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Elektroschrott-Rücknahme verteuert Neugeräte

21.03.2006 | 12:03 Uhr |

Mit dem an diesem Freitag startenden Entsorgegesetz für Elektroschrott werden neue Geräte wie Fernseher, Waschmaschinen und Computer nach Angaben der Branche teurer.

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Die für Hersteller und Importeure erwarteten Kosten von 300 bis 500 Millionen Euro müssten in den neuen Produkten an die Konsumenten weiter gegeben werden, teilte der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) am Montag in Berlin mit. «Da gleichzeitig die Entsorgungskosten für die allermeisten Kommunen sinken, sollte die neue Regelung für den Verbraucher kostenneutral sein», sagte ZVEI- Umweltexperte Otmar Frey.

Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) wurde dieser Auffassung widersprochen: «Von einer Senkung der Gebühren kann keine Rede sein.» Andererseits wiederholte der Verband die bisher genannten Kosten und Gebührenerhöhungen im Umfang von 300 Millionen nicht mehr. Dieser Betrag wäre bei der flächendeckenden Geräte-Abholung durch die Kommunen bei den Verbrauchern entstanden, sagte DStGB-Umweltfachmann Norbert Porz auf dpa-Anfrage. Das sei ja nicht der Fall. Im übrigen seien noch nicht alle der 1500 kommunalen Sammelstellen voll eingerichtet. Manche Gemeinde sei erst spät von der Stiftung Elektro- Altgeräteregister (EAR) über den Umfang der Aufgaben unterrichtet worden, kritisierte Porz. «Das System ist sehr kompliziert. Es wäre besser in der Regie der Kommunen geblieben.»

Zugleich kam es nur wenige Tage vor dem Start des neuen Systems zu Missstimmungen auf Herstellerseite. So warnte der ZVEI vor nicht registrierten «Trittbrettfahrern», die sich offensichtlich nicht an den Kosten beteiligen wollten. So seien etwa die Hälfte der 10 000 Hersteller zuletzt noch nicht registriert gewesen, obwohl dies nach dem Entsorgungsgesetz seit November 2005 erfolgt sein sollte. «Das heißt: Wer weiter Elektrogeräte auf den deutschen Markt bringen will, muss sich auch an deren Entsorgung beteiligen, sonst verstößt er gegen das Gesetz und muss mit empfindlichen Bußgeldern bis zu mehreren 10 000 Euro rechnen», sagte Frey. «Es darf nicht sein, dass ab dem 24. März redliche Hersteller die Entsorgungspflichten von finanziellen Trittbrettfahrern mit übernehmen müssen.» Frey forderte den Bund auf, die Kontrolle zentral zu organisieren und sich nicht auf die Länder zu verlassen.

Vom kommenden Freitag (24. März) müssen die Verbraucher ihre ausgedienten Elektro-Altgeräte von der elektrischen Zahnbürste bis zu Lampen, Toastern, Computer und Waschmaschine bei einem der 1500 kommunalen Wertstoffhöfe abliefern. Gesetzlich verboten ist danach auch, Kleingeräte wie Handy, Föhn oder gar Computermaus in die Restmülltonne zu Hause zu werfen. Der Elektroschrott wird grundsätzlich kostenlos angenommen - es sei denn, einzelne Kommunen holen diese Altgeräte gesondert ab - und ist in fünf Gruppen zu trennen: Waschmaschinen und andere Haushalts- Großgeräte, Kühlgeräte, Geräte der Telekommunikation und Unterhaltungselektronik, Gasentladungslampen sowie fünftens Haushaltskleingeräte, sonstige Lampen, elektronische Werk- und Spielzeuge und Medizingeräte (z.B. für Dialyse). Die Hersteller wiederum beauftragen Entsorgungsfirmen und tragen zunächst die Kosten, die - soweit der Wettbewerb das zulässt - über die Neugerätepreise an die Verbraucher weitergegeben werden. Erwartet werden jährlich 1,1 Millionen Tonnen gebrauchter Geräte. Die Kosten für die Entsorgung liegen bei den überwiegend ins Gewicht fallenden größeren Geräten bei 8 Euro für eine Waschmaschine, 15 Euro für einen Kühlschrank oder rund 10 Euro für einen Fernseher. Als besonders aufwendig gelten Transport, Entsorgung und Recycling von Leuchtstoffröhren. (dpa)

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