhändlers nicht erreicht hätte, sagte Kriegl. Außerdem prognostiziert er eine weiter wachsende Bedeutung des elektronischen Handels und der neuen Technologien. "E-Commerce wie wie ihn heute kennen, ist nur die erste Stufe", sagte Kriegl. In Zukunft werde Fernsehen und Internet verschmelzen. Außerdem eröffne die Kombination von Mobiltelefon und Taschencomputern neue Chancen. dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
891874